Elbaue zwischen Sandau und Schönhausen (FFH0012)

Elbaue mit Mähwiesen © Caterina HeinigElbaue mit Mähwiesen © Caterina Heinig

Größe [ha]: 2.433
Landkreise und kreisfreie Städte: Stendal
Verwaltungseinheiten:Verbandsgemeinde Elbe-Havel-Land; Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck; Einheitsgemeinde Stadt Tangermünde

Gebietsbeschreibung

Das FFH-Gebiet schließt den Elbelauf von der Bahnbrücke bei Schönhausen im Süden bis nördlich der Ortslage Sandau ein. Naturräumlich gehört der nördliche Teil zur Landschaftseinheit „Werbener Elbetal“, der südliche hingegen zum „Tangermünder Elbetal“. Die Flächen des FFH-Gebietes sind gleichzeitig Bestandteil des Europäischen Vogelschutzgebietes „Elbaue Jerichow“. 

 


Lebensraumtypen und Flora

Entlang der Ufer und Buhnenfelder der Elbe sowie an Altwassern und Flutrinnen sind anuelle Uferfluren des FFH-LRT 3270 Flüsse mit Schlammbänken (460 ha) ausgebildet, deren Ausdehnung jährlich stark von der Dauer und dem Einsetzen des Niedrigwassers abhängt. Die dominierenden Pflanzengesellschaften sind die Zweizahn-Wasserpfeffer-Gesellschaft auf schluffig-tonigen Substraten sowie die Gesellschaften des Graugrünen Gänsefußes und der Elbespitzklette oder der Gesellschaft des Feigenblättrigen Gänsefußes auf kiesig-sandigen Ablagerungen. Auf sandigen bis schlammigen Böden, vor allem an den Rändern von trockenfallenden Zuflüssen, treten gelegentlich Schlammlings-Fluren auf. Bemerkenswerte Arten sind hier Hirschsprung (Corrigiola litoralis), Elbe-Liebesgras (Eragrostis albensis), Schlammling (Limosella aquatica), Portulak (Portulaca oleracea), Elbe-Spitzklette (Xantium albinum) sowie Gemeine und Wilde Sumpfkresse (Rorippa palustris, R. sylvestris). Innerhalb der Überflutungsaue trifft man auf eine Vielzahl natürlicher Auengewässer. Dazu gehören Altarme, Altwasser, Flutrinnen und Kolke sowie perennierende und temporäre Gewässer innerhalb der Qualmwasserpolder. Daneben bestehen auch wassergefüllte Abgrabungen anthropogenen Ursprungs. Die Mehrzahl der Auengewässer ist auf Grund vorhandener Biotopausbildung und Artvorkommen dem FFH-LRT 3150 Eutrophe Seen (38 ha) anzuschließen. Charakteristische Pflanzenarten sind u. a. Froschbiss (Hydrocharis morsus-ranae), Schwimmfarn (Salvinia natans), Krebsschere (Stratiotes aloides), Schild-Wasser-Hahnenfuß (Ranunculus peltatus), Wasserfeder (Hottonia palustris), Weiße Seerose (Nymphaea alba), Gelbe Teichrose (Nuphar lutea), Ähren- und Quirl-Tausendblatt (Myriophyllum spicatum, M. verticillatum) sowie Spiegelndes und Haarförmiges Laichkraut (Potamogeton lucens, P. trichoides). In den eingedeichten Abgrabungsgewässern westlich der Ortslage Hohengöhren kommen zudem Wassermoose (Fontinalis spec.) und Armleuchteralgen (Chara spec.) vor.

Bestände des FFH-LRT 6430 Feuchte Hochstaudenfluren (28 ha) siedeln an den Hochufern der Elbe sowie an den Ufern zahlreicher Auengewässer oberhalb der Mittelwasserlinie. Typische Gesellschaften sind die Brennnessel-Seiden-Zaunwinden-, die Blauweiderich-Spießblatthelmkraut- und die Katzenschwanz-Gesellschaft. Als bemerkenswerte Arten kommen Katzenschwanz (
Leonurus marrubiastrum), Sumpf-Wolfsmilch (Euphorbia palustris), Gelbe Wiesenraute (Thalictrum flavum), Langblättriger Blauweiderich (Veronica maritima) und Schwanenblume (Butomus umbellatus) vor. Der Schuppenkarde (Dipsacus pilosa)-Saum konnte am Arneburger Hang nicht mehr nachgewiesen werden. In der mehr oder weniger regelmäßig überfluteten Aue findet sich der FFH-LRT 6440 Brenndolden-Auenwiesen (50 ha), der in den Übergangsbereichen zwischen den flussnah ausgebildeten, gutwüchsigen und recht artenarmen Fuchsschwanz-Quecken-Wiesen und den mageren Frischwiesen auf etwas höher gelegenen Standorten ausgebildet ist. Typische Arten sind neben Brenndolde (Cnidium dubium) auch Kanten-Lauch (Allium angulosum), Goldschopf-Hahnenfuß (Ranunculus auricomus agg.), Nordisches Labkraut (Galium boreale), Sumpf-Platterbse (Lathyrus palustris), Färber-Scharte (Serratula tinctoria), Großer Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis), Kuckucks-Lichtnelke (Silene flos-cuculi) und Silau (Silaum silaus). Die artenreicheren Glatthafer- und Fuchsschwanz-Wiesen der Elbaue sind dem FFH-LRT 6510 Magere Flachland-Mähwiesen (153 ha) zuzustellen. In den Beständen dominieren die Futtergräser Glatthafer (Arrhenatherum elatius), Wiesen-Fuchsschwanz (Alopecurus pratensis) sowie Gemeines und Wiesen-Rispengras (Poa trivialis, P. pratensis). Daneben kommen als lebensraumtypischen Kräuter u. a. Wiesen-Glockenblume (Campanula patula), Wiesen-Margerite (Leucanthemum vulgare), Kuckucks-Lichtnelke (Silene flos-cuculi), Knöllchen-Steinbrech (Saxifraga granulata), Sumpf-Hornklee (Lotus pedunculatus) und Wiesen-Labkraut (Galium mollugo agg.) vor. Arme, offene Sandstandorte besiedelt der FFH-LRT 2330 Dünen mit offenen Grasflächen (2 ha). Es sind lückige Grasfluren aus Silbergras (Corynephorus canescens) und beigesellten Strauchflechten (Cladonia spec.). Lediglich südwestlich der Ortslage Wulkau am Rand der Kienheide kommt die Frühlingsspark-Silbergras- Gesellschaft in ihrer typischen Ausbildung vor. Der FFH-LRT 6210 Kalk-Trockenrasen (0,3 ha) ist im gesamten Gebiet nur noch mit zwei Flächen im Bereich des Arneburger Hangs vertreten. In dem stark verbuschten Bestand sind Arten wie Tauben-Skabiose (Scabiosa columbaria), Frühlings-Schlüsselblume (Primula veris), Knackelbeere (Fragaria viridis) oder Berg-Haarstrang (Peucedanum oreoselinum) anzutreffen.

Die gut ausgebildeten Hainbuchen-Feldulmen-Hangwälder können dem FFH-LRT 9170 Labkraut-Eichen-Hainbuchenwald (30 ha) zugeordnet werden. Auch sie treten am Arneburger Hang auf. Bestandsbildner des Oberstandes der Hainbuchen-Ulmen-Hangwälder sind Stiel-Eiche (
Quercus robur), Gemeine Esche (Fraxinus excelsior), Feld-Ahorn (Acer campestre) und Feld-Ulme (Ulmus minor). Dazwischen finden sich Bestände mit Flatter-Ulme (Ulmus laevis) und Spitz-Ahorn (Acer platanoides). In der Strauchschicht dominieren Schwarzer Holunder (Sambucus nigra), Eingriffliger Weißdorn (Crateagus monogyna) und Schlehe (Prunus spinosa). Die Krautschicht wird von überwiegend nitrophilen Arten gebildet. Zu den bemerkenswerten Spezies zählen Purpurblauer Steinsame (Buglossioides purpurocaeruleum), Frühlings-Schlüsselblume (Primula veris) und Weiße Schwalbenwurz (Vincetoxicum hirundinaria). Nur noch in Restbeständen wachsen an den Ufern der Elbe die Galeriewälder des FFH-LRT 91E0* Weichholzauenwälder (27 ha). Sie werden von Silber- und Fahl-Weide (Salix alba, S. x rubens) sowie Schwarz-Pappel (Populus nigra) aufgebaut. Relativ häufig ist in den Beständen die Flatter-Ulme (Ulmus laevis) zu finden. Eine Strauchschicht ist im Regelfall nicht vorhanden. Die Krautschicht setzt sich aus verbreitet vorkommenden Arten der Uferstaudenfluren und -seggenrieder zusammen. Beim FFH-LRT 91F0 Hartholzauenwälder (71 ha) handelt es sich nur noch um kleinflächige Relikte, die eher fragmentarisch entwickelt sind. Als Bestandsbildner treten Stiel-Eiche (Quercus robur), Flatter-Ulme (Ulmus laevis) und Feld-Ulme (Ulmus minor) auf. In der Strauchschicht kommen Wild-Birne (Pyrus pyraster), Weißdorn (Crateagus spec.), Europäisches Pfaffenhüttchen (Euonymus europaea), Blutroter Hartriegel (Cornus sanguinea) und Schlehe (Prunus spinosa) vor.

Fauna

In der Elbaue zwischen Sandau und Schönhausen sind Biber (Castor fiber) und Fischotter (Lutra lutra) flächendeckend verbreitet. Präsenznachweise des Bibers liegen für 17 Reviere auf ca. 757 ha vor. Für die Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus) gibt es zahlreiche Punktdaten außerhalb des Gebietes im Bereich Arneburg, die alle als Winterquartiere einzustufen sind. Rückschlüsse auf den Bestand der Art und auf die Nutzung von Jagdhabitaten innerhalb des Gebietes lassen sich daraus nicht ableiten.

Von den wertgebenden Lurchen gibt es Nachweise von größeren Vorkommen der Rotbauchunke (
Bombina bombina) und des Kammmolches (Triturus cristatus). Da die Habitatansprüche beider Arten sehr ähnlich sind, treten sie im Gebiet häufig vergesellschaftet auf. Die Rotbauchunke hat ihre Verbreitungsschwerpunkte mit 12 Habitatflächen auf insgesamt ca. 11 Hektar auf der westelbischen Seite im Nordteil des Untersuchungsgebietes im nicht landwirtschaftlich genutzten Überflutungsbereich des Deichhinterlandes sowie auf der ostelbischen Seite südlich von Neuermark-Lübars auf ebenfalls landwirtschaftlich ungenutzten Feuchtflächen. Der Kammmolch tritt auf der westelbischen Seite vermehrt nord- und südwestlich von Sandau im Überflutungsbereich der Elbe auf. Ostelbisch liegt der Verbreitungsschwerpunkt im südlichen Teil des Untersuchungsgebietes im Deichhinterland. Aktuelle Kartierungen ergaben acht Kammmolch-Habitatflächen auf insgesamt ca. 21 Hektar.

Jüngste Recherchen zum Fischvorkommen lieferten Nachweise von Rapfen (
Aspius aspius), Weißflossengründling (Gobio albipinnatus) und Steinbeißer (Cobitis taenia). Nach der Inbetriebnahme der Fischaufstiegsanlage am Elbewehr Geesthacht wandern wieder Flussneunaugen (Lampetra fluviatilis) und Meerneunaugen (Petromyzon marinus) zu den Laichgebieten in den Oberläufen der Nebenflüsse. Nach dem Aussterben des Lachses (Salmo salar) in der Elbe wird seit 1995 vor allem in sächsischen Nebenbächen der Elbe Lachsbrut ausgesetzt. Für die Art liegen heute wieder zahlreiche Nachweise aus der Elbe vor.

Für die Grünen Flussjungfer (
Opmphiogomphus cecilia) ist von einer flächigen Verbreitung der Art im FFH-Gebiet auszugehen. Die Große Moosjungfer (Leucorrhinia pectoralis) wurde im Gebiet nur einmal nachgewiesen. Die Bodenständigkeit der Art konnte nicht belegt und daher auch keine Aussage zum Bestand getroffen werden.

Die Elbeaue besitzt als Teil eines EU SPA eine herausragende Bedeutung für Brut- und Gastvogelarten. Bestandserhebungen aus dem Jahr 2009 ergaben 19 wertgebende Brutvogelarten im Gebiet sowie sieben Arten, die in Bezug auf die Fläche größere Lebensräume beanspruchen und als Nahrungsgast anzutreffen sind. So erreichen u. a. Wachtelkönig (
Crex crex), Austernfischer (Haematopus ostralegus) und Sperbergrasmücke (Sylvia nisoria) bedeutsame Brutbestände. Auf Grund ihrer Bindung an Bodenabbrüche und der Seltenheit dieser Strukturen in der Landschaft ist auf zwei Kolonien der Uferschwalbe (Riparia riparia) im FFH-Gebiet hinzuweisen.

Literatur: 129, 206, 207, 212, 239, 413

verändert nach:

Jentzsch, M. und Reichhoff, L. (2013): Handbuch der FFH-Gebiete Sachsen-Anhalts. Hrsg. Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt. Halle (Saale). 616 Seiten

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