Diebziger Busch und Wulfener Bruchwiesen (FFH0163)

Landschaftspflege mit Heckrindern auf den Wulfener Bruchwiesen © Daniela GüntherLandschaftspflege mit Heckrindern auf den Wulfener Bruchwiesen © Daniela Günther

Größe [ha]: 1.058
Landkreise und kreisfreie Städte: Anhalt-Bitterfeld
Verwaltungseinheiten: Einheitsgemeinde Stadt Aken (Elbe); Einheitsgemeinde Osternienburger Land

Gebietsbeschreibung

Das FFH-Gebiet Diebziger Busch und Wulfener Bruchwiesen ist Teil des Vogelschutzgebiets „Wulfener Bruch und Teichgebiet Osternienburg“ und liegt im Landkreis Anhalt-Bitterfeld ca. 25 km westlich von Aken (Elbe). Naturräumlich ist es dem „Dessauer Elbetal“ zuzuordnen. Etwa 91 % der Fläche des FFH-Gebietes sind in den NSG „Diebziger Busch“ und „Wulfener Bruchwiesen“ geschützt.

Lebensraumtypen und Flora

Der im Diebziger Busch dominierende Wald gehört zum FFH-LRT 9160 Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwald (117 ha), der sich als Folge der fehlenden Überflutung aus dem ursprünglich standortbedingten Hartholzauenwald entwickelt hat. Die Bestände werden von Stiel-Eiche (Quercus robur) geprägt, denen Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus), Hainbuche (Carpinus betulus) und Gemeine Esche (Fraxinus excelsior) beigesellt sind. In der z. T. gut ausgebildeten Krautschicht kommen Wald-Zwenke (Brachypodium sylvaticum), Rasen-Schmiele (Deschampsia cespitosa), Vielblütige Weißwurz (Polygonatum multiflorum) und Wald-Ziest (Stachys sylvatica) vor. Geringe Alt- und Totholzanteile, das Vorhandensein LRT-fremder Gehölzarten, die zu geringen Anteile der Eiche in der Reifephase und eine kaum vorhandene Eichen-Verjüngung stellen wesentliche naturschutzfachliche Defizite dar.


Ausbildungen des FFH-LRT 91F0 Hartholzauenwälder (78 ha) aus Stiel-Eiche (Quercus robur), Gemeiner Esche (Fraxinus excelsior), Flatter- und Feld-Ulme (Ulmus laevis, U. minor) kommen ebenfalls nur in ungünstigen Erhaltungszuständen vor. Sie unterliegen den Veränderungen durch das Fehlen der Überflutung.

Der FFH-LRT 91E0* Erlen-Eschenwälder (8 ha) wird durch die beiden namengebenden Baumarten gekennzeichnet. In der Krautschicht nehmen Bodenfeuchte und Nässe liebende Arten wie Sumpf-Segge (Carex acutiformis) und Sumpf-Schwertlilie (Iris pseudacorus) einen erheblichen Anteil ein.

Ein im Gebiet verbreiteter und charakteristischer Lebensraumtyp des Offenlandes ist der FFH-LRT 6440 Brenndolden-Auenwiese (164 ha). Typische Pflanzenarten sind Kanten-Lauch (Allium angulosum), Brenndolde (Cnidium dubium), Rasen-Schmiele (Deschampsia cespitosa), Wiesen-Fuchsschwanz (Alopecurus pratensis), Nordisches Labkraut (Galium boreale), Großer Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis), Spießblättriges Helmkraut (Scutellaria hastifolia), Färber-Scharte (Serratula tinctoria), Weidenblättriger Alant (Inula salicina) und Gräben-Veilchen (Viola persicifolia) sowie die Nässezeiger Fuchs-Segge (Carex vulpina) und Gelbe Wiesenraute (Thalictrum flavum). Weit verbreitet ist der FFH-LRT 6510 Magere Flachland-Mähwiesen (152 ha), die je nach Feuchtegrad des Standortes durch die Gräser Wiesen-Fuchsschwanz (Alopecurus pratensis) oder Glatthafer (Arrhenatherum elatius) bestimmt werden. Typische Kräuter sind hier Wilde Möhre (Daucus carota), Wiesen-Labkraut (Galium album), Wiesen-Margerite (Leucanthemum vulgare), Pastinak (Pastinaca sativa), Wiesen-Sauerampfer (Rumex acetosa) sowie Vogel-Wicke (Vicia cracca). Der FFH-LRT 6410 Pfeifengraswiesen (0,3 ha) kommt im Gebiet nur auf einer einzigen Fläche vor. Zu den charakteristischen Arten zählen Blaugrüne Segge (Carex flacca), Hirse-Segge (Carex panicea), Pfeifengras (Molinia caerulea) und Färber-Scharte (Serratula tinctoria). Weiterhin sind Knollige Kratzdistel (Cirsium tuberosum) und Pracht-Nelke (Dianthus superbus) vertreten.

In das Grünland des Wulfener Bruches eingebettet liegen Vorkommen des FFH-LRT 1340* Salzwiesen (3 ha). Hier treten halophile oder halotolerante Arten wie Gemeine Strandsimse (Bolboschoenus maritimus), Entferntährige Segge (Carex distans), Zierliches Tausengüldenkraut (Centaurium pulchellum), Salz-Hornklee (Lotus tenuis), Salzbunge (Samolus valerandi) und Erdbeerklee (Trifolium fragiferum) auf. Da die Standorte nur einen schwachen Salzeinfluss aufweisen, ist das lebensraumtypische Arteninventar eingeschränkt und der LRT hier nur als Minimalausbildung entwickelt.

Flächen mit dem FFH-LRT 6430 Feuchte Hochstaudenfluren (0,7 ha) sind lediglich an einem grabenartigen Fließgewässer im Westen des östlich gelegenen Teilgebietes des Wulfener Bruches entwickelt. Diese werden  durch zwei Gesellschaften repräsentiert, der Brennnessel-Seiden-Zaunwinden-Saumgesellschaft mit Zaunwinde (Calystegia sepium), Kletten-Labkraut (Galium aparine) und Großer Brennnessel (Urtica dioica) sowie der Baldrian-Mädesüß-Gesellschaft mit Echtem Mädesüß (Filipendula ulmaria), Wasser-Schwertlilie (Iris pseudacorus), Gemeinem Gilbweiderich (Lysimachia vulgaris), Sumpf-Wolfsmilch (Euphorbia palustris) und Echtem Baldrian (Valeriana officinalis).

Fauna

Biber (Castor fiber) und Fischotter (Lutra lutra) finden im Gebiet sehr gute Lebensbedingungen. Der Biber (Castor fiber) besiedelt aktuell sechs Reviere, von denen sich drei im Diebziger Busch, zwei im Südteil des Wulfener Bruches und ein weiteres im nördlichen Teil befinden. Der Fischotter (Lutra lutra) kommt im Gebiet flächendeckend mit Schwerpunkt entlang der Taube vor. Aktuell nachgewiesene Fledermausarten sind Großes Mausohr (Myotis myotis), Großer Abendsegler (Nytalus nuctula), Mops,- Breitflügel-, Brandt, Wasser-, Fransen-, Rauhaut-, Zwergund Mückenfledermaus (Barbastella barbastellus, Eptesicus serotinus, Myotis brandtii, M. daubentonii, M. nattereri, Pipistrellus nathusii, P. pipistrellus, P. pygmaeus) sowie Braunes und Graues Langohr (Plecotus auritus, P. austiacus).



Die Zauneidechse (Lacerta agilis) wurde mit einem Fundpunkt am Südrand des Diebziger Buschs angegeben. Von den Lurchen kommt die Rotbauchunke (Bombina bombina) in Gewässern nahe der Ortschaft Mennewitz und in den Wulfener Bruchwiesen vor. Habitate des Kammmolches (Triturus cristatus) befinden sich am Südrand des Diebziger Busches und am östlichen Rand des Schutzgebietes. Vorkommen des Laubfrosches (Hyla arborea) wurden an sieben Gewässern mit Schwerpunkt westlich Mennewitz festgestellt. Weiterhin wurden Knoblauchkröte (Pelobates fuscus) und Moorfrosch (Rana arvalis) an fünf bzw. drei Gewässern nachgewiesen. Während einer Elektrobefischung im Juli 2011 konnten keine Schlammpeitzger (Misgurnus fossilis) festgestellt werden. Dagegen wurden nach Aktenlage des Landesamtes für Umweltschutz Sachsen-Anhalt in den Jahren davor mehrere verendete Exemplare im Räumgut der Fließgewässer gefunden.

Von Eremit (Osmoderma eremita), Heldbock (Cerambyx cerdo) und Hirschkäfer (Lucanus cervus) liegt eine Reihe von Altnachweisen vor. Das rezente Hauptvorkommen des Heldbocks stellt der Ochsenbusch südlich von Diebzig, ein ehemals als Hutewald genutzter Eichenrandstreifen, dar. Hier wurde eine hohe Zahl besiedelter Eichen gefunden. Weiterhin konnten in diesem Bereich auch drei Brutbäume des Eremiten mit Funden von Käferfragmenten und Kotpillen ermittelt werden. Kartierungen von V. Neumann in den Jahren 2010/11 bestätigten ein aktuelles Vorkommen des Hirschkäfers im Gebiet. Weitere seltene Käferarten sind z. B. Messerbock (Axinopalpis gracilis), Rothalsiger Blütenwalzenkäfer (Dermestoides sanguinicollis), Feuerschmied (Elater ferrugineus), Hellgelbschuppiger Grubenstirn-Schnellkäfer (Lacon querceus), Großer Goldkäfer (Protaetia aeruginosa) und Marmorierter Rosenkäfer (Protaetia lugubris). Als bemerkenswerte Libellenart wurde die Große Moosjungfer (Leucorrhinia pectoralis) an einem Waldweiher am Südrand des Diebziger Busches erfasst. Mit lediglich bis zu drei Individuen pro Begehung kann die Abundanz jedoch nur als sehr gering angesehen werden.

Das FFH-Gebiet als Teil eines EU-SPA besitzt eine besondere Bedeutung für Wald- und Grünland bewohnende Brutvögel. Der Mittelspecht (Dendrocopos medius) erreicht in den an Eichen reichen Waldbeständen des Diebziger Busches eine hohe Siedlungsdichte. Weiterhin finden Wespenbussard (Pernis apivorus), Rot- und Schwarzmilan (Milvus milvus, M. migrans) geeignete Horstbäume. Der Erhaltungszustand der meisten Wiesenbrüter-Habitate ist hingegen schlecht. So brütet der Große Brachvogel (Numenius arquata) aktuell nicht mehr im Gebiet. Auch die Brutbestände von Kiebitz (Vanellus vanellus), Braunkehlchen (Saxicola rubetra) und Wiesenpieper (Anthus pratensis) sind rückläufig. Auf den Wulfener Bruchwiesen werden aktuell Blaukehlchen (Luscinia svecica), Wachtelkönig (Crex crex), Neuntöter (Lanius collurio) und Sperbergrasmücke (Sylvia nisoria) sowie sporadisch Wiesenweihe (Circus pygargus) und Sumpfohreule (Asius flammeus) nachgewiesen. Als Nahrungsgast kommt der Weißstorch (Ciconia ciconia) vor.

Literatur: 65, 207, 212, 264, 297,299, 407, 413, 423, 480, 499

verändert nach:

Jentzsch, M. und Reichhoff, L. (2013): Handbuch der FFH-Gebiete Sachsen-Anhalts. Hrsg. Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt. Halle (Saale). 616 Seiten

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