Gipskarstlandschaft Pölsfeld und Breiter Fleck im Südharz (FFH0108)

Orchideenbuchenwald (LRT 9150) © RANA - Büro für Ökologie und NaturschutzOrchideenbuchenwald (LRT 9150) © RANA - Büro für Ökologie und Naturschutz

Größe [ha]: 1.722
Landkreise und kreisfreie Städte: Mansfeld-Südharz
Verwaltungseinheiten:Verbandsgemeinde Mansfelder Grund-Helbra; Einheitsgemeinde Stadt Allstedt; Einheitsgemeinde Stadt Mansfeld; Einheitsgemeinde Stadt Sangerhausen

Gebietsbeschreibung

Das großflächige FFH-Gebiet erstreckt sich zwischen den Orten Ahlsdorf im Osten und Grillenberg im Westen auf der Südabdachung des Harzes hin zur Sangerhäuser Mulde in der Landschaft des „Südlichen Harzrandes“. Im Norden reicht das Gebiet bis an die Kohlenstraße heran und im Süden werden die Ortsrandlagen von Blankenheim und Gonna erreicht. Geologisch befindet sich das Gebiet in der Übergangslage zwischen dem variszischen Harzgrundgebirge und der vorgelagerten mesozoischen Sangerhäuser Mulde. Im östlichen Bereich lagern unter einer Berglößdecke Sandsteine, Konglomerate und Schiefertone des Karbon und des Rotliegenden. Weiter südlich liegen diesen Gesteinen Kalkstein, Anhydrit und Gips des Zechsteins auf. Südlich von Pölsfeld stehen Unterer Buntsandstein, Sandsteine und Kalksteinbänke an. Im Ostteil des FFH-Gebietes wurde in historischer Zeit Kupferschiefer gewonnen, von dem noch zahlreiche Familienhalden erhalten geblieben sind.

Lebensraumtypen und Flora

Das Gebiet wird von Wald beherrscht, von dessen Fläche etwa 60 % einem FFH-Lebensraumtyp zuzuordnen sind. Auf überwiegend flachgründigen und nährstoffärmeren Lagen auf der Hochfläche des Gebietes erstreckt sich auf wenigen Teilflächen der FFH-LRT 9110 Hainsimsen-Buchenwald (6 ha). In den Beständen herrscht die Rotbuche (Fagus sylvatica) vor, wenige Fichten sind mit eingemischt, seltener Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus) oder die Trauben-Eiche (Quercus petraea). In der spärlichen Bodenvegetation erscheinen Buschwindröschen (Anemone nemorosa), Haar- und Schmalblättrige Hainsimse (Luzula pilosa, L. luzuloides) sowie Wald-Veilchen (Viola reichenbachiana).
Der FFH-LRT 9130 Waldmeister-Buchenwald (147 ha) ist der im Gebiet verbreitete Buchen-Waldtyp sowohl an den Hängen als auch auf mehreren, meist nährstoffreicheren Teilflächen des Plateaus. In der Baumschicht treten neben der Rotbuche (Fagus sylvatica) Berg- und Spitzahorn (Acer pseudoplatanus, A. platanoides) und außerdem Trauben-Eiche (Quercus petraea), Vogel-Kirsche (Prunus avium) und seltener Elsbeere (Sorbus torminalis) auf. Die Fichte (Picea abies) ist regelmäßig eingestreut. Wesentlich artenreicher und üppiger als im Hainsimsen-Buchenwald bildet sich hier der Frühlingsaspekt aus. Charakteristische Arten sind Waldmeister (Galium odoratum), Einblütiges Perlgras (Melica uniflora), Waldgerste (Hordelymus europaeus) und Ausdauerndes Bingelkraut (Mercurialis perennis), daneben auch das Gelbe Windröschen (Anemone ranunculoides), Hohler Lerchensporn (Corydalis cava), Seidelbast (Daphne mezereum) und seltener Märzenbecher (Leucojum vernum). Daneben findet man auch einige Orchideen-Arten, wie Weißes Waldvögelein (Cephalanthera damasonium), Fuchs´ Knabenkraut (Dactylorhiza fuchsii), Violetten und Breitblättrigen Sitter (Epipactis purpurata, E. helleborine).
Auf drei Teilflächen bei Pölsfeld und südlich des Breiten Flecks stocken Bestände des FFH-LRT 9150 Orchideen-Buchenwald (4 ha). Die Baumschicht ist meist aufgelockert, so dass Elsbeere (Sorbus torminalis), Hainbuche (Carpinus betulus) und Trauben-Eiche (Quercus petraea) in der Baumschicht höhere Anteile erlangen. An den Waldrändern wachsen Staudensäume mit Übergängen zu artenreichen Trockenrasen. Typische Arten dieses trockeneren und wärmeliebenden Waldes sind Blaugras (Sesleria albicans), Gemeiner Wundklee (Anthyllis vulneraria), Berg-Segge (Carex montana) und Schwalbenwurz (Vincetoxicum hirundinaria). Daneben konnten Weißes und Rotes Waldvögelein (Cephalanthera damasonium), C. rubra), Kleinblättriger Sitter (Epipactis microphylla), Großes Zweiblatt (Listera ovata), Vogelnestwurz (Neottia nidus-avis), Stattliches Knabenkraut (Orchis mascula) und Weiße Waldhyazinthe (Platanthera bifolia) nachgewiesen werden. Aus dem Gebiet ist auch ein individuenarmes Vorkommen des Frauenschuhs (Cypripedium calceolus) als Art des Anhangs II der FFH-Richtlinie bekannt.
Auf vergleichbaren Standorten trifft man auch den FFH-LRT 9170 Labkraut-Eichen-Hainbuchenwald (663 ha). Er entstand i. d. R. durch Mittelwaldnutzung und Waldweide aus Buchenwäldern. In seiner Baumschicht dominieren Trauben- und Stiel-Eiche (Quercus petraea, Q. robur), Gemeine Esche (Fraxinus excelsior), Ulmen (Ulmus)- und verschiedene Ahorn-Arten (Acer div spec.) in einer mosaikartigen Struktur. Charakteristisch für die Bodenvegetation sind Wald-Labkraut (Galium sylvaticum), Seidelbast (Daphne mezereum), Vielblütige Weißwurz (Polygonatum multiflorum) und Nickendes Perlgras (Melica nutans). Auch der Eichen-Hainbuchen-Wald beherbergt zahlreiche Orchideenarten. So kommen dort Stattliches Knabenkraut (Orchis mascula), Breitblättriger Sitter (Epipactis helleborine), Großes Zweiblatt (Listera ovata) und Weißes Waldvögelein (Cephalanthera damasonium) vor. Eichen-Hainbuchen-Wälder auf grundwasserbeeinflussten Standorten sind dem FFH-LRT 9160 Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwald (37 ha) zuzuordnen.
Der FFH-LRT 9180* Schlucht- und Hangmischwälder (2 ha) hat sich kleinflächig in den Hanglagen an der Gonna bei Grillenberg, nördlich von Obersdorf und in verschiedenen Dolinen und Erdfällen entwickelt. Kennzeichnende Arten sind Berg-Ulme (Ulmus glabra), Winter-Linde (Tilia cordata) und die Rote Heckenkirsche (Lonicera xylosteum). Die Schluchtwälder befinden sich zumeist auf erosionsgefährdeten Steillagen oder auf kühl-feuchten Schutt- und Blockhalden, nicht selten ist ein Sickerwassereinfluss vorhanden. Unter optimalen Bedingungen treten unterschiedliche Sukzessionsstadien mit Alt- und Totholz auf.

Der FFH-LRT 6210 Kalk-Trockenrasen (*orchideenreiche Bestände) (8 ha) ist überwiegend als Enzian-Schillergras-Rasen ausgebildet. Hier dominieren Aufrechte Trespe (Bromus erectus) und Fieder-Zwenke (Brachypodium pinnatum). Weiterhin sind Sichelblättriges Hasenohr (Bupleurum falcatum) und Fransen-Enzian (Gentianella ciliata) vorhanden. Vielfach werden die Halbtrockenrasen nur noch unregelmäßig beweidet, so dass von Gräsern dominierte Rasen entstanden sind. Teilweise ist die Nutzung ganz aufgelassen worden, was eine stärkere Verbuschung mit nachfolgender Bewaldung zur Folgen hat. Die Bestände von ehemals vermutlich in hohen Individuenzahlen vorhandenen Orchideenarten, wie Großer Händelwurz (Gymnadenia conopsea) und Braunrotem Sitter (Epipactis atrorubens), sind zurück gegangen. An zwei Stellen wurde die Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera) gefunden. Frischere Grünlandstandorte tragen den FFH-LRT 6510 Magere Flachland-Mähwiesen (114 ha).
Auf mehreren Teilflächen im Südostteil des Gebietes sowie direkt bei Pölsfeld am Barbara-Schacht trifft man auf den FFH-LRT 6130 Schwermetallrasen (< 1 ha). Seine Ausprägung ist allerdings durch den geringen Kupfergehalt des Schotters und die zunehmende Verbuschung nur suboptimal ausgeprägt. So wurde die Kupferblume (Minuartia verna ssp. hercynica) nicht mehr gefunden, wohl aber der Zwerg-Taubenkropf (Silene vulgaris var. humilis).

Fauna

Das Gebiet ist zwar vielfältig strukturiert, reicht aber nicht an die faunistische Ausstattung des benachbarten FFH-Gebietes „Gipskarstlandschaft bei Questenberg“ heran. Haselmaus (Muscardinus avellanarius) und Wildkatze (Felis silvestris) kommen dennoch als naturschutzfachlich wertgebende Arten vor. Die Fledermausfauna ist artenreich, wobei besonders das Auftreten von Großem Mausohr (Myotis myotis), Mops- und Bechsteinfledermaus (Barbastella barbastellus, Myotis bechsteinii) sowie Brandt-, Bart- und Nymphenfledermaus (Myotis brandtii, M. mystacinus, M. alcathoe) zu erwähnen ist (Ohlendorf, mdl. Mitt.).

Im Gebiet kommen in den Trockenrasen und lichten Wäldern Schlingnatter (Coronella austriaca) und Zauneidechse (Lacerta ahilis) vor.
In den kleinen stehenden Gewässern und in den Bächen bei langsam fließendem Wasser haben Geburtshelferkröte (Alytes obstetricans) und Springfrosch (Rana dalmatina) ihre Laichhabitate.
Die Gonna dient Bachschmerlen (Neomacheilus barbatulus), Moderlieschen (Leucaspius delineatus) und Bachforellen (Salmo trutta fario) als Lebensraum.
Auch vom Hirschkäfer (Lucanus cervus) gibt es regelmäßige Nachweise.

Von den Brutvogelarten sind Hohltaube (Columba oenas), Mittelspecht (Dendrocopos medius), Schwarzspecht (Dryocopus martius), Grauspecht (Picus canus), Wendehals (Jynx torquilla), Rotmilan (Milvus milvus) und Wespenbussard (Pernis apivorus) hervorzuheben. In den Waldrandbereichen und Streuobstwiesen brütet der Neuntöter (Lanius collurio). Der Raubwürger (Lanius excubitor) überwintert regelmäßig im Gebiet.

Literatur: 8, 30, 79, 207, 212, 264

verändert nach:

Jentzsch, M. und Reichhoff, L. (2013): Handbuch der FFH-Gebiete Sachsen-Anhalts. Hrsg. Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt. Halle (Saale). 616 Seiten

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