Trauerseeschwalbe (Chlidonias niger)

Trauerseeschwalbe © Martin JordanTrauerseeschwalbe © Martin Jordan

Verbreitung

Das Brutareal der Trauerseeschwalbe umfasst Teile der Holarktis, wo sie in der borealen, gemäßigten, mediterranen und Steppenzone brütet. Die Verbreitung der paläarktisch beheimateten Nominatform C. n. niger erstreckt sich von Südspanien bis in die Ostmongolei. Die nearktische Unterart C. n. surinamensis bewohnt zentrale und östliche Bereiche Nordamerikas (GLUTZ VON BLOTZHEIM & BAUER 1982). Die europäische Population zählt gegenwärtig ca. 57.000-110.000 BP, die größtenteils im östlichen Europa siedeln. Während die Art in Russland und der Ukraine relativ gleichmäßig verbreitet ist, verinselt die Verbreitung in Südskandinavien, in den mediterranen Staaten und in Südost-Europa zunehmend (VAN DER WINDEN & VIKSNE in HAGEMEIJER & BLAIR 1997). In Deutschland brütet die Trauerseeschwalbe derzeit nur in der nördlichen Landeshälfte (RHEINWALD 1993). Die Vorkommen beschränken sich auf Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg/Berlin und Nordrhein-Westfalen (Unterer Niederrhein). Die größten Bestände werden aus Brandenburg gemeldet (MÄDLOW & MAYR 1996, MÄDLOW & MODEL 2000). Sachsen-Anhalt stellt einen Verbreitungsschwerpunkt innerhalb Deutschlands dar (DORNBUSCH 1999). Die gegenwärtigen Brutplätze befinden sich alle im Norden des Bundeslandes und konzentrieren sich auf die Elbe- und untere Havelniederung (Untere Havel bei Jederitz, Garbe-Aland-Niederung, Alte Elbe bei Kannenberg, Elbeaue bei Fischbeck, Elbeniederung Bucher Brack-Bölsdorfer Haken, Schelldorfer See, Elbeaue Ringfurth und Alte Elbe/Treuel) (DORNBUSCH 2000).

Ökologie und Zugstrategie

Die Art brütet in Kolonien an vegetationsreichen, stehenden und langsam fließenden Gewässern. Die Brutplätze befinden sich in Niederungen, in geschützten Buchten größerer Gewässer, auf Fischteichen und in Sumpfwiesen mit flach stehendem Wasser. Die Nester werden knapp über der Wasserfläche angelegt und von Bülten, alten Schilf- und Rohrkolbenhalmen, Schwimmblattvegetation oder Treibholz getragen. Nahrung wird meist in der Nähe der Kolonien, mitunter auch in größerer Entfernung dazu gesucht. Auf dem Durchzug hält sich die Trauerseeschwalbe sowohl an der Meeresküste als auch an Brack- und Süßgewässern auf. In den afrikanischen Winterquartieren ist die Art nur an der Küste oder auf dem Meer zu finden. Wie auch die Flussseeschwalben sind Trauerseeschwalben Langstreckenzieher, deren paläarktische Vorkommen an den Küsten des tropischen Westafrikas, z.T. auch südlicher, überwintern. In Mittel- und Westeuropa wird ein deutlicher Schleifenzug beobachtet, der im Herbst zu höheren Beobachtungszahlen auf den Britischen Inseln und im nördlichen Mitteleuropa und großen Ansammlungen an der Nordseeküste (besonders Ijsselmeer) führt. Der Abzug beginnt Mitte Juni, ostdeutsche Brutvögel ziehen erst ab Mitte Juli ab. Die Rückkehr nach Mitteleuropa beginnt ab April (GLUTZ VON BLOTZHEIM & BAUER 1982).

Bestandsentwicklung

Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts sind Bestandsrückgänge in fast allen europäischen Ländern zu verzeichnen, die sich nach 1960 verstärkten (GLUTZ VON BLOTZHEIM & BAUER 1982). Die Populationen West- und Südeuropas haben sich seit den 1970er Jahren um mehr als 50 % reduziert (VAN DER WINDEN & VIKSNE in HAGEMEIJER & BLAIR 1997). In Deutschland nahmen die Bestände ebenfalls um mehr als 50 % ab (WITT et al. 1996). Während RHEINWALD (1993) noch ca. 2.100 BP für die 1980er Jahre angab, konnten im Jahr 1990 nur noch ca. 970 BP gezählt werden. Nach weiteren Bestandseinbrüchen, 1995 gab es nur noch 750 BP, wurden 1996 wieder 950 BP festgestellt. In Sachsen-Anhalt konnten nach ebenfalls starken Rückgängen in den 1990er Jahren wieder Bestandszunahmen registriert werden (ca. 80 BP 1990, ca. 150 BP 1996) (MÄDLOW & MAYR 1996, MÄDLOW & MODEL 2000). Bestandshöchstzahlen wiesen die Jahre 1995 mit 154 und 1996 mit 158 Brutpaaren auf. Nach nur 115 BP im Jahre 1998 brüteten im Jahre 2000 wieder 150 BP. Das Angebot von Brutinseln auf einigen Gewässern mit geringer Schwimmpflanzendecke hatte einen fördernden Einfluss auf die Brutansiedlung und den Bruterfolg (DORNBUSCH 2002). In den besonderen Schutzgebieten nach EU-Vogelschutzrichtlinie wurden zwischen 1990 und 2000 insgesamt 68 bis 163 BP gezählt. Diese entsprechen 100 % der Vorkommen in Sachsen-Anhalt bzw. 17,2 % des gesamtdeutschen Bestandes.

Gefährdung und Schutz

Hauptursache für die Bestandsrückgänge ist die Zerstörung geeigneter Lebensräume. Besonders sind hierbei der Rückgang von Altgewässern, geschützten Seebuchten und Feuchtgebieten sowie der Verlust von Kies- und Sandbänken durch Gewässerausbau zu nennen. Das Entfernen von Vegetation auf Fischteichen und der Rückgang von Wasserpflanzen (besonders der Krebsschere Stratiotes aloides) engen das Brutplatzangebot weiter ein. Das Nahrungsangebot wird durch den Verlust naturnaher Gewässer, aber auch durch die intensivere Nutzung von Feuchtgebieten, Magerrasen und Weiden reduziert. Weitere Gefährdungsfaktoren stellen Bejagung, Biozideinsatz und Störungen in den Brutkolonien dar (BAUER & BERTHOLD 1997, GLUTZ VON BLOTZHEIM & BAUER 1982, HÖLZINGER 1987, TUCKER & HEATH 1994). Der Schutz des Lebensraumes in den Brut-, Durchzugs- und Überwinterungsgebieten ist auch bei dieser Vogelart die wichtigste Maßnahme. Dazu gehören der Erhalt und die Unterschutzstellung aller derzeitigen Brutplätze sowie die Renaturierung ehemaliger Plätze durch Wiedervernässung und Extensivierung der Landbewirtschaftung. Das Angebot künstlicher Nisthilfen kann den Verlust von Wasservegetation teilweise kompensieren (BAUER & BERTHOLD 1997, HÖLZINGER 1987, TUCKER & HEATH 1994).

 

Rote Liste Deutschland:                    1 – Vom Aussterben bedroht (Stand 2007)

Rote Liste Sachsen-Anhalt:               2 – Stark gefährdet (Stand 2004)

Literatur

entnommen aus:

Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt (2003): Naturschutz im Land Sachsen-Anhalt - Die Vogelarten nach Anhang I der Europäischen Vogelschutzrichtlinie im Land Sachsen-Anhalt. Halle (Saale). 223 S.

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