Drömling (FFH0018)

Reich strukturierte Kulturlandschaft © LVwAReich strukturierte Kulturlandschaft © LVwA

Größe [ha]: 4.328
Landkreise und kreisfreie Städte: Börde; Altmarkkreis Salzwedel
Verwaltungseinheiten: Einheitsgemeinde Stadt Klötze; Einheitsgemeinde Stadt Oebisfelde-Weferlingen; Einheitsgemeinde Hansestadt Gardelegen; Verbandsgemeinde Flechtingen

Gebietsbeschreibung

Beim „Drömling“ handelt es sich um eine reich strukturierte, naturnahe Kulturlandschaft mit einem stetigen Wechsel von Gräben, Wiesen, Äckern, unzähligen Baumreihen und Hecken. Die stark gegliederte Landschaft gibt einer Vielzahl seltener und vom Aussterben bedrohter Tier- und Pflanzenarten Überlebensraum. Das FFH-Gebiet besteht aus zwei Teilen innerhalb des NSG „Ohre-Drömling“, welches der zentrale Bestandteil des Naturparks „Drömling“ ist.

Lebensraumtypen und Flora

Im FFH-Gebiet kommen ausgedehnte Flächen des FFH-LRT 6510 Magere Flachland-Mähwiesen (615 ha) vor. Neben den charakteristischen Arten, wie Wiesen-Schaumkraut (Cardamine pratensis), Weiches Honiggras (Holcus lanatus), Scharfer und Goldschopf-Hahnenfuß (Ranunculus acris, R. auricomus), tritt als floristische Besonderheit Großer Klappertopf (Rhinanthus serotinus) auf. Sumpf-Hornklee (Lotus uliginosus) und Kuckucks-Lichtnelke (Lychnis flos-cuculi) zeigen den Übergang zu Feuchtwiesen an.

Zu den verbreiteten Waldgesellschaften im Drömling zählen neben den Erlen-Bruchwäldern die Bestände des FFH-LRT 91E0* Traubenkirschen-Erlen-Eschenwälder (31 ha). Diese werden durch Gemeine Esche (Fraxinus excelsior), Schwarz-Erle (Alnus glutinosa), Moor- und Hänge-Birke (Betula pubescens, B. pendula) sowie Gemeine Traubenkirsche (Prunus padus) geprägt.

Die Moordammgräben als stehende Gewässer zählen in ihrer artenreichen Ausbildungen zum FFH-LRT 3150 Eutrophe Seen (28 ha). Hervorzuheben ist das Vorkommen des vom Aussterben bedrohten Flutenden Selleries (Apium indundatum). Weitere bemerkenswerte Arten sind Froschbiss (Hydrocharis morsus-ranae), Wasserfeder (Hottonia palustris), Gemeiner Wasserhahnenfuß (Ranunculus aquatilis) sowie Alpen- und Gestrecktes Laichkraut (Potamogeton alpinus, P. praelongus). Die frei fließenden Abschnitte der Ohre sowie Teile verschiedener Kanäle und Gräben gehören zum FFH-LRT 3260 Flüsse mit Wasservegetation (9 ha). Die Wasservegetation, die von flutenden Beständen des Einfachen Igelkolbens (Sparganium emersum), Pfeilkrautes (Sagittaria sagittifolia), Kamm- und Alpen-Laichkrautes (Potamogeton pectinatus, P. alpinus), der Brunnenkresse (Naturtium officinale agg.) und der Schwanenblume (Butomus umbellatus) bestimmt wird, ist vor allem in den besonnten Abschnitten der Gewässer stark entwickelt.

Wenige Hochstaudenfluren können dem FFH-LRT 6430 Feuchte Hochstaudenfluren (< 1 ha) angeschlossen werden. Sie setzen sich aus Mädesüß-, Giersch-, Wasserdost- und Zaunwinden-Fluren zusammen. Zu den bemerkenswerten Arten zählen Glänzende Wiesenraute (Thalictrum lucidum), Sumpf-Gänsedistel (Sonchus palustris) und Sumpf-Greiskraut (Senecio paludosus).

Fauna

Bedingt durch das verzweigte Grabensystem sind Biber (Castor fiber) und Fischotter (Lutra lutra) regelmäßig im Gebiet anzutreffen. Der Biber hat nach der Wiederbesiedlung des Drömlings zu Beginn der 1990er Jahre eine individuenstarke Population aufgebaut. Derzeit sind ca. 25 Biberreviere im FFH-Gebiet und ca. 60 Reviere im Gesamtgebiet bekannt. Für den Fischotter wird von mindestens fünf Aktivitätszentren im FFH-Gebiet ausgegangen, Reproduktionsnachweise liegen vor.
Die Niederungsgebiete stellen gute Jagdhabitate für Fledermäuse dar. Vor allem die Wasserfledermaus (Myotis daubentonii), aber auch Fransen- und Rauhautfledermaus (Myotis nattereri, Pipistrellus nathusii) sind hier anzutreffen.

In den trockeneren Bereichen der Horste und Dämme findet die Zauneidechse (Lacerta agilis) einen geeigneten Lebensraum.

Überregional bedeutsam sind die großen Laubfrosch- und Moorfroschpopulationen (Hyla arborea, Rana arvalis). Der Kammmolch (Triturus cristatus) ist im Gebiet weit verbreitet, Knoblauchkröte (Pelobates fuscus) und Kreuzkröte (Bufo calamita) kommen dagegen eher spärlich auf den von Grünland dominierten Flächen vor. Nur vereinzelt konnte der Kleine Wasserfrosch (Rana lessonae) nachgewiesen werden.  

Der Schlammpeitzger (Misgurnus fossilis) als Fischart des Anhanges II der FFH-RL besiedelt in geringer Anzahl die dauerhaft wasserführenden Gräben des Drömlings.

Landesweite Bedeutung hat das EU SPA als Bruthabitat für die auf extensive Grünlandbewirtschaftung angewiesenen Vogelarten Wiesenweihe (Circus pygargus), Wachtelkönig (Crex crex), Sumpfohreule (Asio flammeus), Kiebitz (Vanellus vanellus), Großer Brachvogel (Numenius arquata), Bekassine (Gallinago gallinago) und Wiesenpieper (Anthus pratensis). Der Weißstorch (Ciconia ciconia) erreicht hier seine höchste Brutdichte westlich der Elbe. Der Böckwitz-Jahrstedter Drömling gilt als einziges Gebiet mit regelmäßigen Vorkommen des Karmingimpels (Carpodacus erythrinus) in Sachsen-Anhalt. In den ungestörten Waldbeständen des Breitenroder-Oebisfelder Drömlings siedelt der Kranich (Grus grus) in hoher Dichte. Auch der Seeadler (Haliaeetus albicilla) ist dort regelmäßiger Brutvogel. Einige nasse Sukzessionsflächen des Böckwitz-Jahrstedter Drömlings sind Lebensraum des Tüpfelsumpfhuhns (Porzana porzana). Auch als Rastplatz hat das Gebiet überregionale Bedeutung insbesondere für Kranich, Kiebitz, Goldregenpfeifer (Pluvialis apricaria) und Bruchwasserläufer (Tringa glareola).

 

Literatur: 15, 17, 40, 173, 207, 212, 256, 269, 279, 407, 413, 471, 511, 515, 531, 272, 502

verändert nach:

Jentzsch, M. und Reichhoff, L. (2013): Handbuch der FFH-Gebiete Sachsen-Anhalts. Hrsg. Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt. Halle (Saale). 616 Seiten

Links / Dokumente

Standarddatenbogen

Meldekarte

NSG-Verordnung "Ohre-Drömling" (FFH-Gebiet nach Landesrecht als Naturschutzgebiet gesichert)

Das Natura 2000-Gebiet ist durch eine bestehende Schutzgebietsverordnung bereits rechtlich gesichert.

Nutzungshinweise

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