Laubwaldgebiet zwischen Wernigerode und Blankenburg (FFH0078)

Laubwaldgebiet zwischen Wernigerode und Blankenburg © Prof. Hellriegel Institut e. V.Laubwaldgebiet zwischen Wernigerode und Blankenburg © Prof. Hellriegel Institut e. V.

Größe [ha]: 3.615
Landkreise und kreisfreie Städte: Harz
Verwaltungseinheiten:Einheitsgemeinde Stadt Wernigerode; Einheitsgemeinde Stadt Oberharz am Brocken; Einheitsgemeinde Stadt Blankenburg (Harz)

Gebietsbeschreibung

Das FFH-Gebiet umfasst den steilen Nordabhang des Harzes südlich von Blankenburg im Osten bis nach Wernigerode im Westen in den Landschaften des „Nördlichen Harzrandes“ und des „Mittelharzes“. Es dehnt sich vom Nordharzrand bis auf die Hochfläche bei Hüttenrode und Jasperode in Höhenlagen zwischen 240 m ü. NN (Harzrand) und 480 m ü. NN aus. Geologisch befindet sich das Gebiet in der sehr interessanten jungmesozoischen Harznordrandstörung. Es treten Kulmtonschiefer und Kulmgrauwacken zutage. Bei Hüttenrode und Jasperode grenzt das Schutzgebiet an den devonischen Elbingeröder Kalksteinkomplex.

Lebensraumtypen und Flora

Der Wald wird auf nährstoffreicheren Standorten von den großflächig ausgebildeten Beständen des FFH-LRT 9130 Waldmeister-Buchenwald (1.594 ha) repräsentiert. Die Baumschicht ist im Vergleich zum Hainsimsen-Buchenwald durch die begleitenden Gehölzarten Gemeine Esche (Fraxinus excelsior), Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus), Hainbuche (Carpinus betulus) und Vogel-Kirsche (Prunus avium) deutlich reicher ausgeprägt.
Auf den nährstoffärmeren Böden der höheren Lagen tritt forstwirtschaftlich begünstigt die Fichte in den Buchenbeständen auf. Charakteristische Arten der Krautschicht sind dort u. a. das Einblütige Perlgras (Melica uniflora), Waldmeister (Galium odoratum) und Ährige Teufelskralle (Phyteuma spicatum). Auf sauren und nährstoffarmen Standorten stockt der FFH-LRT 9110 Hainsimsen-Buchenwald (551 ha). Den Buchen-Beständen sind an den Hängen nicht selten Trauben-Eiche (Quercus petraea) und in den Höhenlagen, wiederum forstlich gefördert, Fichte (Picea abies) beigemischt. Die Bodenvegetation wird unter anderem von Schmalblättriger Hainsimse (Luzula luzuloides) und Schattenblümchen (Maianthemum bifolium) geprägt.
Die Waldgesellschaften des FFH-LRT 9170 Labkraut-Eichen-Hainbuchenwald (119 ha) sind am Harzrand, im Klostergrund und auf dem Agnesberg bei Wernigerode anthropogenen Ursprungs, Ziel war die Bauholzgewinnung, zudem hat auch die Waldweidenutzung die Ausbildung dieser Waldgesellschaft gestützt. Unter natürlichen Bedingungen würde durch eine stärkere Buchenverjüngung ein Wandel zum reichen Waldmeister-Buchenwald einsetzen. Am Aufbau der Baumschicht sind neben den namengebenden Arten auch Winter-Linde (Tilia cordata), Gemeine Esche (Fraxinus excelsior), Berg-Ulme (Ulmus glabra), Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus), Rotbuche (Fagus sylvatica) und Vogelkirsche (Prunus avium) beteiligt. Die Krautschicht ist ebenfalls reich entwickelt. Es kommen unter anderem Wald-Labkraut (Galium sylvaticum), Maiglöckchen (Convallaria majalis), Gelbes Windröschen (Anemone ranunculoides), Echtes Lungenkraut (Pulmomaria officinalis) und Färber-Scharte (Serratula tinctoria) vor.
Der FFH-LRT 9180* Schlucht- und Hangmischwälder (1,5 ha) ist auf kleiner Fläche ausgebildet.
Die Wälder an den Gewässerläufen werden vom FFH-LRT 91E0* Erlen-Eschenwälder (50 ha) gebildet. Die Bestände ziehen sich als Säume entlang der Bäche im Schutzgebiet entlang, soweit nicht andere Wald- oder Forstgesellschaften oder Grünland direkt an die Ufer angrenzen, wie dies am Hellbach, Goldbach und im Klostergrund der Fall ist. Zur Leitart Schwarz-Erle (Alnus glutinosa) kommen weitere Gehölze, wie Bruch-Weide (Salix fragilis), Korb-Weide (Salix viminalis), Gewöhnliche Traubenkirsche (Prunus padus) und Gemeine Esche (Fraxinus excelsior), hinzu. Im Bereich des Hellbachs und im Wolfsholz wachsen Bestände vom Bärlauch (Allium ursinum) gemeinsam mit den Milzkrautarten Chrysosplenium oppositifolius und C. alternifolius.

Die Wasservegetation der FFH-LRT 3150 Eutrophe Seen und FFH-LRT 3260 Flüsse mit Wasservegetation (zusammen 8 ha) findet sich in Standgewässern, die im Falle von Klostergrund und Goldbach zum Teil als Fischteiche genutzt werden, sowie in geringer Ausprägung in Fließen. Unterwasservegetation der Wasserstern-Fluthahnenfuß-Gesellschaft und der Berlen-Gesellschaft siedeln überwiegend in den größeren Bächen, wie z. B. Goldbach und Hellbach, soweit die Auenwaldgehölze einen ausreichenden Lichtzutritt gewähren.

Artenreiche Gesellschaften des FFH-LRT 6430 Feuchte Hochstaudenfluren (4 ha) können sich entlang der Bäche nur entwickeln, wenn ausreichend Licht die Bodenvegetation erreicht. An lichteren Stellen sind die vom Großen Mädesüß (Filipendula ulmaria) geprägten Saumgesellschaften in einem sehr guten Zustand ausgebildet.
Grünland kommt vor allem mit Gesellschaften des FFH-LRT 6510 Magere Flachland-Mähwiesen (11 ha) im Goldbachtal, im Klostergrund und am Hellbach vor. Zum Teil werden sie extensiv beweidet oder sind aufgelassen. Eine genauere Analyse zeigte, dass mehr als die Hälfte dieser Mähwiesen in einem schlechten Erhaltungszustand ist. Auch die Gebirgswiesen des FFH-LRT 6520 Berg-Mähwiesen (32 ha) sind nur teilweise in einem guten Zustand erhalten. Einige Zeiger ehemaliger Bergwiesenvegetation sind aber noch vorhanden, so unter anderem Wald-Storchschnabel (Geranium sylvaticum), Gemeines Ruchgras (Anthoxanthum odoratum) und Wiesen-Margerite (Leucanthemum vulgare). In einer noch genutzten Bergwiese am Hundsrücken wurden zudem Wiesen-Schlüsselblume (Primula veris), Gewöhnlicher Frauenmantel (Alchemilla vulgaris) und Große Ehrenpreis (Veronica teucrium) gefunden.
Nur sehr kleinflächig sind Reste des FFH-LRT 6230* Borstgrasrasen (0,9 ha) vertreten. Diese wurden bereits seit Jahren aufgelassen. Die Magerrasen im Gebiet gehören zum FFH-LRT 6210 Kalk-Trockenrasen (1,8 ha). Sie werden nicht mehr genutzt, verbuschen und drohen zu bewalden. Nur wenige charakteristische Arten sind erhalten geblieben, so Aufrechte Trespe (Bromus erectus), Fieder-Zwenke (Brachypodium pinnatum) und Gemeines Sonnenröschen (Helianthemum nummularium).
Der FFH-LRT 8210 Kalk-Felsspaltenvegetation umfasst 0,7 ha und ist über 41 Vorkommen verteilt. Dabei handelt es sich überwiegend um kleine Felsdurchragungen am Südrand des Gebietes. Hier kommen Mauerraute (Asplenium ruta-muraria), Braunstieliger Streifenfarn (Asplenium trichomanes) und Rasen-Steinbrech (Saxifraga rosacea) vor.

Fauna

Das Gebiet ist zwar durch Forstwege und Straßen erschlossen, in wesentlichen Teilen aber weitgehend störungsfrei und auch vom Tourismus nur an wenigen Punkten beeinflusst. Diese Voraussetzungen schaffen für das Vorkommen störempfindlicher Säugetiere gute Existenzmöglichkeiten. So kommen im Gebiet Luchs (Lynx lynx) und Wildkatze (Felis sylvestris) vor. In geeigneten Bereichen tritt auch die Haselmaus (Muscardinus avellanarius) auf.
Auf Grund der ausgedehnte Laubwaldgebiete und der umfangreichen Spuren ehemaliger Bergbautätigkeit bietet das Gebiet sowohl während der Fortpflanzungszeit als auch im Winter sehr gute Lebensräume für eine artenreiche Fledermausfauna. Neben anderen Arten kommen im Frühjahr und Sommer Mops- und Bechsteinfledermaus (Barbastella barbastellus, Myotis bechsteinii) sowie Großes Mausohr (Myotis myotis) vor. Daneben ist das z. T. syntope Vorkommen von Brandt-, Bart- und der Nymphenfledermaus (Myotis brandtii, Myotis mystacinus, Myotis alcathoe) hervorzuheben. Großer Abendsegler (Nyctalus noctula) und Rauhautfledermaus (Pipistrellus nathusii) frequentieren das Gebiet hauptsächlich während der Zug- und Paarungszeit im Spätsommer. Eine Vielzahl von Stollen (z. B. Pinge Volkmarskeller, Pingen Mittelberg, Stollen der Erzstufenbahn) werden von den Fledermäusen als Winterquartiere genutzt. Nach Ohlendorf (mdl. Mitt.) überwintern dort neben Großem Mausohr (Myotis myotis) und Bechsteinfledermaus auch Teichfledermaus (Myotis bechsteinii, M. dasycneme) (Pinge Volkmarskeller) und in seltenen Fällen die Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus). Daneben treten Fransen- und Wasserfledermäuse (Myotis nattereri, M. daubentonii) in größerer Zahl in den Winterquartieren auf.

In den Bächen des Gebietes kommt die Groppe (Cottus gobio) als einzige FFH-relevante Fischart vor. Der Erhaltungszustand ihrer Lebensräume wurde als gut zu bewerten.

Einen Nachweis der Spanischen Flagge (Euplagia quadripunctaria) gibt es aus dem Jahre 2004. Vom Hirschkäfer (Lucanus cervus) liegen nur Altnachweise vor.

Im EU SPA, das flächengleich mit dem FFH-Gebiet ist, sind die Vorkommen von Schwarzstorch (Ciconia nigra) und Wasseramsel (Cinclus cinclus) von landesweiter Bedeutung. Nennenswerte Bestände weisen darüber hinaus Graureiher (Ardea cinerea) mit einer Kolonie am Rand der Fischteiche bei Michaelstein sowie Grauspecht (Picus canus), Schwarzspecht (Dryocopus martius) und Mittelspecht (Dendrocopos medius) auf.

Literatur: 30, 62,65, 79, 208, 264,293, 337, 364, 563

verändert nach:

Jentzsch, M. und Reichhoff, L. (2013): Handbuch der FFH-Gebiete Sachsen-Anhalts. Hrsg. Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt. Halle (Saale). 616 Seiten

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