Fischadler (Pandion haliaetus)

Fischadler mit Beutefisch © Lutz DöringFischadler mit Beutefisch © Lutz Döring

Verbreitung

Der Fischadler ist eine nahezu weltweit verbreitete Art, die in Eurasien, Australien, Nord- und Mittelamerika sowie in einigen Gebieten Nordost-, Ost- und Südafrikas brütet. Die Nominatform P. h. haliaetus besiedelt die Paläarktis und die Äthiopis (GLUTZ VON BLOTZHEIM et al. 1989). Ursprünglich war die Adlerart über den gesamten europäischen Kontinent verbreitet, wurde jedoch in West- und Mitteleuropa bis auf einige Restvorkommen ausgerottet. Gegenwärtig konzentrieren sich 90 % der europäischen Brutvögel auf Schweden, Finnland und Russland; die weiteren Brutbestände verteilen sich hauptsächlich auf Norwegen, Schottland, Deutschland, Polen, Weißrussland und das Baltikum (SAUROLA & SABLEVICIUS in HAGEMEIJER & BLAIR 1997). In Deutschland liegt der Schwerpunkt der Verbreitung im Bereich der mecklenburgisch-brandenburgischen Seenplatte und in der Niederlausitz (NICOLAI 1993a, SCHMIDT 1999). Die seit 1989 festgestellten Horst- bzw. Brutpaare in Sachsen-Anhalt sind u.a. im Elbe-Havel-Winkel, im Westfläming, im Biosphärenreservat Mittlere Elbe, im Bereich des Muldestausees und im LK Wittenberg lokalisiert (DORNBUSCH 1995, 2000b, GEORGE & WADEWITZ 1997-2000, GNIELKA in GNIELKA & ZAUMSEIL 1997).

Ökologie und Zugstrategie

Das Bruthabitat des Fischadlers erscheint sehr variabel, da bei Vorhandensein einer entsprechenden Nestunterlage und fischreicher Gewässer fast jeder Lebensraum besiedelt wird (SAUROLA & SABLEVICIUS in HAGEMEIJER & BLAIR 1997). Die Art brütet hauptsächlich auf hohen, exponierten Bäumen z.B. auf Überhältern im Bestand oder am Waldrand, im Mittelmeerraum auf Felskliffs und in Deutschland derzeit zu ca. 75 % auf Leitungsmasten (MEYBURG & SCHMIDT in KOSTRZEWA & SPEER 2001). Der Brutplatz und die aufgesuchten Nahrungsgewässer können mitunter räumlich weit voneinander getrennt sein. Der Fischadler bevorzugt waldreiche Seengebiete und Flussauen, brütet aber auch in Küstengebieten und mitunter an kleineren Bergseen (GLUTZ VON BLOTZHEIM et al. 1989). Unter optimalen Lebensbedingungen werden kolonieartige Brutpaaransammlungen festgestellt z.B. in Nordamerika (SAUROLA & SABLEVICIUS in HAGEMEIJER & BLAIR 1997). Während die mediterranen Populationen nicht ziehen, sind die mittel- und nordeuropäischen Brutvögel Mittel- und Langstreckenzieher, deren Überwinterungsgebiete in Westafrika zwischen Sahara und Äquator liegen. Einige fliegen bis Südafrika. (MEYBURG & SCHMIDT in KOSTRZEWA & SPEER 2001, SAUROLA & SABLEVICIUS in HAGEMEIJER & BLAIR 1997). Der Wegzug beginnt Anfang bis Mitte August. Während des Zuges werden fischreiche Gewässer aller Art aufgesucht. Ende März erreichen die ersten Heimkehrer ihre europäischen Brutplätze. Einjährige Fischadler übersommern meistens im Winterquartier (GLUTZ VON BLOTZHEIM et al. 1989).

Bestandsentwicklung

Die starke Bejagung des Fischadlers im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts hatte in Europa einen drastischen Bestandsrückgang zur Folge. Eine weitere Abnahme des Bestandes von 1950 bis Mitte der 1970er Jahre führte u.a. im Jahr 1963 zum Erlöschen der westdeutschen Brutbestände. Danach begann in fast allen Bereichen Europas eine Phase der Bestandserholung, die auch gegenwärtig anhält (BAUER & BERTHOLD 1997, SAUROLA & SABLEVICIUS in HAGEMEIJER & BLAIR 1997). Die ostdeutschen Vorkommen erreichten Anfang der 1970er Jahre einen Tiefststand und nahmen seit 1975 (70 Brutpaare) leicht und ab 1985 deutlich zu. Die Zunahme der Art in den Dichtezentren führte zur Ausbreitung und seit 1988 zur erfolgreichen Wiederbesiedlung von fünf Bundesländern (Thüringen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Bayern und Sachsen). Im Jahr 1995 wurde ein gesamtdeutscher Bestand von 283 Brutpaaren und 1998 von 346 Paaren gezählt (SCHMIDT 1999). Die kontinuierliche Besiedlung Sachsen-Anhalts begann erst 1989 mit einem, zunächst erfolglosen Brutpaar im Westfläming (DORNBUSCH 1995). 1998 konnten bereits sieben erfolgreiche und ein erfolgloses BP des Fischadlers mit durchschnittlich 1,4 flüggen Jungvögeln je begonnener Brut festgestellt werden (DORNBUSCH 2000b). Im Jahr 2000 wurden sechs erfolgreiche und drei erfolglose BP mit der gleichen mittleren Fortpflanzungsziffer gezählt (DORNBUSCH 2002). Von den acht Horsten des Jahres 1998 befanden sich einer auf einer Kiefer, je ein Horst auf Nisthilfen auf einer Kiefer und einer Eiche und fünf auf Gittermasten (DORNBUSCH 2000b). In den besonderen Schutzgebieten der EU-Vogelschutzrichtlinie konnten zwischen 1990 bis 2000 null bis vier Horstpaare gezählt werden. Somit leben 44,4 % des sachsen-anhaltischen bzw. 1,2 % des deutschen Bestandes in diesen geschützten Gebieten.

Gefährdung und Schutz

In der Vergangenheit war der Fischadler hauptsächlich durch menschliche Verfolgung in den Brutgebieten bedroht. Jagd und illegale Verfolgung sind auch gegenwärtig in einigen europäischen Brutgebieten (besonders in Polen) sowie in den Durchzugs- und Überwinterungsgebieten ein schwerwiegendes Problem. Eine weitere Gefährdung besteht durch die Vernichtung der Lebensräume z.B. durch Zerstörung der Flussauen, durch anthropogene Störungen an den Brutplätzen, durch Unfallgefahren an Stromleitungen, durch die Kontamination der semiaquatischen Nahrungsketten mit chlororganischen Pestiziden (DDT) und organisch gebundenen Schwermetallen (besonders Methylquecksilber), durch ein verringertes Nahrungsangebot infolge Gewässerverschmutzung sowie durch den Verlust geeigneter Horstbäume (BAUER & BERTHOLD 1997, HÖLZINGER 1987, SCHMIDT 1999). In Deutschland wurde der Bestand der Fischadler durch eine jagdliche Verschonung, durch Anwendungsverbote entsprechender Biozide, durch das Ausbringen von Nisthilfen und durch die Einrichtung von Horstschutzzonen positiv beeinflusst (BAUER & BERTHOLD 1997, DORNBUSCH 1997). Der Mangel an geeigneten Horstbäumen (Überhältern) wird durch eine zunehmende Verlagerung der Brutplätze auf Gittermaste ausgeglichen. Die Bruten hier sind erfolgreicher als auf Bäumen (MEYBURG & SCHMIDT in KOSTRZEWA & SPEER 2001).

 

Rote Liste Deutschland:                    3 – Gefährdet (Stand 2007)

Rote Liste Sachsen-Anhalt:               3 – Gefährdet (Stand 2004)

Literatur

entnommen aus:

Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt (2003): Naturschutz im Land Sachsen-Anhalt - Die Vogelarten nach Anhang I der Europäischen Vogelschutzrichtlinie im Land Sachsen-Anhalt. Halle (Saale). 223 S.

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