Heidelerche (Lullula arborea)

Heidelerche © Axel SchonertHeidelerche © Axel Schonert

Verbreitung

Die Verbreitung der Heidelerche umfasst die boreale, gemäßigte, mediterrane und z.T. auch die Steppenzone der Westpaläarktis. Das Brutareal erstreckt sich lückenhaft von Nordwest-Afrika, der Iberischen Halbinsel, England und Südskandinavien bis nach Westrussland und zum Kaspischen Meer. Die Art dringt bis max. 64 ° N vor und fehlt in Schottland, Island, Nordskandinavien und -russland. Die Nominatform L. a. arborea bewohnt die größten Teile des europäischen Areals, L. a. pallida die südlichsten Bereiche Europas, sowie Nordwest-Afrika und die asiatischen Gebiete (GLUTZ VON BLOTZHEIM & BAUER 1985). Ca. 75 % des europäischen Bestandes (0,9-3,0 Mio. BP) brüten in Spanien und Portugal (BIJLSMA & HOBLYN in HAGEMEIJER & BLAIR 1997). In Deutschland ist die Heidelerche hauptsächlich in den nordöstlichen Bundesländern, in Niedersachsen, in der Pfalz und in Franken verbreitet. Die Art fehlt größtenteils im Alpenraum, in den Mittelgebirgen, am Niederrhein, in der Marsch und in Schleswig-Holstein (RHEINWALD 1993). In Sachsen-Anhalt werden hauptsächlich die sandigen Kiefernheiden im Norden und Osten besiedelt (NICOLAI 1993a). In der Elbeaue und im Unterharz fehlt die Art fast völlig (GNIELKA & ZAUMSEIL 1997). Einzelne Vorkommen befinden sich am Südrand des Harzes, im Unstrutgebiet und im nördlichen Harzvorland sowie auf rekultivierten Kippen und in ehemaligen Sandgruben (GNIELKA & ZAUMSEIL 1997). WADEWITZ (in GEORGE & WADEWITZ 1997) konnte 1996 zwei singende Männchen im Hochharz auf 750 m und 950 m ü. NN beobachten. Für das Jahr 2000 liegen Brutzeitbeobachtungen aus dem NSG Brandberge bei Halle vor (MÜHLHAUS, WAGNER, BIRD in GEORGE & WADEWITZ 2001).

Ökologie und Zugstrategie

Die Heidelerche brütet bevorzugt an oder in durch Beweidung, Kahlschlag oder Brand aufgelichteten, trockenen Wäldern mit niedriger Kraut- und Strauchschicht. Ausgeräumte Ackerlandschaften und geschlossene Wälder werden gemieden. Warme, sonnige Hanglagen werden ebenem Gelände vorgezogen. Eine erfolgreiche Besiedlung setzt Singwarten, vegetationsfreie Flächen zur Nahrungssuche und eine Biotopgröße von mindestens 10 ha voraus (GLUTZ VON BLOTZHEIM & BAUER 1985). Optimale Bedingungen findet die Vogelart auf (ehemaligen) Truppenübungsplätzen in sandigen Gebieten wie z.B. in der Glücksburger Heide (GNIELKA & ZAUMSEIL 1997). Die Heidelerche brütet größtenteils auch in ihren Überwinterungsgebieten. Sie ist in West- und Südeuropa Stand- oder Strichvogel und verlässt im Winter nur die höheren Gebirgslagen. Die Brutvögel Nord-, Mittel- und Osteuropas ziehen in südwestliche Richtung hauptsächlich nach Westfrankreich und in den Mittelmeerraum. Der Wegzug beginnt in Mitteleuropa Mitte/Ende September. Ab Februar/März werden die Brutplätze wieder besetzt (BEZZEL 1993).

Bestandsentwicklung

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nahmen die europäischen Bestände großräumig beträchtlich ab. Sowohl die Randbereiche der Verbreitung wie z.B. Finnland, Großbritannien und Irland als auch die Schwerpunktgebiete Spanien, Portugal und Frankreich waren davon betroffen (BAUER & BERTHOLD 1997). In Deutschland haben die Bestände zwischen 1970 und 1990 um mehr als 20 % abgenommen. Mitte der 1990er Jahre zählte der deutsche Bestand noch 17.000-40.000 BP (WITT et al. 1996). Auch in Sachsen-Anhalt sind die Bestände der Heidelerche in diesem Zeitraum um mehr als 20 % gesunken (DORNBUSCH 1999, WITT et al. 1996). Zwischen 1989 und 1994 wurden im Südteil des Bundeslandes 1.700-4.000 BP gezählt und ein positiver Bestandstrend ermittelt (GNIELKA & ZAUMSEIL 1997). In den besonderen Schutzgebieten nach EU-Vogelschutzrichtlinie wurden zwischen 1990 und 2000 insgesamt 265 bis 454 BP gezählt. Diese entsprechen 3,7 % der Vorkommen in Sachsen-Anhalt bzw. 1,1 % des gesamtdeutschen Bestandes.

Gefährdung und Schutz

Die Hauptursachen der Bestandsrückgänge sind die veränderte Nutzung und Reduzierung bevorzugter Lebensräume wie Ödland, extensive Weiden und Heiden. Diese Habitate gehen durch Intensivierungsmaßnahmen der Land- und Forstwirtschaft wie Überdüngung, Flurbereinigung, Biozideinsatz sowie durch Bebauung und Nutzungsaufgabe verloren. Zum Habitatverlust trägt auch die Übernutzung ehemals ruhiger Gebiete durch zunehmende Freizeitakivitäten bei. Direkte Verluste erleidet die Art in den Überwinterungsgebieten durch die Bejagung. Ein möglicher Einfluss des Klimawandels wird diskutiert (BAUER & BERTHOLD 1997, BAUER & THIELKE 1982, BEZZEL 1993, GLUTZ VON BLOTZHEIM & BAUER 1985, HÖLZINGER 1987, TUCKER & HEATH 1994). Die wichtigste Schutzmaßnahme ist die Erhaltung und Erweiterung geeigneter Lebensräume durch extensive Nutzung. Aufforstungen, das Ausbringen von Umweltchemikalien und die Erschließung der Gebiete für touristische und bauliche Zwecke sind zu reduzieren. Sekundärbiotope, die durch Nutzungsaufgabe einer Sukzession unterliegen (z.B. Truppenübungsplätze) sind durch Managementmaßnahmen in einem als Habitat für die Heidelerche nutzbaren Zustand zu erhalten (BAUER & BERTHOLD 1997, BAUER & THIELKE 1982, HÖLZINGER 1987, TUCKER & HEATH 1994).

 

Rote Liste Deutschland:                    V – Art der Vorwarnliste (Stand 2007)

Rote Liste Sachsen-Anhalt:               -

Literatur

entnommen aus:

Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt (2003): Naturschutz im Land Sachsen-Anhalt - Die Vogelarten nach Anhang I der Europäischen Vogelschutzrichtlinie im Land Sachsen-Anhalt. Halle (Saale). 223 S.

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