Fallsteingebiet nördlich Osterwieck (SPA0027)

Der Große Fallstein inmitten intensiv genutzter Ackerflächen © N. Wuttke (ÖKOTOP - Büro für angewandte Landschaftsökologie)Der Große Fallstein inmitten intensiv genutzter Ackerflächen © N. Wuttke (ÖKOTOP - Büro für angewandte Landschaftsökologie)

Größe [ha]: 1.390
Landkreise und kreisfreie Städte: Harz
Verwaltungseinheiten: Einheitsgemeinde Stadt Osterwieck

Gebietsbeschreibung

Das EU SPA Fallsteingebiet nördlich Osterwieck hat eine Größe von 1.390 ha und befindet sich ca. 1,5 km nördlich von Osterwieck. Es handelt sich um die westlichste Erhebung eines von Nordwesten nach Südosten streichenden salztektonischen Breitsattels, der sich ostwärts über den Huy und den Hakel fortsetzt. Der Große Fallstein umfasst einen bewaldeten, bis 288 m über NN sanft aufragenden Muschelkalkrücken. Der Kleine Fallstein befindet sich westlich in enger räumlicher Nachbarschaft und zieht sich als sehr schmaler Höhenrücken nordwestlich bis nach Hornburg in Niedersachsen. Nur der östlichste Teil des Kleinen Fallsteins ist bewaldet, wobei trotz der engen räumlichen Nachbarschaft keine direkte Anbindung an die Waldfläche des Großen Fallsteins besteht. Nordwestlich an den Großen Fallstein schließt sich übergangslos die ebenfalls zum EU SPA gehörende Waldfläche des Osteroder Holzes an.

Weitere Orte, die den Fallstein in ca. 1,5 km Entfernung umgeben, sind Deersheim, Hessen, Veltheim, Osterode und Rhoden. Einige Betonstraßen verlaufen von dort aus durch den Großen Fallstein, die aber für den öffentlichen Fahrzeugverkehr gesperrt sind. Der Wald selbst ist touristisch wenig frequentiert. Die Gründe dafür sind neben der eingeschränkten verkehrstechnischen Erschließung auch die abgeschiedene Lage nahe der ehemaligen innerdeutschen Grenze sowie das unmittelbar nördlich angrenzende Große Bruch, das hier eine natürliche Barriere darstellt. Zwei Ausflugslokale sowie der 1904 eingeweihte Bismarckturm am Südrand des Großen Fallsteins kanalisieren den Tourismus weitgehend (MAMMEN et al. 2007a).

Das EU SPA Fallsteingebiet nördlich Osterwieck wurde 2003 per Kabinettsbeschluss als Vogelschutzgebiet gemeldet und ist flächengleich mit dem gleichnamigen FFH-Gebiet. Es beinhaltet vier seit 1961 unter Schutz gestellte NSG und ist vollständig im LSG Fallstein enthalten.

Naturräumlich liegt das Fallsteingebiet innerhalb des nördlichen Harzvorlandes in der Harzrandmulde. Die herzynisch streichenden Schichten des Muschelkalkes sind von mächtigen Löss- und Sandschichten bedeckt. Fahlerden und seltener Braunerden herrschen bei den Böden vor. An grundwasserbeeinflussten Standorten sind Gleye in unterschiedlicher Ausprägung vorhanden. Die bewaldeten Erhebungen des Fallsteingebietes ragen inselartig aus der umgebenden Agrarlandschaft heraus. Bei den angrenzenden Flächen handelt es sich fast ausschließlich um Ackerflächen. Nur am Südrand des Großen Fallsteins rund um das NSG Waldhaus sind einige Grünlandflächen vorhanden, und der Waldkante sind hier zahlreiche kleine Streuobstwiesen vorgelagert (MAMMEN et al. 2007a).

Die klimatischen Verhältnisse, darunter ein Jahresniederschlag von über 600 mm, ermöglichen Vorkommen sowohl subkontinentaler als auch subatlantischer Pflanzenarten. Hauptbaumart in den ausgedehnten Laubmischwäldern ist die Buche, die teilweise noch in der natürlichen Vergesellschaftung mit der subozeanischen Waldhaargerste vorhanden ist. Als typische subkontinentale Art findet man hier den Diptam. Neben den verschiedenen Buchenwaldformen, die vereinzelt mit Esche, Bergahorn und Stieleiche durchsetzt sind, tritt an südexponierten Hängen Traubeneichen-Hainbuchenwald auf. Im Süden des EU SPA stockt ein Ahorn-Eschen-Gründchenwald (Waldgesellschaft nährstoffreicher Unterhänge und Terrassen) mit Stieleiche, Esche und Bergahorn. Der Fallstein zeichnet sich zudem durch das Vorhandensein von Halbtrockenrasen mit Vorkommen von verschiedenen Orchideenarten aus.

Bedeutung als Vogelschutzgebiet

Das EU SPA Fallsteingebiet nördlich Osterwieck ist mit den alten Laubwäldern, die von wärmebegünstigten Offenlandstrukturen umgeben werden, ein geeigneter Lebensraum für viele Vogelarten (MAMMEN et al. 2007a). Hier finden sowohl Vogelarten der Wälder wie Greifvogel und Spechtarten als auch Arten der Offenlandhabitate wie Neuntöter und Sperbergrasmücke geeignete Lebensstätten. Für Grauspecht und Zwergschnäpper sind die Wälder des Fallsteingebietes eines der 5 wichtigsten Brutgebiete in Sachsen-Anhalt. Für Rastvögel hat das Gebiet keine landesweite Bedeutung.

Brutvögel

Besondere Bedeutung kommt dem Fallstein für Grauspecht und Zwergschnäpper zu. Für beide Arten ist der Fallstein auf Grund der im Vergleich zu anderen Gebieten hohen Bestände eines der fünf bedeutendsten Brutgebiete des Landes Sachsen-Anhalt.

Der Grauspecht konnte im Rahmen der Erstinventarisierung mit 5 BP erfasst werden, die sich auf die Randbereiche der Waldgebiete konzentrierten. Auch der Mittelspecht, im Jahr 2006 mit 20 Revieren ermittelt, bewohnt im Fallstein die Waldrandlagen. Hier befinden sich die älteren Eichenbestände mit einem hohen Totholzanteil, die für Spechte, insbesondere den Mittelspecht, von besonderer Bedeutung sind. Dies bestätigte sich auch 2011 auf den im Rahmen der landesweiten Spechterfassung kartierten Teilflächen. Auch Schwarzspecht, Kleinspecht, Grünspecht und Buntspecht kommen im Fallstein vor (MAMMEN et al. 2007a). Der Nachweis von insgesamt 3 Revieren des Zwergschnäppers ist als Besonderheit zu werten (MAMMEN et al. 2007a). Der Anteil der Population im Fallstein beträgt 10 % des Landesbestandes.

Anfang der 1990er Jahre besiedelte der Rotmilan den Fallstein mit 13 BP und der Schwarzmilan kam mit 1 BP vor (MAMMEN 1993). Wie auch in den anderen Waldinseln Huy und Hakel nahm der Bestand des Rotmilans in den Folgejahren stark ab, gegenwärtig sind nur noch drei besetzte Rotmilan-Horste bekannt. Der Schwarzmilan brütet nicht mehr im Fallstein (MAMMEN et al. 2007a). Im westlichen Waldbereich des Großen Fallstein befindet sich ein Revier des Wespenbussards. Bei Osterwieck, außerhalb des EU SPA, zog 2006 und 2007 ein Uhu-Brutpaar jeweils erfolgreich 2 Junge groß (FISCHER & DORNBUSCH 2008). Ein innerhalb des EU SPA in der Nähe des Bismarckturmes gelegener Uhu-Brutplatz ist jedoch seit vielen Jahren verwaist (M. Wadewitz, pers. Mitt.). Weiterhin gelang 2006 am Südrand des Fallsteins der Nachweis eines Karmingimpelreviers.

Waldränder und Gebüschstrukturen der Offenlandhabitate werden vom Neuntöter bewohnt (17 BP). Am östlichen Waldrand des Fallsteins brütet die Sperbergrasmücke in direkter Nachbarschaft zu den Neuntötern. Die Offenlandschaft bietet hier auch dem Wiesenpieper einen geeigneten Lebensraum (MAMMEN et al. 2007a).

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