Harzer Bachtäler (FFH0089)

Rappbode bei Trautenstein (LRT 3260) © Büro für Umweltplanung Dr. Friedhelm MichaelRappbode bei Trautenstein (LRT 3260) © Büro für Umweltplanung Dr. Friedhelm Michael

Größe [ha / km]: 1.519 / 3
Landkreise und kreisfreie Städte: Harz
Verwaltungseinheiten:Einheitsgemeinde Stadt Oberharz am Brocken

Gebietsbeschreibung

Die Harzer Bachtäler erstrecken sich zwischen Schierke, Elend und Königshütte im Norden sowie Benneckenstein und der Landesgrenze nach Thüringen und Niedersachsen im Süden im „Mittelharz“. Nach Westen wird das Gebiet durch die Landesgrenze, nach Osten durch die Rappbodetalsperre begrenzt. Sein höchster Punkt liegt bei über 750 m ü. NN, der tiefste bei etwa 440 m ü. NN. Die Harzer Bachtäler umfassen unterschiedliche Geländemorphologien, die von steilen Kerbtälern bis zu flach ausstreichenden Muldentälern reichen. Sie repräsentieren das System der engmaschigen und oft stark verzweigten Gebirgsbäche und -flüsse im Harz mit den angrenzenden oft ausgedehnten Wiesentälern. Von Bedeutung sind die großflächigen Bergwiesenkomplexe südlich von Benneckenstein aber auch abgelegene Waldwiesen.

Lebensraumtypen und Flora

Wenngleich flächig nicht beherrschend, nehmen die Fließgewässer des FFH-LRT 3260 Flüsse mit Wasservegetation (34 ha) dennoch eine bedeutende Stellung im FFH-Gebiet ein. Die charakteristischen Vegetationsbestände sind in den unverbauten Bereichen der Warmen Bode und der Rappbode ausgeprägt. So kommt die Wasserstern-Fluthahnenfuß-Gesellschaft in sauerstoffreichen, aber nährstoff- und kalkarmen Fließgewässern vor. Neben dem Flutenden Hahnenfuß (Ranunculus fluitans) im Gewässer ist die Bachbunge (Veronica beccabunga) im Uferbereich anzutreffen. In den Gebirgsbächen, z. B. am Schieferbach, Giepenbach oder Dammbach, liegt die lebensraumtypische Vegetation in der Minimalausprägung vor.

Den größten Flächenanteil im Gebiet nehmen die Bestände des FFH-LRT 6520 Berg-Mähwiesen (700 ha) ein, die insbesondere im ortsnahen Bereich größere Grünlandkomplexe bilden. Charakteristische Pflanzengesellschaften der montanen Lagen sind die Waldstorchschnabel-Goldhafer-Wiese, die Teufelskrallen-Rotschwingel-Wiese und die Bärwurz-Rotschwingel-Wiese. Typische Arten dieser Wiesengesellschaften sind Arnika (Arnica montana), Perücken-Flockenblume (Centaurea pseudophrygia), Wald- Storchschnabel (Geranium sylvaticum), Bärwurz (Meum athamanticum), Kopfige Teufelskralle (Phyteuma orbiculare), Ährige Teufelskralle (Phyteuma spicatum) und Berg-Rispengras (Poa chaixii). Der überwiegende Teil der Plateaulagen bzw. maschinengängigen Flächen wird traditionell ein- bis zweischürig genutzt. Dagegen werden nicht maschinell nutzbare Bergwiesen mit Rindern unterschiedlicher Rassen sowie mit Schafen beweidet, abgelegene Waldwiesen und nur schwer nutzbare Wiesentäler hingegen über Maßnahmen der Landschaftspflege erhalten. Eng mit den Bergwiesen verzahnt sind die Borstgras-Rasen. Im FFH-Gebiet ist der überwiegende Teil dieses Biotoptyps dem FFH-LRT 6230* Borstgrasrasen, einem ehemals weit verbreiteten Wiesentyp, zuzuordnen. Ihre Flächengröße beträgt heute 185 ha. Ein großer Teil der erfassten Borstgrasrasen gehört dem Hundsveilchen- Borstgras-Rasen bzw. Kreuzblümchen- Borstgras-Rasen an. Kennzeichnende Arten sind neben dem namengebenden Borstgras (Nardus stricta) Dreizahn (Danthonia decumbens), Pillen-Segge (Carex pilulifera), Arnika (Arnica montana), Bärwurz (Meum athamanticum) und Gemeines Kreuzblümchen (Polygala vulgaris). In der Vergangenheit dienten die Täler der Bergbäche zumeist dem täglichen Umtrieb der Rinder und Schafe. Häufig waren diese Bereiche gesäumt von Triften und Hutungen. Da die Grünländer in den Quellbereichen der Bäche mit der Ausbildung von Mooren und Sümpfen einher gingen, die sehr weit von den Ortslagen entfernt waren, kam hier auch niemals Wirtschaftsdünger auf die Flächen.

Sümpfe finden sich im Quellbereich bzw. am Oberlauf der Rappbode, am Allerbach bei Trautenstein oder am Dammbach. Sehr selten kommen in diesen nährstoffarmen Sümpfen noch Floh-Segge (Carex pulicaris) und Sumpf-Herzblatt (Parnassia palustris) vor. Auf eng begrenzter Fläche wurde auch der in Sachsen-Anhalt sehr seltene FFH-LRT 6410 Pfeifengraswiesen (0,8 ha) mit Teufels-Abbiss (Succisa pratensis), Färber-Scharte (Serratula tinctoris) und Kümmel-Silge (Selinum carvifolia) nachgewiesen. Der FFH-LRT 6430 Feuchte Hochstaudenfluren (149 ha) begleitet die Bäche und Flüsse, soweit kein Erlensaum entwickelt ist und wurde vormals ebenfalls gemäht. In der montanen Stufe gehören ihm vor allem die Waldziest-Springkraut-Saumgesellschaft und die Bergweidenröschen-Ruprechstkraut-Gesellschaft sowie die Feuchtwiesensäume der Mädesüß-Fluren an. Typische Arten sind dort Sumpf-Schafgarbe (Achillea ptarmica), Gemeiner Frauenmantel (Alchemilla vulgaris), Wald-Engelwurz (Angelica sylvestris) oder Rauhaariger Kälberkropf (Chaerophyllum hirsutum). Soweit die Hochstauden genügend Licht auf den Boden fallen lassen, entwickeln sich auch Orchideen, wie Breitblättriges Knabenkraut (Dactylorhiza majalis) und Geflecktes Knabenkraut (Dactylorhiza maculata). Das Drüsige Springkraut (Impatiens glandulifera) und andere Neophyten sind bisher nur an wenigen Stellen eingewandert.

Im Quellbereich von Dammbach und Rappbode findet man den FFH-LRT 7140 Übergangs- und Schwingrasenmoore (15 ha). Die Moore sind relativ jung und artenarm. Es handelt sich um die Schnabelseggen-Gesellschaft und die Torfmoos-Wollgras-Gesellschaft mit den typischen Arten Grau-Segge (Carex canescens), Wiesen-Segge (Carex nigra), Blasen-Segge (Carex vesicaria), Rundblättrigem Sonnentau (Drosera rotundifolia), Fieberklee (Menyanthes trifoliata) und seltener Sumpf-Blutauge (Potentilla palustris). Das Schutzgebiet schließt auch Wald-Lebensraumtypen ein.

Der FFH-LRT 9130 Waldmeister-Buchenwald (45 ha) siedelt in den unteren Lagen der Harzer Bachtäler. Ihn prägen Arten wie Waldmeister (Galium odoratum), Einblütiges Perlgras (Melica uniflora), Ährige Teufelskralle (Phyteuma spicatum), Wald-Segge (Carex sylvatica) und Schmalblättrige Hainsimse (Luzula luzuloides). Die Auenwälder des FFH-LRT 91E0* Erlen-Eschenwälder (173 ha) stellen überwiegend bachbegleitende Erlensäume dar. Im Winkelseggen-Erlen-Eschen-Wald der tieferen Lagen kommen Wald-Schachtelhalm (Equisetum sylvaticum), Sumpf-Pippau (Crepis paludosa), Großes und Mittleres Hexenkraut (Circaea lutetiana, C. intermedia) sowie die Milzkräuter Chrysosplenium alternifolium und C. oppositifolium vor. In submontaner Lage löst ihn der Hainmieren-Erlen-Wald ab, während in der oberen montanen Stufe die Fichten-Erlen- Gesellschaft mit der Fichte als beherrschender Baumart folgt. Die Fichtenwälder befinden sich im natürlichen Verbreitungsgebiet dieser Baumart und bilden den LRT 9410 Montane Fichtenwälder (45 ha). Es handelt sich überwiegend um den Wollreitgras-Fichtenwald, dem selten Eberesche (Sorbus aucuparia) oder Hänge-Birke (Betula pendula) beigemischt sind. Er besiedelt die Hangflanken in den Höhenlagen.

Fauna

Das FFH-Gebiet ist Lebensraum von Wildkatze (Felis sylvestris) und Luchs (Lynx lynx). Auch die Wasserspitzmaus (Neomys fodiens) wurde nachgewiesen.

Sowohl Berg- als auch Fadenmolch (Triturus alpestris, T. helveticus) kommen vor.

Die klaren und sauerstoffreichen Harzbäche mit ihrem steinigen Untergrund stellen einen Verbreitungsschwerpunkt der Groppe (Cottus gobio) in Sachsen-Anhalt dar. Ebenfalls zahlreich vertreten ist das Bachneunauge (Lampetra planeri). Weiterhin kommen hier Bachforelle (Salmo trutta fario), Elritze (Phoxinus phoxinus) und Hasel (Leuciscus leuciscus) vor.
Vom Edelkrebs (Astacus astacus) gibt es einen aktuellen Nachweis bei Benneckenstein.

Hervorzuheben sind die Vorkommen der Libellen Torf-Mosaikjungfer (Aeshna juncea), Gestreifte Quelljungfer (Cordulegaster bidentata), Zweigestreifte Quelljungfer (Cordulegaster boltonii), Kleine Moosjungfer (Leucorrhinia dubia) sowie die Falter Mädesüß-Perlmutterfalter (Brenthis ino), Kleiner Würfel-Dickkopffalter (Pyrgus malvae), Rotklee-Bläuling (Cyaniris semiargus) und Lilagold-Feuerfalter (Lycaena hippothoe). Der Goldene Scheckenfalter (Euphydrias aurinia) konnte im FFH-Gebiet bislang nicht nachgewiesen werden, kommt aber aktuell in zwei benachbarten Habitaten vor.

Als typische Vertreter der Bach-Avifauna treten Wasseramsel (Cinclus cinclus) und Gebirgsstelze (Motacilla cinerea) auf. In den Wäldern leben Mittelspecht (Dendrocopos medius), Schwarzspecht (Dryocopus martius), Grauspecht (Picus canus), Grünspecht (Picus viridis) und Schwarzstorch (Ciconia nigra).

Literatur: 30, 207, 212, 215, 216, 264

verändert nach:

Jentzsch, M. und Reichhoff, L. (2013): Handbuch der FFH-Gebiete Sachsen-Anhalts. Hrsg. Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt. Halle (Saale). 616 Seiten

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