Großes Bruch bei Wulferstedt (FFH0043)

Bruchgraben mit Wasservegetation (LRT 3260) © Dr. Uwe WegenerBruchgraben mit Wasservegetation (LRT 3260) © Dr. Uwe Wegener

Größe [ha / km]: 1 / 88
Landkreise und kreisfreie Städte: Börde; Harz
Verwaltungseinheiten:Verbandsgemeinde Westliche Börde; Einheitsgemeinde Stadt Oschersleben (Bode); Verbandsgemeinde Obere Aller; Einheitsgemeinde Huy

Gebietsbeschreibung

Das FFH-Gebiet liegt westlich von Oschersleben zu beiden Seiten des Großen Bruch-Grabens in der Landschaft „Großes Bruch und Bodeniederung“. Es erfasst den Großen Graben als Hauptvorfluter und zahlreiche kleinere Entwässerungsgräben. Das Bruch wurde ursprünglich von einem Niedermoor in der weiträumigen Ackerebene eingenommen. Allerdings führten meliorative Maßnahmen während der vergangenen Jahrhunderte zur Nutzbarmachung des Gebietes und damit zur Degradierung der Moorstandorte. Heute überwiegt Intensivgrasland, in dem vereinzelte Feuchtwiesengesellschaften und Flutrasen eingeschlossen sind.

Ausgewählte Lebensraumtypen nach Anhang I der FFH-RichtlinieTextfeld öffnenTextfeld öffnen

Lebensraumtypen und Flora

Die Fließgewässer werden vom FFH-LRT 3260 Flüsse mit Wasservegetation (ca. 6 ha) eingenommen. Dabei handelt es sich um langsam fließende, eutrophe Gräben, in denen die Gesellschaft des Einfachen Igelkolbens und des Kamm-Laichkrautes vorherrscht. Bei geringerer Nährstoffbelastung erscheint die Berlen-Gesellschaft und besiedelt die Uferbereiche bzw. bei niedrigem Wasserstand den gesamten Graben. Typische Arten sind Flutender Wasserhahnenfuß (Ranunculus fluitans), Berchtold-Laichkraut (Potamogeton berchtoldii), Einfacher Igelkolben (Sparganium emersum), Bachbunge (Veronica beccabunga), Schwanenblume (Butomus umbellatus) und Berle (Berula erecta). Als charakteristische Stromtalpflanze findet man an den Gräben und auf den angrenzenden Wiesen Gelbe Wiesenraute (Thalictrum flavum). Weiterhin kommen Kleinröhrichte mit Tannenwedel (Hippuris vulgaris), Lauch-Gamander (Teucrium scordium) und Sumpf-Wolfsmilch (Euphorbia palustris) vor.

Angrenzend an die Gräben des FFH-Gebietes entwickeln sich im Nord- und Westteil der Niederung Gehölze aus Grau-Weiden (Salix cinerea)-Gebüschen sowie Gemeiner Esche (Fraxinus excelsior) und Schwarz-Erle (Alnus glutinosa), so dass diese Bestände bereits dem FFH-LRT 91E0* Erlen-Eschenwälder (ca. 1,5 ha) zugeordnet werden können.

Fauna

Im Bruch kommt die Wechselkröte (Bufo viridis) vor, deren Verbreitung im Westen bis zum Aller-Hügelland reicht. Die Art nutzt die Entwässerungsgräben als Laichgewässer.

Als wertbestimmende Fischart findet man in den Gräben im Großen Bruchgraben und weiteren ständig Wasser führenden Gräben den Schlammpeitzger (Misgurnus fossilis).

Zudem beherbergt das Gebiet eine sehr artenreiche Libellenfauna. Bislang wurden 25 Arten nachgewiesen, darunter die Kleine Königslibelle (Arax parthenope), die Gebänderte Prachtlibelle (Calopteryx splendens), die Gebänderte Heidelibelle (Sympetrum pedemontanum) und die Große Heidelibelle (S. striolatum). Das Vorkommen der Helm-Azurjungfer (Cornagrion mercuriale) wird vermutet. An wertbestimmenden Käfern wurden u. a. Amara aena, A. apricaria, A. aulica, A. plebeja; Bembidion gilvipes, Calathus fuscipes, Carabus auratus, Harpalus aeneus und H. tardus beobachtet.

Zur Unterschutzstellung als NSG im Jahre 1981 führten maßgeblich die Brutvorkommen zahlreicher Vogelarten. Dazu zählen Großer Brachvogel (Numenius arquata), Bekassine (Gallinago gallinago), Kiebitz (Vanellus vanellus), Wachtelkönig (Crex crex), Wiesenweihe (Circus pygargus), Sumpfohreule (Asio flammeus), Schilfrohrsänger (Acrocephalus schoenobaenus) und Braunkehlchen (Saxicola rubetra). Gegenwärtig treten Rothalstaucher (Podiceps grisegena), Steinkauz (Athene noctua), Wiesenweihe (Circus pygargus) und Kranich (Grus grus) als unregelmäßige Brutvögel oder Wintergäste auf. Während der letzten Jahre wurde zudem eine Zunahme des Schwarzkehlchens (Saxicola torquata) beobachtet. Der Große Brachvogel – 1981 Hauptgrund der Unterschutzstellung des Gebietes – ist von 14 Brutpaaren auf 3 Paare (2008) zurückgegangen. Als Ursachen für den Rückgang sind der weitgehende Verlust nährstoffarmer und extensiv genutzter Feuchtwiesen sowie der unzureichende Reproduktionserfolg infolge Prädation und Störungen durch verschiedene Landnutzer zu sehen.

Literatur: 63, 134, 207, 212, 264, 313, 347

verändert nach:

 

Jentzsch, M. und Reichhoff, L. (2013): Handbuch der FFH-Gebiete Sachsen-Anhalts. Hrsg. Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt. Halle (Saale). 616 Seiten

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