Saale-, Elster-, Luppe-Aue zwischen Merseburg und Halle (FFH0141)

Abtei und Saaleaue © RANA - Büro für Ökologie und NaturschutzAbtei und Saaleaue © RANA - Büro für Ökologie und Naturschutz

Größe [ha / km]: 1.756 / 9
Landkreise und kreisfreie Städte: Saalekreis; Stadt Halle (Saale)
Verwaltungseinheiten:Einheitsgemeinde Stadt Halle (Saale); Einheitsgemeinde Schkopau; Einheitsgemeinde Stadt Merseburg; Einheitsgemeinde Teutschenthal; Einheitsgemeinde Stadt Leuna

Gebietsbeschreibung

Das FFH-Gebiet Saale-, Elster-, Luppe-Aue zwischen Merseburg und Halle umfasst einen Ausschnitt der mit Auenwäldern, Altwässern, Grünländern und Staudenfluren reich strukturierten Saale-Elster-Luppe-Auenlandschaft mit den drei Hauptfließgewässern Saale, Weiße Elster und Luppe. Die Vorkommen holozäner Auensedimente und pleistozäner Terrassenbildungen der Saale sind typisch für diesen Bereich der Landschaftseinheit des „Halle-Naumburger Saaletals“. Die breiten Talauen von Saale und Weißer Elster vereinen sich im FFH-Gebiet zu einer weiten, durch Subrosionsprozesse beeinflussten Niederung zwischen Halle und Leipzig. Vielerorts prägen die in den Eiszeiten abgelagerten Saaleschotter den Untergrund des Gebietes. Bei den zahlreichen Stillgewässern handelt es sich um natürliche Gewässer, von denen einige den Altschlingen der drei namengebenden Fließgewässer zuzuordnen sind. Andere sind Restgewässer des historischen Lehm- und Tonabbaus, in denen sich unterschiedliche Sukzessionsstadien entwickelt haben.

Lebensraumtypen und Flora

Große Bereiche der die Saale, Weiße Elster und Luppe begleitenden Auenwaldbestände konnten als Vorkommen des FFH-LRT 91E0* Weichholzauenwälder (55 ha) sowie des FFH-LRT 91F0 Hartholzauenwälder (327 ha) ausgewiesen werden. Immerhin zwei Drittel der Hartholzauenwälder weisen einen günstigen Erhaltungszustand auf. Beiden Lebensraumtypen kommt eine hohe Kohärenz- und Habitatfunktion im FFH-Gebiet zu.

Das FFH-Gebiet besitzt artenreiche Grünländer mit den FFH-LRT 6440 Brenndolden-Auenwiesen (108 ha) und 6510 Magere Flachland-Mähwiesen (126 ha). Diese treten insbesondere in der Hollebener und Röpziger Aue bzw. der Saale-Elster-Aue auf. Die Brenndolden-Auenwiesen werden von Arten wie Färber-Scharte (Serratula tinctoria), Nordischem Labkraut (Galium boreale), Langblättrigem Blauweiderich (Veronica longifolium), Kanten-Lauch (Allium angulosum) und Hohem Veilchen (Viola elatior) gekennzeichnet. Seltener treten Kleines Mädesüß (Filipendula vulgaris), Wiesen-Schwertlilie (Iris sibirica), Sumpf-Platterbse (Lathyrus palustris), Echter Haarstrang (Peucedanum officinale), Großer Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis) und Silau (Silaum silaus) auf. Während die Brenndolden-Auenwiesen einen überwiegend günstigen Erhaltungszustand aufweisen, befinden sich viele der insbesondere großflächigen mageren Flachland-Mähwiesen auf Grund von Beweidung bzw. Eutrophierung in einem ungünstigen Zustand.
Der FFH-LRT 6430 Feuchte Hochstaudenfluren (0,1 ha) konnte lediglich auf zwei Kleinstflächen begleitend an zwei Stillgewässern nachgewiesen werden.

Flächen des FFH-LRT 3150 Eutrophe Seen (60 ha) finden sich als ehemalige Abbaugewässer z. B. bei Planena und in der Saale-Elster-Aue mit nur geringen bis mittleren Beeinträchtigungen. Die Ausprägungen des FFH-LRT 3260 Flüsse mit Wasservegetation (58 ha) sind in zwei Teilabschnitte der Luppe bei Luppenau/Tragarth mit einem schlechten Gesamtzustand ausgebildet. Hauptursachen dafür sind trotz der naturnahen Gewässermorphologie die geringe Wasserführung und niedrige Fließgeschwindigkeiten der Luppe als Folge der Abriegelung durch das Wehr bei Kleinliebenau in Sachsen. Diese Situation führt zu einer starken Verschlammung und Verkrautung mit stellenweise geschlossener Wasserlinsendecke.

Die beiden im Offenland ausgebildeten FFH-LRT 6210 Kalk-Trockenrasen und 6240* Steppen-Trockenrasen treten ausschließlich außerhalb der Aue im Bereich der Saalehänge des Wörmlitzer Kirschberges sehr kleinflächig und eng miteinander verzahnt auf ca. 4 ha Fläche auf.

Fauna

Seit einigen Jahren sind feste Ansiedlungen des Bibers (Castor fiber) im Gebiet bekannt. Der Fischotter (Lutra lutra) frequentiert zwar die Auen, es ist aber noch nicht von einem stabilen, reproduktiven Vorkommen auszugehen. Die abwechslungsreichen landschaftlichen Strukturen bieten verschiedenen Fledermausarten einen geeigneten Lebensraum. Neben der Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus) liegen Nachweise von Großem Abendsegler (Nyctalus noctula), Brandt-, Bart-, Wasser-, Fransen- sowie Breitflügelfledermaus (Myotis brandtii, M. mystacinus, M. daubentonii, M. nattereri, Eptesicus serotinus) vor.

Auf den trockenen, schütter bewachsenen Hangbereichen des Talrandes kommt die Zauneidechse (Lacerta agilis) vor.

In den Auenlandschaften südlich von Halle kann die Rotbauchunke (Bombina bombina) aktuell nicht mehr bestätigt werden. Das einzige bekannte Vorkommen befindet sich vielmehr als individuenarme Reliktpopulation im „Tonloch“ südwestlich von Luppenau. In diesem Gewässer kommt gleichzeitig auch der Kammmolch (Triturus cristatus) vor. Im Raum Schkeuditz/Günthersdorf/Merseburg wurden an der Alten Weißen Elster bei Burgliebenau wieder Laubfrösche (Hyla arborea) nachgewiesen, obwohl das von dieser Art benötigte Biotopmosaik nur pessimal ausgebildet ist. Moorfrosch (Rana arvalis), Knoblauch- und Wechselkröte (Pelobates fuscus, Bufo viridis) bewohnen ebenfalls die Auenlandschaft.

In der Weißen Elster bei Ammendorf kommt der Rapfen (Aspius aspius) vor (Fangstatistik LHW), so dass diese strömungsliebende Art sowohl die Saale als auch die Weiße Elster besiedelt. Die adulten Fische finden im schnell fließenden Fluss geeignete Jagdreviere, aber auch Laichmöglichkeiten, während die Jungfische in verschiedenen Altarmen aufwachsen können. In einigen davon, vor allem entlang der Saale, lebt auch der Bitterling (Rhodeus amarus). Bei Hochwasserereignissen werden diese Kleinfische auch in die Saale und Weiße Elster verdriftet. Ob sich dort reproduktive Bestände bilden können, ist für das FFH-Gebiet noch nicht geklärt. Einzelne Nachweise des Schlammpeitzgers (Misgurnus fossilis) in der Luppe an der südlichen Grenze des FFH-Gebietes sowie an der Mündung des Baches bei Luppenau (Fangstatistik LHW) lassen das Vorkommen dieser Art auch im FFH-Gebiet vermuten.

Als Vertreter der Insekten bestand ein Vorkommen des Eschen-Scheckenfalters (Euphydrias maturna) bis zum Jahre 1979 im Gebiet. Noch in den 1950er Jahren wurde die Art in sehr großer Anzahl festgestellt. Seit 1979 fehlen neue Nachweise. Eine Wiederbesiedlung aus nahegelegenen Vorkommen (FFH 0143) wird als durchaus möglich eingeschätzt. Die im Gebiet nachgewiesene Asiatische Keiljungfer (Gomphus flavipes), eine stenöke Fließwasserart, besitzt eine Bindung an sandigen Feingrund. Im Gesamtgebiet konnte als Brutbaum des Eremit (Osmoderma eremita) 2011 nur noch eine Alteiche bei Döllnitz bestätigt werden.

Der überwiegende Teil des Schutzgebietes ist zugleich als EU SPA ausgewiesen. Grund sind die bedeutenden Lebensräume für eine Vielzahl von Brut- und Gastvogelarten. Als landesweit bedeutsam können insbesondere die hohen Brutbestände von Rotmilan (Milvus milvus), Schwarzmilan (Milvus migrans), Wachtelkönig (Crex crex), Eisvogel (Alcedo atthis) und Blaukehlchen (Luscinia svecica) eingeschätzt werden. In den letzten Jahren kam es zudem zur Ansiedlung eines Seeadlerpaares (Haliaeetus albicilla). Eine der größten Graureiherkolonien (Ardea cinerea) des Landes Sachsen-Anhalt befand sich im Kollenbeyer Holz, die aber seit 2011 erloschen ist. Als Rasthabitat ist das Gebiet u. a. bedeutsam für Moorente (Aythya nyroca), Zwergsäger (Mergus albellus) und Schwarzstorch (Ciconia nigra).

Literatur: 63, 65, 83, 207, 212, 264, 274, 361, 393, 407, 462, 478, 483, 495, 498, 515

verändert nach:

Jentzsch, M. und Reichhoff, L. (2013): Handbuch der FFH-Gebiete Sachsen-Anhalts. Hrsg. Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt. Halle (Saale). 616 Seiten

Links / Dokumente

Hauptteil (N2000-LVO LSA)

Gebietsbezogene Anlage (N2000-LVO)

Den Standarddatenbogen und die Meldekarte finden Sie auf der Internetseite des Landesamtes für Umweltschutz.

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