Vogelschutzgebiet Klietzer Heide (SPA0010)

Größe [ha]:2.252
Landkreise und kreisfreie Städte:Stendal
Verwaltungseinheiten: Verbandsgemeinde Elbe-Havel-Land

Gebietsbeschreibung

Die Klietzer Heide liegt im Nordosten des Landes Sachsen-Anhalt südlich des EU SPA Untere Havel und Schollener See. Das 2.252 ha große EU SPA umfasst einen Teil des Truppenübungsplatzes östlich von Klietz inmitten von weitläufigen Kiefernforsten. Bereits seit den 1930er Jahren wurde das insgesamt über 9.000 ha umfassende Gelände militärisch genutzt und hat sich seitdem landschaftlich stark verändert. Zunächst entstand eine Sprengstofffabrik (WASAG). Nach deren Demontage wurde das Gelände zunächst von der Kasernierten Volkspolizei genutzt und 1956 von der NVA übernommen. Truppenübungsplatz und Garnison Klietz wurden in der Folgezeit für Artillerieeinheiten und das Militärwissenschaftliche Institut der DDR weiter ausgebaut. 1990 erfolgte die Übergabe an die Bundeswehr, die aktuell hier zahlreiche Übungs- und Schießmöglichkeiten vorhält (streitkraeftebasis.de - Datenblatt TrÜbPl Klietz).

Das Gebiet wurde im Jahr 2000 als Vogelschutzgebiet gemeldet. Fast die gesamte Fläche ist auch im FFH-Gebiet Klietzer Heide enthalten.

Naturräumlich ist das Gebiet innerhalb der Elbtalniederung dem Schollener Land zuzuordnen. Es gehört zur Landschaftseinheit Ländchen im Elbe-Havel-Winkel. Die Höhe beträgt im Mittel nur 50 m über NN. Durch pleistozäne Bodenentwicklung geprägt, sind hier sandige Böden vorherrschend, was sich auch in der Vegetation widerspiegelt. Kiefernforste stellen die dominierende Waldform dar, jedoch gibt es teilweise auch Laub- und Mischwälder mit einem hohen Anteil an Traubeneichen und Birken. Weite Flächen des EU SPA sind jedoch durch die andauernde militärische Nutzung über Jahrzehnte offen gehalten worden. Hier konnten sich Zwergstrauchheiden und Silbergrasfluren entwickeln. Dominante Art der Heiden ist die Besenheide. Die offenen Standorte sind Lebensraum für viele seltene Tier- und Pflanzenarten, jedoch schreitet in nicht regelmäßig genutzten Teilbereichen die natürliche Sukzession mit Aufwuchs von Birken und Kiefern voran. Auf den beiden Schießbahnen des Geländes befinden sich Bauten und bauliche Reste inmitten eines Biotopmosaiks aus offenem Sandboden, Heide, Grasfluren und Trockenrasengesellschaften, in weniger frequentierten Bereichen wachsen Birken und Kiefern auf (KUHNERT 2005). Die Schießbahnen des Truppenübungsplatzes werden militärisch intensiv genutzt. Eine große Schießbahn umfasst die gesamten zentralen Offenlandflächen des EU SPA südöstlich von Klietz bis zur Landesgrenze nach Brandenburg. Diese Schießbahn wird vor allem im östlichen Bereich für Artillerie und Panzer genutzt, wohingegen der westliche Teil weniger intensiv genutzt und teils durch Pflegemaßnahmen offen gehalten wird. Im Süden des EU SPA befindet sich außerdem ein ehemaliger Feldflugplatz, der durch regelmäßige Mahd freigehalten wird (KUHNERT 2005).

Bedeutung als Vogelschutzgebiet

Die Klietzer Heide ist vor allem Lebensraum für charakteristische Vogelarten der Heide- und Offenlandbiotope. Zusätzlich brüten hier Fisch- und Seeadler, möglicherweise bedingt durch die Nachbarschaft zum EU-Vogelschutzgebiet Untere Havel/Sachsen-Anhalt und Schollener See in Verbindung mit der, abgesehen von militärischen Übungen, weitgehenden Störungsfreiheit des Sperrgebietes.

Für Rastvögel hat das EU SPA Vogelschutzgebiet Klietzer Heide keine landesweite Bedeutung.

Brutvögel

Seit 1993 brütet der Fischadler erfolgreich im SPA auf Stahlgittermasten bzw. Nestunterlagen, seit 1994 sind im Gebiet 2 BP vertreten. Auch der Seeadler ist seit längerem Brutvogel der Klietzer Heide. Jedoch erst 2004 bezog das Brutpaar einen Horst innerhalb der Grenzen des EU-Vogelschutzgebietes (KUHNERT 2005). Die landesweite Raufußkauzerfassung in den Jahren 2009/2010 erbrachte auch Nachweise in der Klietzer Heide (PSCHORN 2011a), jedoch nicht innerhalb des Vogelschutzgebietes. Charakterarten der Heidelandschaft und der Trockenrasen sind Ziegenmelker, Brachpieper, Neuntöter und Heidelerche. Das Vorkommen des Ziegenmelkers mit 6,8 % des Landesbestandes ist als bedeutend einzustufen.

Eine große Besonderheit ist auch der Bestand von 40 BP des Steinschmätzers, der Steinhaufen als Brutplatz nutzt. Weiterhin brüten im Gebiet Wiedehopf, Raubwürger, Sperbergrasmücke, Ortolan und Schwarzkehlchen (KUHNERT 2005). Der Wiedehopf konnte 2008 mit 10 BP nachgewiesen werden (FISCHER & DORNBUSCH 2009), wobei im Erfassungsjahr 2004 nur 7 Reviere erfasst werden konnten (KUHNERT 2005). Auch 2009 war die Zahl der erfassten Reviere wieder auf 7 gesunken (FISCHER & DORNBUSCH 2010b). Interessanterweise nutzt der Schwarzspecht neben alten Kiefern und Buchen auch Holzmasten zur Anlage von Bruthöhlen, was wohl darauf zurückzuführen ist, dass im Gebiet zu wenig geeignete Höhlenbäume vorzufinden sind (KUHNERT 2005). Der Kranich brütet, anders als im Standarddatenbogen vermerkt, außerhalb des Schutzgebietes, das EU SPA wird aber während der Aufzucht der Jungen als Nahrungshabitat genutzt (KUHNERT 2005).

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