Zwergmöwe (Hydrocoloeus minutus)

Zwergmöwe © Frank WeiheZwergmöwe © Frank Weihe

Verbreitung

Die Zwergmöwe ist mit einer Körperlänge von gerade einmal 25 cm die kleinste aller Möwen. Sie brütet im Norden Skandinaviens, den Baltischen Staaten und vom Westen Russlands bis West-Sibirien, in Ost-Sibirien sowie vereinzelt an den großen Seen Nordamerikas. Das Brutgebiet ist demnach paläarktisch mit Schwerpunkt im Westsibirischen Tiefland, wo die zonale Verbreitung von der südlichen Steppe lokal bis an die Waldtundra reicht (GLUTZ VON BLOTZHEIM ET AL. 1986). Die Zwergmöwe überwintert bevorzugt in mediterranen Klimaten an den Küstengebieten von Mittelmeer, Schwarzem Meer und Kaspischem Meer, aber auch an der europäischen Atlantikküste sowie an der Nordwest-Küste der USA.

Mitteleuropa wird seit Ende des 19. Jahrhunderts episodisch besiedelt. Das osteuropäische Teilareal erstreckt sich bis Nordost-Polen. Im Winter tritt die Zwergmöwe in geringen Dichten und sehr verstreut auch in der deutschen Ostsee auf (SONNTAG et al. 2006). In Sachsen-Anhalt gelang im Jahr 1951 ein Brutnachweis am Schollener See im Landkreis Stendal. Gegenwärtig sind regelmäßig besetzte Brutplätze in Mecklenburg-Vorpommern an der Ostseeküste und in wiedervernässten Flusstalmooren bekannt geworden (SUDFELDT et al. 2014).

Ökologie und Zugstrategie

Die Zwergmöwe brütet in kleinen, recht lockeren Kolonien von 2 – 30, seltener auch bis 50 Paaren an flachen eutrophen Binnenseen und geschützten Küstengewässern. In den Steppen West-Sibiriens brüten die Zwergmöwen stellenweise auf festen oder treibenden Pflanzeninseln (GLUTZ VON BLOTZHEIM ET AL. 1986). Oft besetzt ein Einzelpaar eine Insel von 10 – 15 cm Durchmesser. Das Weibchen legt im Mai 1 – 5 Eier. Beide Elternteile wechseln sich mit der Brut der Eier ab. Nach 20 Tagen schlüpfen die Jungtiere, die nach 21 – 24 Tagen flügge sind.

Die Zwergmöwen überwintern auf dem Meer in küstennahen Bereichen der Nordsee, des Atlantiks und des Mittelmeers. Während des Wegzugs im Herbst tritt die Zwergmöwe in der deutschen Ostsee zahlenmäßig am stärksten auf. Insbesondere die küstennahen Gebiete sind dabei von großer Bedeutung, da sie nicht nur Durchzugs-, sondern auch Rast- und Nahrungshabitate darstellen (SONNTAG et al. 2006).

Bestandsentwicklung

Die globale Population umfasst zwischen 97.000 und 270.000 Individuen. Die Gesamtpopulation zeigt einen zunehmenden Trend, wobei einige Bestände aufgrund der methodischen Schwierigkeit und lückenhaften Untersuchung unbekannte Entwicklungen aufweisen (BIRDLIFE INTERNATIONAL 2012).

Die Zwergmöwe gilt als weniger anpassungsfähige Art, die recht labile, raschem Wandel unterworfene Nisthabitate bevorzugt (GLUTZ VON BLOTZHEIM ET AL. 1986). Daher ändern sich oft von Jahr zu Jahr die Lage und Größe der Kolonien eines Gebietes und es kommt zur Fluktuation von Arealgrenzen.

Gefährdung und Schutz

Zwergmöwen gelten als relativ tolerant gegenüber Menschen. Beeinträchtigungen sind folglich weniger an Rastgewässern als an Nahrungsgewässern zu erwarten (JEROMIN 2010). Während des Herbstzuges stellen kleine Fische die Hauptnahrung der Zwergmöwen dar. Änderungen in der Fischereipraxis können daher global erhebliche Folgen für das Nahrungsangebot der Möwen haben (JEROMIN 2010).

An einzelnen Zugwegen kreuzen Freileitungen, die potenziell Verluste verursachen können. Auch die zahlreichen Offshore-Windparks in der Nordsee stellen Hindernisse dar, die wiederum auch zu Verlusten führen können.

Potenziell ist die Zwergmöwe natürlich – wie alle Gewässer bewohnenden Vogelarten – von der Verschmutzung der Gewässer, speziell der schleichenden Meeresverschmutzung, bedroht. So gefährdet besonders ausgelaufenes Mineralöl die kleinen Zwergmöwen, die gerne auf ruhigen Wasserflächen ruhen.

 

Rote Liste Deutschland:                    

Rote Liste Sachsen-Anhalt:              

Quellen:

BIRDLIFE INTERNATIONAL (2012): Hydrocoloeus minutus. The IUCN Red List of Threatened Species 2012: e.T22694469A38866773. http://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2012-1.RLTS.T22694469A38866773.en. Downloaded on 21 March 2016.

GLUTZ VON BLOTZHEIM, U. N., BAUER, K. M. & BEZZEL, E. (1986): Handbuch der Vögel Mitteleuropas. 8.1. Bd. Charadriiformes (3. Teil). – 2. durchges. Aufl. – Wiesbaden: Aula Verlag.

JEROMIN, K. (2010): Untersuchungen zu den verbreitet auftretenden Vogelarten des Anhangs I der EU-Vogelschutzrichtlinie in Schleswig-Holstein 2010. Wespenbussard, Zwergmöwe, Neuntöter. Im Auftrag des Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (MLUR) des Landes Schleswig-Holstein, Ornithologische Arbeitsgemeinschaft für Schleswig-Holstein und Hamburg (OAG), Polykopie, Winnert.

SONNTAG, N.; MENDEL, B.; GARTHE, S. Die Verbreitung von See-und Wasservogeln in der deutschen Ostsee im Jahresverlauf. Vogelwarte, 2006, 44. Jg., Nr. 2, S. 81.

SUDFELDT, C., ET AL. (2014): Atlas Deutscher Brutvogelarten. Stiftung Vogelmonitoring Deutschland und Dachverband Deutscher Avifaunisten.

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