Hakel (SPA0005)

Ackerflächen mit den Waldinseln Großer und Kleiner Hakel © A. Resetaritz (ÖKOTOP - Büro für angewandte Landschaftsökologie)Ackerflächen mit den Waldinseln Großer und Kleiner Hakel © A. Resetaritz (ÖKOTOP - Büro für angewandte Landschaftsökologie)

Größe [ha]:6.441
Landkreise und kreisfreie Städte:Börde; Harz; Salzlandkreis
Verwaltungseinheiten: Verbandsgemeinde Westliche Börde; Verbandsgemeinde Egelner Mulde; Verbandsgemeinde Vorharz; Einheitsgemeinde Stadt Hecklingen; Einheitsgemeinde Stadt Seeland

Gebietsbeschreibung

Das EU SPA Hakel liegt ca. 11 km nordwestlich von Aschersleben. Es umfasst auf 6.441 ha eine isolierte Bördewaldinsel sowie die umliegenden Offenlandstrukturen. Die beiden Waldgebiete Großer und Kleiner Hakel nehmen mit 1.366 ha ca. 20 % der Fläche des EU SPA ein. Die lössreichen, größtenteils ackerbaulich genutzten Flächen rund um die Wälder sind als 0,4 bis 3,2 km breite Pufferzone ebenfalls Bestandteil des Vogelschutzgebietes. Im Norden wird das Gebiet durch den Hakeborner Weg zwischen Kroppenstedt und Hakeborn begrenzt. Der weitere Grenzverlauf folgt den umliegenden Straßen. So bildet die Straße von Friedrichsaue nach Hedersleben die südwestliche, die Straße von Cochstedt nach Schadeleben die östliche und die Straße von Hedersleben nach Kroppenstedt die westliche Grenze des Vogelschutzgebietes. Unweit der Gebietsgrenzen liegen die Ortschaften Kroppenstedt und Hakeborn im Norden, Heteborn und Hedersleben im Westen, Cochstedt im Osten sowie Schadeleben und Hausneindorf im Süden. Innerhalb des EU SPA befinden sich keine Siedlungen.

Das EU SPA Hakel wurde bereits 1992 als Vogelschutzgebiet an die EU-Kommission gemeldet (DORNBUSCH et al. 1996). Mit der Meldetranche 2000 erhielt es die heutigen Ausmaße mit der ausgedehnten Offenlandzone als integralem Bestandteil. Großer und Kleiner Hakel stehen seit 1995 komplett als NSG unter Schutz und sind seit dem Jahr 2000 auch als FFH-Gebiet gemeldet. Die Schutzbemühungen für das Gebiet reichen jedoch viel weiter zurück. Schon 1939 wurde der Hakelwald als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen, was noch heute, die beiden Waldflächen umfassend, besteht. Teile des Großen Hakels sowie der Kleine Hakel wurden 1954 als Waldschutzgebiete und bereits 1961 als Naturschutzgebiete mit Totalreservatsanteil ausgewiesen (STUBBE 1971). Am bedeutendsten sind die unterhalb der Domburg auf sickerfrischen Böden stockenden Kalk-Rotbuchen-Wälder, die in den sommertrockenwarmen Kalkhanglagen in einen Diptam-Elsbeeren-Eichen- Trockenwald übergehen. Aufgrund seiner herausragenden avifaunistischen Bedeutung wurde dem Gebiet im Jahr 1995 das Prädikat „Europareservat“ durch den Deutschen Rat für Vogelschutz verliehen (DORNBUSCH et al. 1998, BAUER 1997).

Naturräumlich befindet sich das EU SPA im nordöstlichen Harzvorland innerhalb der Haupteinheit östliches Harzvorland und Börden. Der Höhenzug des Hakels ist ein Muschelkalksattel im Gebiet des subherzynischen Hügellandes. Die höchste Erhebung im Hakel ist die Domburg mit ca. 245 m über NN. Nach Süden fällt die bewaldete Hochfläche auf etwa 170 m über NN und nach Nordosten auf etwa 140 m über NN ab. Auf den sich anschließenden Offenlandflächen fällt die Geländehöhe noch um etwa 40 m weiter, so dass der bewaldete Sattel deutlich aus der umgebenden flachwelligen Landschaft herausragt. Im Süden des EU SPA befinden sich mit Lausehügel und Markberg noch kleinere Erhebungen. Mit Ausnahme der zentralen Bereiche des Sattels ist der geologische Untergrund mit einer bis zu 2 m mächtigen Lössschicht bedeckt. Hierauf stehen Fahlerden oder fahle Braunerden an. Gewässer gibt es innerhalb des EU SPA kaum. Die Wasserarmut wird durch die Lage im Regenschatten des Harzes mit jährlichen Niederschlägen von im Mittel nur 500 bis 525 mm begünstigt. Südwestlich an das EU SPA angrenzend erstreckt sich jedoch die von Grünland dominierte Bode-Selke-Aue.

Dominante Pflanzengesellschaften des Hakels sind Eichenwälder, die unter anderem trockenheitsliebende Arten beinhalten. Es kommen Eichen-Winterlindenmischwälder auf grundwasserfernen oder Eichen-Hainbuchenwälder auf etwas feuchteren Standorten vor. Im Kleinen Hakel sind zudem Arten der Fingerkraut-Eichenwälder zu finden. Buchenwälder treten nur in geringem Umfang auf Rendzinen der aus Muschelkalk aufgebauten Domburg in Form der Leberblümchen-Buchenwälder auf. Nur kleinste Flächenanteile entfallen auf Nadel- und Mischwälder. Der landwirtschaftlich genutzte Flächenanteil des EU SPA beträgt laut Standarddatenbogen ca. 76 %. Die strukturarmen Ackerflächen um die beiden Laubwaldgebiete werden großflächig bestellt und stellen wichtige Jagd- und Nahrungshabitate für Greifvögel dar. Darin eingestreut sind Trocken- und Halbtrockenrasen, die sich in alten Steinbrüchen bzw. in natürlichen Geländeeinschnitten entwickelt haben und teils als FND unter Schutz stehen. Als Strukturelemente finden sich darüber hinaus einige Streuobstwiesen sowie Reste alter wegbegleitender Obstbaumreihen sowie als Windschutz bzw. zur Aufwertung der Biotopstruktur der Landschaft angepflanzte Gehölzreihen verschiedenen Alters und verschiedener Artenzusammensetzung.

Auf zwei potenziell konfliktträchtige Nutzungen im Umfeld des EU SPA muss an dieser Stelle hingewiesen werden. Nur ca. 2 km westlich des Gebietes wurde am Speckberg ein Windpark errichtet, der inzwischen ca. 20 Windenergieanlagen umfasst. Nur 1 km östlich der Gebietsgrenze befindet sich der 1957 als Stützpunkt der sowjetischen Luftstreitkräfte eingerichtete und 2010 als Verkehrsflughafen wieder in Betrieb genommene Airport Cochstedt.

Bedeutung als Vogelschutzgebiet

Die vielfältigen Laubwaldgesellschaften des Großen und Kleinen Hakels sind Lebensraum für zahlreiche bedrohte Vogelarten. Insbesondere für Greifvogelarten hatte das Gebiet in der Vergangenheit eine herausragende Bedeutung. Das umliegende Ackerland stellt mit seinen Hecken und Gebüschstandorten einen charakteristischen Lebensraum für Arten wie Neuntöter, Sperbergrasmücke und Grauammer dar (WEBER et al. 2007). Der Hakel beherbergt eines der wenigen Brutvorkommen des Schreiadlers in Sachsen-Anhalt.

Brutvögel

Eine besondere Bedeutung hat das EU SPA Hakel als Lebensraum für Greifvogelarten, die in den Waldbeständen brüten und das umliegende Acker- und Grünland als Nahrungshabitat nutzen. Neben Rot- und Schwarzmilan sowie dem Wespenbussard ist besonders das Vorkommen des Schreiadlers hervorzuheben (STUBBE & MATTHES 1981, STUBBE et al. 2000). Der Hakelwald beherbergt seit 2007 nur noch 1 BP des Schreiadlers, im Jahr 2001 waren es letztmalig 4 BP. Die Bestände der Greifvogelarten sind allerdings stark rückläufig. Im Erfassungsjahr 2006 waren die Bestände von Schreiadler, Rot- und Schwarzmilan im Vergleich zum Jahr 1999 um 50 % gesunken (WEBER et al. 2007). Der Rotmilan kam hier in den 1970er und 1980er Jahren regelmäßig mit mehr als 100 BP vor, weshalb das Gebiet für diese Art ehemals eines der Top-5-Gebiete Sachsen-Anhalts war. Der größte Bestand wurde im Jahr 1979 mit 136 BP ermittelt (WUTTKY et al. 1982). Von WEBER et al. (2007) konnten noch 13 BP ermittelt werden. Aktuell beträgt der Bestand weniger als 5 BP (M. Stubbe, pers. Mitt.).

Seit 2010 brütet im Großen Hakel der Seeadler. Die Brut konnte 2011 und 2012 erneut bestätigt werden (M. Stubbe, pers. Mitt.). Auch von der Wiesenweihe gibt es Brutnachweise sowie Brutzeitbeobachtungen im EU SPA Hakel (GÜNTHER 1990, HUTH 1992, TÖPFER 1996). Diese Art konnte durch WEBER et al. (2007) zwar nicht nachgewiesen werden, jedoch gibt es einen Nachweis aus dem Jahr 2005 (FISCHER & DORNBUSCH 2006). Ehemalige Brutnachweise liegen vom Zwergadler vor (STUBBE et al. 1996). Die Eichenmischwaldhabitate des Großen und Kleinen Hakels sind reich an Baumhöhlen und Totholz und in den durch Hecken und Gebüschstandorte strukturierten Offenlandbereichen des Vogelschutzgebietes brüten Neuntöter, Sperbergrasmücke, Grauammer und Rebhuhn (FRITSCHE 1996, TÖPFER 1996, KRATZSCH & STUBBE 2003, WEBER et al. 2007). Die Sperbergrasmücke kam zum Zeitpunkt der Erfassungen durch WEBER et al. (2007) mit nur 2 BP vor, während 2011 im Gebiet 13 BP nachgewiesen werden konnten (N. Wuttke, A. Resetaritz, pers. Mitt.).

Rastvögel

Neben seiner Bedeutung als Brutgebiet hat der Hakel auch eine Funktion als Rastgebiet für ziehende Greifvogelarten. So wurden bereits Steinadler, Kaiseradler, Habichtsadler, Kornweihe und Merlin als Rastvögel nachgewiesen (DORNBUSCH et al. 1996, WEBER et al. 2003, STUBBE et al. 2006). Weiterhin rasten regelmäßig Rot- und Schwarzmilane in beachtlicher Zahl im Gebiet

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