Huy nördlich Halberstadt (F47/S28)

Blick entlang der Nordkante des Huy © Stefan Ellermann (LAU)Blick entlang der Nordkante des Huy © Stefan Ellermann (LAU)

Größe [ha]: 2.004
Landkreise und kreisfreie Städte: Harz
Verwaltungseinheiten:Verbandsgemeinde Vorharz; Einheitsgemeinde Stadt Osterwieck; Einheitsgemeinde Stadt Halberstadt; Einheitsgemeinde Huy

Gebietsbeschreibung

Das FFH-Gebiet umfasst ein von Buchen geprägtes Laubwaldgebiet im „Nördlichen Harzvorland“. Kleinflächig treten Kalk-Halbtrockenrasen überwiegend in aufgelassenen Steinbrüchen oder als Saumbiotope auf. Nur im Osthuy befinden sich noch größere, ehemals beweidete Flächen mit artenreichen Halbtrockenrasen.

Ausgewählte Arten nach Anhang II der FFH-RichtlinieTextfeld öffnenTextfeld öffnen

Ausgewählte Arten nach Anhang IV der FFH-RichtlinieTextfeld öffnenTextfeld öffnen

Lebensraumtypen und Flora

Im Gebiet dominiert der FFH-LRT 9130 Waldmeister-Buchenwald (1.314 ha) mit einem Anteil von mehr als 70 % der Waldfläche. Durch die Lage im Regenschatten des Harzes bedingt, mehr aber noch forstwirtschaftlich gefördert, treten an vielen Stellen, insbesondere am Südhang, Trauben-Eiche (Quercus petraea), Hainbuche (Carpinus betulus) und Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus) zu den Beständen hinzu. Im Osthuy ist die Winter-Linde (Tilia cordata) und in der feuchteren Huy-Senke oder auf flachgründigen Kalk-Schotterböden weiträumig die Gemeine Esche (Fraxinus excelsior) mit vertreten. In Abhängigkeit von der Bestandesdichte und dem Eichen-Anteil hat sich die Krautschicht im Wesentlichen dem ausgeprägten Jahresrhythmus der Lichtverhältnisse angepasst. Leitarten dieses Waldtyps sind Waldmeister (Galium odoratum), Perlgras-Arten (Melica div. spec.), Ährige Teufelskralle (Phyteuma spicatum) und Leberblümchen (Hepatica nobilis). Nicht selten kommt es zur oberflächennahen Versauerung des Waldbodens. Das Auftreten der Schmalblättrige Hainsimse (Luzula luzuloides) ist ein Zeiger hierfür. Besonders nährstoffreich ist die Waldgersten-Ausbildungsform des Buchen-Waldtyps.

Gegenüber dem Waldmeister-Buchen-Wald ist der FFH-LRT 9150 Orchideen-Buchenwald (3,5 ha) nur kleinflächig vertreten und lediglich in Übergängen ausgebildet. Es handelt sich um einen Trockenwald mit Feld-Ahorn (Acer campestris) und Elsbeere (Sorbus torminalis). In der Bodenvegetation sind neben den Orchideenarten Purpur- und Stattliches Knabenkraut (Orchis purpurea, O. mascula) sowie Nestwurz (Neottia nidus-avis) und Grünliche Waldhyazinthe (Platanthera chloranthe) insbesondere Berg-Segge (Carex montana), Schwalbenwurz (Vincetoxicum hirundinaria) und Ebensträußige Margerite (Tanacetum corymbosum) von Bedeutung.
Gegenüber dem Waldmeister-Buchen-Wald tritt auch der FFH-LRT 9170 Labkraut-Eichen-Hainbuchenwald (172 ha) deutlich zurück. Bei diesem LRT handelt es sich um zumeist lichte Wälder, die jedoch meist als wirtschaftsbedingte Sekundärgesellschaft aufgefasst werden müssen. Wegen des erhöhten Lichteinfalls ist die Bodenvegetation des Labkraut-Eichen-Hainbuchen-Waldes zudem wesentlich artenreicher als die des Waldmeister-Buchen-Wald. In der Krautschicht sind Maiglöckchen (Convallaria majalis), Vielblütige Weißwurz (Polygonatum multiflorum), Gelbes Windröschen (Anemone ranunculoides), Schwarze Platterbse (Lathyrus niger) und Gefleckter Aronstab (Arum maculatum) typisch. Unweit der Sargstedter Warte befindet sich auf dem Südhang des Huys ein etwa 12 ha großes Totalreservat, welches den artenreichen Eichen-Hainbuchen-Wald mit dem Entwicklungstrend zum Waldmeister-Buchen- Wald widerspiegelt.
Den FFH-LRT 6110* Kalk-Pionierrasen (1 ha) findet man nur kleinflächig an wenigen Stellen zumeist in den Kalksteinbrüchen auf ehemaligen Feinmaterial-Abraumhalden, aufgegebenen Kiesgruben oder Abgrabungsflächen im militärischen Konversionsgebiet. Eng verzahnt mit diesem Lebensraum sind häufig Bestände des FFH-LRT 6210 Kalk-Trockenrasen (*orchideenreiche Bestände) (100 ha). Dieser Lebensraumtyp ist besonders im Osthuy gut ausgeprägt, weiterhin aber auch als Saumbiotop an den Südrändern des Huys und den Halbtrockenrasen um Huy-Neinstedt und südöstlich von Badersleben zu finden. Charakteristische Arten sind die Wiesen-Schlüsselblume (Primula veris), der Knollige Hahnenfuß (Ranunculus bulbosus), die Aufrechte Trespe (Bromus erectus) und der Fransen-Enzian (Gentianella ciliata).

In den 1980er Jahren wurden im Osthuy Flächennaturdenkmale, welche die Vielfalt der Halbtrockenrasen repräsentieren, eingerichtet und ein artenreicher Labkraut-Eichen-Hainbuchen-Wald unter Schutz gestellt, der aus einem Mittelwald hervorgegangen ist und an seinem Rand Steppenheiderelikte bewahrt. Ästige Graslilie (Anthericum ramosum) und Diptam (Dictamnus albus) finden sich in den Verbuschungsstadien der Trockenrasen und in den Saumstrukturen des Waldmeister-Buchen-Waldes sowie des Labkraut-Eichen-Hainbuchen-Waldes im Osthuy, an der Sargstedter Warte und bei Huy-Neinstedt. Der Braunrote Sitter (Epipactis atrorubens) wächst nur noch an wenigen Stellen in offenen, teilweise aber auch stak beschatteten Steinbrüchen, während der Breitblättrige Sitter (Epipactis helleborine) in den Buchen-Wäldern weiter verbreitet ist. Sehr selten kann der unscheinbare Kleinblättrige Sitter (Epipactis microphylla) nachgewiesen werden. Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea) und Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera) wachsen auf flachgründigen Halbtrockenrasen insbesondere im Osthuy und von der Fliegen-Ragwurz (Ophrys insectifera) finden sich eine kleine Population im NSG „Vorberg-Herrenberg-Huy“ sowie einige über den gesamten Huy verstreute Vorkommen. Die Grüne Waldhyazinthe (Platanthera chlorantha) hat ihren Schwerpunkt in aufgelassenen Steinbrüchen nördlich von Sargstedt, während es von der Garten-Schwarzwurzel (Scorzonera hispanica) derzeit nur noch einen Fundort nordwestlich dieser Ortschaft gibt. In den Trockensäumen und lichten Eichen-Trockenwäldern ist die Nacktstengel-Schwertlilie (Iris aphylla), vergesellschaftet mit Diptam (Dictamnus albus) und auf einem Trockenrasen bei Sargstedt existiert ein individuenreiches Vorkommen vom Dreizähnigen Knabenkraut (Orchis tridentata).

Fauna

Im Zuge der derzeit vom Harz ausgehenden Ausbreitung hat die Wildkatze (Felis silvestris) mittlerweile auch den Huy erreicht. Von der Haselmaus (Muscardinus avellanarius) existieren ebenfalls aktuelle Nachweise. Die ausgedehnten Waldbereiche des Huy bieten einer artenreichen Fledermausfauna einen geeigneten Lebensraum. Unter den 12 nachgewiesenen Fledermausarten ist die Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus), die im Gebiet reproduziert, besonders hervorzuheben. Daneben ist auch für Zwerg- (Pipistrellus pipistrellus), Fransen- und Brandtfledermaus (Myotis nattereri, M. brandtii) sowie Kleinabendsegler (Nyctalus leisleri) und Braunes Langohr (Plecotus auritus) das Vorhandensein von Wochenstubenquartieren sehr wahrscheinlich. Bart- und Wasserfledermaus (Myotis mystacinus, M. daubentonii) sowie Rauhautfledermaus (Pipistrellus nathusii) und Großer Abendsegler (Nyctalus noctula) nutzen das Gebiet zumindest zur Nahrungssuche.

Auch die Zauneidechse (Lacerta agilis) ist im Huy insbesondere in den Randlagen relativ verbreitet und häufig anzutreffen.
In den kleinen Huy-Gewässern laicht der Kammmolch (Triturus cristatus) ab.

Die FND im östlichen Teil des FFH-Gebietes zeichnen sich durch eine reiche Heuschrecken- und Schmetterlingsfauna aus. So wurden die Rote Keulenschrecke (Gomphocerippus rufus), die Zweipunkt-Dornenschrecke (Tetrix bipunctata) und der Zwerggrashüpfer (Stenobothrus crassipes), dessen Fundorte von bundesweiter Bedeutung sind, gefunden. Die Vorkommen des Zwerggrashüpfers und der Plumpschrecke (Isophyga krausii) stellen zudem weit nach Norden vorgeschobene Exklaven dar. Die Schmetterlingsfauna ist sehr artenreich und wird aktuell mit 245 Arten beziffert. Die Arten Eupithecia expallidata, Abrostola asclepiadis und Agriopis bajaria erreichen hier ihre nördliche Verbreitungsgrenze. Im Eichen-Wald-FND wurden Meganola strigula und Orthosia miniosa gefunden. Der letzte Nachweis vom Schwarzfleckigen Ameisenbläuling (Maculinea arion) datiert aus dem Jahre 1976. Seit dem ist die überregional vom Aussterben bedrohte Art im Gebiet verschollen. Die Schneckenarten des Osthuys deuten auf den xerothermen Charakter des Gebietes hin. Als charakteristische Arten sind die Gemeine Heideschnecke (Helicella itala), die Rotmündige Heideschnecke (Cernuella neglecta), die Zylinder-Windelschnecke (Truncatellina cylindrica) und die Zweizähnige Schließmundschnecke (Clausilia bidentata) zu nennen. Die Große Laubschnecke (Euomphalia strigella) ist eine bemerkenswerte Art der Eichenwälder.

Die Populationen von Rot- und Schwarzmilan (Milvus milvus u. M. migrans), einst mit 40 bis 60 Brutpaaren im EU SPA dominant, sind bis auf wenige Paare zurück gegangen. Der Wespenbussard (Pernis apivorus) brütet unregelmäßig im Huy. Die Mittelspecht-Vorkommen (Dendrocopos medius) verzeichnen eine abnehmende Tendenz und der Grauspecht (Picus canus) besiedelt vereinzelt die Randlagen des Gebietes. Den Neuntöter (Lanius collurio) findet man überwiegend an gebüschreichen Rändern.

Literatur: 2, 30, 91, 207, 212, 265, 307, 316, 361, 386, 439, 451

verändert nach:

Jentzsch, M. und Reichhoff, L. (2013): Handbuch der FFH-Gebiete Sachsen-Anhalts. Hrsg. Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt. Halle (Saale). 616 Seiten

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