Obere Nuthe-Läufe (FFH0059)

Magere Flachland-Mähwiese (LRT 6510) © LPR- Landschaftsplanung Dr. Reichhoff GbRMagere Flachland-Mähwiese (LRT 6510) © LPR- Landschaftsplanung Dr. Reichhoff GbR

Größe [ha / km]: 820 / 44
Landkreise und kreisfreie Städte: Anhalt-Bitterfeld; Wittenberg
Verwaltungseinheiten:Einheitsgemeinde Stadt Zerbst/Anhalt; Einheitsgemeinde Stadt Coswig (Anhalt)

Gebietsbeschreibung

Die drei Nuthe-Läufe entspringen im „Roßlau-Wittenberger Vorfläming“ und vereinigen sich bei Zerbst zur Hauptnuthe. Das FFH-Gebiet umfasst die Lindauer, Grimmer und Boner Nuthe sowie deren Quellgebiete und Niederungslandschaften.

Lebensraumtypen und Flora

Charakteristisch für das Schutzgebiet sind Fließgewässer des FFH-LRT 3260 Flüsse mit Wasservegetation (42 ha), der noch in großen Abschnitten der Grimmer, Boner und Lindauer Nuthe vorkommt. Sowohl in den mäandrierenden als auch den begradigten und teilweise stauregulierten Fließgewässern kommen lebensraumtypkennzeichnende Arten, wie Einfacher Igelkolben (Sparganium emersum), Flutender Schwaden (Glyceria fluitans), Bachbunge (Veronica beccabunga), Sumpf-Wasserstern (Callitriche palustris agg.), Schwimmendes Laichkraut (Potamogeton natans) und Echte Brunnenkresse (Nasturtium officinale agg.) vor.
Standgewässer, wie der Stau bei Gollbogen sowie das Speicherbecken Kleinleitzkau, sind aufgrund lebensraumtypischer Artvorkommen und naturnaher Biotopausbildungen zum FFH-LRT 3150 Eutrophe Seen (9 ha) zu stellen.

In den Uferbereichen von Bächen und Gräben sowie auf offenen, feuchten Standorten in Waldrandnähe ist der FFH-LRT 6430 Feuchte Hochstaudenfluren (0,8 ha) zu finden. Dieser Lebensraumtyp wird gekennzeichnet durch Zaun-Winde (Calystegia sepium), Wasserdost (Eupatorium cannabinum), Blutweiderich (Lythrum salicaria), Sumpf-Storchschnabel (Geranium palustre) und Echtes Mädesüß (Filipendula ulmaria). Sie sind Bestandsbildner der Brennnessel-Seiden-Zaunwinden-Saumgesellschaft und der Wasserdost-Gesellschaft. In beschatteten Bereichen ist die Brennnessel-Giersch-Saumgesellschaft entwickelt.

Die typischen Waldgesellschaften der Niederungsstandorte sind Walzenseggen-Erlen-Brüche und Traubenkirschen-Erlen-Eschen-Wälder. Letztere gehören dem FFH-LRT 91E0* Erlen-Eschenwälder (198 ha) an, in dem bemerkenswerte Pflanzen, wie Bitteres Schaumkraut (Cardamine amara), Sumpf-Haarstrang (Peucedanum palustre), Einbeere (Paris quadrifolia), Sumpf-Pippau (Crepis paludosa), Bach-Nelkenwurz (Geum rivale), Sumpf-Dotterblume (Caltha palustris) und Winkel-Segge (Carex remota) vorkommen. Die grundwasserferneren Standorte werden hingegen von Sternmieren-Eichen-Hainbuchen-Wäldern des FFH-LRT 9160 Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwälder (78 ha) besiedelt, die mit Trauben-Eiche (Quercus petraea) und Rotbuchen (Fagus sylvatica) durchsetzt sind. In der Krautschicht wachsen dort Mittleres Hexenkraut (Circaea x intermedia), Aronstab (Arum maculatum), Wolliger Hahnenfuß (Ranunculus lanuginosus), Vielblütige Weißwurz (Polygonatum multiflorum), Gewöhnliche Schuppenwurz (Lathrea squamaria) und Gelbes Windröschen (Anemone ranunculoides).
Auf anmoorigen Böden im NSG „Platzbruch“ kommen kleinflächig Bestände des FFH-LRT 9190 Eichenwälder auf Sandebenen (0,5 ha) vor. In den Pfeifengras-Birken-Stieleichen-Wäldern siedeln Königsfarn (Osmunda regalis), Glocken-Heide (Erica tetralix) sowie Buchen- (Phegopteris connectilis) und Eichenfarn (Gymnocarpium dryopteris). Der FFH-LRT 9110 Hainsimsen-Buchenwald (2 ha) greift auf das Schutzgebiet über.

Auf frischen bis wechselfeuchten Standorten kommen extensiv bis mäßig intensiv genutzte, nur teilweise noch artenreiche Grünländer vor, die dem FFH-LRT 6510 Magere Flachland-Mähwiesen (164 ha) entsprechen und zu deren charakteristischen Arten Scharfer Hahnenfuß (Ranunculus acris), Wiesen-Schaumkraut (Cardamine pratensis), Wolliges Honiggras (Holcus lanatus), Wiesen-Sauerampfer (Rumex acetosa), Kuckucks-Lichtnelke (Silene flos-cuculi) oder Gamander-Ehrenpreis (Veronica chamaedrys) gehören.

Fauna

Biber (Castor fiber) und Fischotter (Lutra lutra) besiedeln das gesamte Gebiet, wobei aber die Biber-Population der Oberläufe deutlichen Schwankungen unterworfen ist. Vor allem die Quellgebiete und die Oberläufe der Nuthe bieten Fledermausarten gute Nahrungs- und ausreichende Quartierangebote. Hier jagen Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus) und Großes Mausohr (Myotis myotis). Aber auch Fransen- und Brandtfledermaus (Myotis nattereri, M. brandtii) sowie Mückenfledermaus (Pipistrellus pygmaeus) und die Schwesternarten Braunes und Graues Langohr (Plecotus auritus, P. austriacus) sind hier anzutreffen.

Zu den festgestellten Lurchen zählen Moorfrosch (Rana arvalis) und Knoblauchkröte (Pelobates fuscus). Der Kammmolch (Triturus cristatus) kommt in verschiedenen Kleingewässern innerhalb der Erlen-Wälder vor. Nachweise der Rotbauchunke (Bombina bombina) aus zurückliegenden Jahren konnten bei aktuellen Erfassungen nicht bestätigt werden.

Als bemerkenswerte Fische sind für die naturnahen, mit sandigen Gründen ausgestatteten Abschnitte der drei Nuthe-Läufe das Bachneunauge (Lampetra planeri) sowie für die Boner Nuthe der Steinbeißer (Cobitis taenia) zu nennen. Im Rahmen des Wanderfischprogramms Sachsen-Anhalt wurden in der Lindauer Nuthe Lachs-Brütlinge eingesetzt, von denen 2010 einzelne im Bereich Buschmühle nachgewiesen werden konnten. Im Jahr 2011 gelang bereits der erste Fang eines Rückkehrers (Fangstatistik LHW).

Aus dem Gebiet wurden außerdem Vorkommen des Heldbocks (Cerambyx cerdo) und des Hirschkäfers (Lucanus cervus) gemeldet, die aber älteren Datums sind. Während der Heldbock aktuell bestätigt werden konnte, stehen jüngere Nachweise für den Hirschkäfer noch aus.

Literatur: 14, 123, 130, 131, 132, 133, 207, 212, 232, 248, 249, 264, 287, 391, 407, 413, 452, 512

verändert nach:

Jentzsch, M. und Reichhoff, L. (2013): Handbuch der FFH-Gebiete Sachsen-Anhalts. Hrsg. Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt. Halle (Saale). 616 Seiten

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