Ziegenmelker (Caprimulgus europaeus)

Ziegenmelker © Axel SchonertZiegenmelker © Axel Schonert

Verbreitung

Das Brutareal des Ziegenmelkers erstreckt sich über die borealen, gemäßigten und subtropischen Zonen Europas, Asiens und Nordwest-Afrikas. Die Verbreitung reicht vom Mittelmeer, Irland und Südskandinavien bis zum Baikalsee und in die Mongolei sowie Nordwest-Indien. Die Art fehlt in der Tundrenzone und in waldarmen bzw. landwirtschaftlich intensiv genutzten Gebieten. Zwei von vier Unterarten brüten in Europa: C. e. europaeus im nördlichen Europa, C. e. meridionalis auf der Balkanhalbinsel, im Mittelmeerraum und in Transkaukasien (BAUER & BERTHOLD 1997, ABS in GLUTZ VON BLOTZHEIM & BAUER 1994). Ca. 95 % der europäischen Bestände (295.000-809.000 BP) brüten in den Mittelmeerländern sowie in Nordost- und Osteuropa (HOBLYN & MORRIS in HAGEMEIJER & BLAIR 1997). Die von RHEINWALD (1993) publizierte Verbreitungskarte zeigt, dass in Deutschland nur noch Relikte der früheren Verbreitung vorhanden sind. Die gegenwärtige Verbreitung beschränkt sich hauptsächlich auf Gebiete mit sandigen Böden unterhalb von 500 m ü. NN, die einer geringen bis mittleren ackerbaulichen Nutzung unterliegen. In Sachsen-Anhalt konzentrieren sich die Vorkommen auf die Altmark, den Fläming und die östlich gelegenen, sandigen Heiden (NICOLAI 1993a). Im Südteil des Bundeslandes wurden besonders auf großflächigen Truppenübungsplätzen wie in der Glücksburger und Oranienbaumer Heide sowie in Heidegebieten westlich von Dessau hohe Siedlungsdichten festgestellt. Einzelbeobachtungen liegen auch aus den Kiefernwäldern nördlich von Zeitz vor (GNIELKA & ZAUMSEIL 1997).

Ökologie und Zugstrategie

Der Ziegenmelker brütet in den verschiedensten Heide- und Waldlebensräumen, in Dünen- und Moorgebieten, Wacholderheiden, Kiefern-, Misch- und Laubwäldern. Offene Heidegebiete, die an Hochwald grenzen, bzw. Kahlschläge und Lichtungen in sonst geschlossenen Wäldern entsprechen seinen Habitatansprüchen am besten. Wichtig sind vegetationsarme, trockene Flächen und Böden, die die tagsüber gespeicherte Wärme in der Dämmerung ausstrahlen. In Mitteleuropa werden deshalb gegenwärtig meist sandige Kiefernforste besiedelt (ABS in GLUTZ VON BLOTZHEIM & BAUER 1994). Ziegenmelker sind Zugvögel, deren Winterquartiere im östlichen Afrika zwischen Südäthiopien und Südafrika liegen. Einzelne Exemplare wurden auch in Westafrika festgestellt. Die Art zieht nachts in breiter Front und meist einzeln. Die Brutvögel verlassen im August ihre Brutplätze und nehmen diese erst ab Ende April/Anfang Mai wieder ein, wobei der Frühjahrsdurchzug in Mitteleuropa bis Anfang Juni andauert (BEZZEL 1985). In den Überwinterungsgebieten werden ebenfalls unterschiedliche Waldbiotope genutzt, die von trockenen Savannen bis zu feuchten Regenwäldern reichen (ABS in GLUTZ VON BLOTZHEIM & BAUER 1994).

Bestandsentwicklung

Seit den 1950er Jahren werden besonders aus Westeuropa Bestands- und Arealverluste gemeldet. In den Mittelmeerländern und in Osteuropa sind die Bestände stabil oder nehmen ebenfalls ab (HOBLYN & MORRIS in HAGEMEIJER & BLAIR 1997). In Deutschland geht man von einem Rückgang um mehr als 20 % aus. RHEINWALD (1993) gibt für die 1980er Jahre noch ca. 6.400 BP an, Mitte der 1990er Jahre war der Bestand auf 2.200-5.300 BP gesunken (WITT et al. 1996). Die Bestände in Sachsen-Anhalt sind im Verhältnis zum Bundesdurchschnitt noch stärker zurückgegangen (> 50 %, WITT et al. 1996). Die Kartierungen in den 1990er Jahren erbrachten erstmals genauere Bestandsangaben für die größeren Truppenübungsplätze, im Südteil Sachsen-Anhalts ist demnach mit mindestens 100-200 BP zu rechnen (GNIELKA & ZAUMSEIL 1997). In den besonderen Schutzgebieten nach EU-Vogelschutzrichtlinie wurden zwischen 1990 und 2000 insgesamt 185 bis 250 BP gezählt. Diese entsprechen 27,8 % der Vorkommen in Sachsen-Anhalt bzw. 4,7 % des gesamtdeutschen Bestandes.

Gefährdung und Schutz

Habitatveränderungen und der damit verbundene Verlust an Brutplätzen und Nahrung wie z.B. der Mangel an Großinsekten zwangen den Ziegenmelker, viele Brutgebiete aufzugeben. Die Ursachen für die Veränderungen sind die Intensivierung der Forst- und Landwirtschaft mit Reduzierung von Alt- und Totholz, Pestizideinsatz, Aufgabe traditioneller Wirtschaftsweisen und Aufforstung sowie der Torfabbau. Anthropogene Störungen in den Brutrevieren, der Straßen- und Wegeausbau in Wäldern, die Verluste im Straßenverkehr, an Freileitungen und bei Mäharbeiten sowie die Verfolgung der Vögel in den Zug- und Winterquartieren wirken sich negativ auf den Bestand aus. Klimawandel, Prädation und Sukzessionsvorgänge wirken als natürliche Faktoren auf die Populationsentwicklung ein (BAUER & BERTHOLD 1997, BAUER & THIELKE 1982, HÖLZINGER 1987, TUCKER & HEATH 1994). Schutzbemühungen sollten auf die Bestandshebung von Großinsekten und die Erhaltung geeigneter Brutplätze gerichtet sein. Besonders wichtig sind die Verringerung des Düngemittel- und Biozideinsatzes, die Verschonung von Totholz und eine extensive Bewirtschaftung von Heiden und Waldheiden. Die Ausweisung von Schon- und Bannwäldern und eine Besucherlenkungen sollen eine störungsfreie Reproduktion ermöglichen (BAUER & BERTHOLD 1997, HÖLZINGER 1987).

 

Rote Liste Deutschland:                    3 – Gefährdet (Stand 2007)

Rote Liste Sachsen-Anhalt:               2 – Stark gefährdet (Stand 2004)

Literatur

entnommen aus:

Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt (2003): Naturschutz im Land Sachsen-Anhalt - Die Vogelarten nach Anhang I der Europäischen Vogelschutzrichtlinie im Land Sachsen-Anhalt. Halle (Saale). 223 S.

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