Kamernscher See und Trübengraben (FFH0014)

Kamernscher See und Trübengraben © Myotis - Büro für LandschaftsökologieKamernscher See und Trübengraben © Myotis - Büro für Landschaftsökologie

Größe [ha / km]: 231 / 54
Landkreise und kreisfreie Städte: Stendal
Verwaltungseinheiten:Verbandsgemeinde Elbe-Havel-Land

Gebietsbeschreibung

Das Gewässersystem des Trübengrabens entspringt im Süden in der Landschaftseinheit „Ländchen im Elbe-Havel-Winkel“ und verläuft am westlichen Rand der Elbaue im Wesentlichen parallel zum Elbestrom. Nördlich von Jederitz, bereits in der Landschaftseinheit „Rhin-Havel-Luch“, mündet der Trübengraben in die Havel. Große Teile dieses Grabensystems sowie die Bereiche des Kamernschen, des Scharlibber und des Klietzer Sees sind Bestandteil des FFH-Gebietes.

Lebensraumtypen und Flora

Die das Gebiet prägenden Gewässer wurden noch nicht abschließend bearbeitet. Es kann davon ausgegangen werden, dass der FFH-LRT 3150 Eutrophe Seen (ca. 50 ha) und der FFH-LRT 3260 Flüsse mit Wasservegetation (ca. 20 ha) ausgebildet sind.
Die Wasservegetation unterlag in den zurück liegenden Jahrzehnten starken Veränderungen durch Eutrophierung. Nach 1990 war eine deutliche Nährstoffverminderung zu erkennen, sodass sich erneut artenreiche Wasserpflanzengesellschaften aus den verbliebenen Restbeständen von Wasserpflanzen ausbilden konnten. Heute siedeln im Kamernschen-/Schönfelder See Wasserpflanzengesellschaften mit Kanadischer Wasserpest (Elodea canadensis) und Gemeinem Hornblatt (Ceratophyllum demersum) sowie Schlauchalgen, die Tausendblatt (Myriophyllum spicatum)-Teichrosen (Nuphar lutea)-Gesellschaft, die Tauchflur des Stachelspitzigen Laichkrautes (Potamogeton friesii) und der Krebsscheren (Stratiotes aloides)-Froschbiss (Hydrocharis morsus-ranae)-Gesellschaft. Weiterhin kommen u. a. Spiegelndes, Stumpfblättriges, Durchwachsenblättriges und Haar-Laichkraut (Potamogeton lucens, P. obtusifolius, P. perfoliatus, P. trichoides) und der Spreizende Hahnenfuß (Ranunculus circinatus) vor.

Wälder nehmen nur kleinere Flächen ein. Der FFH-LRT 9190 Eichenwälder auf Sandebenen (7 ha) wird von Stiel-Eiche (Querus robur) dominiert. Wald-Kiefer (Pinus sylvestris), Hänge-Birke (Betula pendula), Zitter-Pappel (Populus tremula), Eberesche (Sorbus aucuparia), Flatter-Ulme (Ulmus laevis), Winter-Linde (Tilia cordata) sowie Faulbaum (Frangula alnus) in der Strauchschicht treten hinzu. Charakteristische Arten der Bodenvegetation sind Rot-Straußgras (Agrostis capillaris), Schlängel- und Rasenschmiele (Deschampsia flexuosa, D. cespitosa), Behaarte Segge (Carex hirta), Zypressen-Wolfsmilch (Euphorbia cyparissias), Tüpfel-Johanniskraut (Hypericum perforatum), Dorniger Wurmfarn (Dryopteris carthusiana), Rundblättrige Glockenblume (Campanula rotundifolia) und Wald-Habichtskraut (Hieracium murorum). Der FFH-LRT 9160 Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwald (1,5 ha) wird von Stiel- und Trauben-Eiche (Quercus robur, Q. petraea), Flatter-Ulme (Ulmus laevis), Gemeiner Esche (Fraxinus excelsior) und Schwarz-Erle (Alnus glutionosa) aufgebaut. In der zweiten Baumschicht wachsen Hainbuche (Carpinus betulus), Wild-Birne (Pyrus pyraster), Feld-Ulme (Ulmus minor) und Feld-Ahorn (Acer campestre). Hasel (Corylus avellana), Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus) und Schlehe (Prunus spinosa) bilden die Strauchschicht. Die Feldschicht kennzeichnen Wald-Zwenke (Brachypodium sylvaticum), Zittergras-Segge (Carex brizoides), Knaulgras (Dactylis glomerata), Rasen-Schmiele (Deschampsia cespitosa), Wald-Flattergras (Milium effusum) und Hain-Rispengras (Poa nemoralis).
Auf feuchten Standorten ist der FFH-LRT 91E0* Erlen-Eschenwälder (1,1 ha) ausgebildet. Gemeine Esche (Fraxinus excelsior), Schwarz-Erle (Alnus glutinosa), Stiel- Eiche (Quercus robur) und Hänge-Birke (Betula pendula) bauen die Baumschicht auf. Im Unterstand tritt Robinie (Robinia pseudoacacia) als invasiver Neophyt auf. Arten der Strauchschicht sind Eingriffliger Weißdorn (Crataegus monogyna), Blutroter Hartriegel (Cornus sanguinea) und Kreuzdorn (Rhamnus cathartica). Neben Feuchtigkeit zeigenden Arten der Krautschicht, wie Sumpf-Segge (Carex acutiformis), Rohr-Glanzgras (Phalaris arundinaceae) und Wasser-Schwertlilie (Iris pseudacorus), kommen auch mesophile Waldarten, so Wald-Zwenke, Echte Nelkenwurz (Geum urbanum), Wald-Ziest (Stachys sylvatica) und Großes Hexenkraut (Circaea lutetiana) vor.

Fauna

Im Gebiet existieren mehrere Ansiedlungen des Bibers (Castor fiber). Für den Fischotter (Lutra lutra) hat es neben der Lebensraumfunktion auf Grund seiner linearen Struktur große Bedeutung als Migrationskorridor. Das von Gewässern dominierte Gebiet stellt ein gutes Nahrungshabitat für Fledermäuse dar. Vor allem Wasser- und Rauhautfledermaus (Myotis daubentonii, Pipistrellus nathusii) finden hier ihr Jagdgebiet.
Die Zauneidechse (Lacerta agilis) bewohnt die trockeneren Teilhabitate.
Von den Lurchen ist neben der Rotbauchunke (Bombina bombina) auch der Moorfrosch (Rana arvalis) im Gebiet hervorzuheben. An wenigen Stellen mit grabbaren Bodensubstraten wurde die Wechselkröte (Bufo viridis) nachgewiesen. Kleiner Wasserfrosch (Rana lessonae) und Kammmolch (Triturus cristatus) kommen vereinzelt vor.
Aus dem Trübengraben wurden vereinzelte Nachweise des Rapfens (Aspius aspius) erbracht. Ob es sich dabei um einen reproduzierenden Bestand oder lediglich um bei Hochwasser verdriftete Tiere handelt, ist unklar. In schlammfreien Bereichen dieses Gewässers kommt der Steinbeißer (Cobitis taenia) vor, während der Schlammpeitzger (Misgurnus fossilis) die verschlammten Abschnitte bevorzugt. Im Kamernschen See und dem Abfluss zum Trübengraben lebt der Bitterling (Rhodeus amarus).

Literatur: 143, 205, 263, 279, 407, 497

verändert nach:

Jentzsch, M. und Reichhoff, L. (2013): Handbuch der FFH-Gebiete Sachsen-Anhalts. Hrsg. Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt. Halle (Saale). 616 Seiten

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