Saaledurchbruch bei Rothenburg (FFH0114)

Saaletal © Maxi RuthenbergSaaletal © Maxi Ruthenberg

Größe [ha]: 477
Landkreise und kreisfreie Städte: Mansfeld-Südharz; Salzlandkreis; Saalekreis
Verwaltungseinheiten:Einheitsgemeinde Stadt Könnern; Einheitsgemeinde Stadt Wettin-Löbejün; Einheitsgemeinde Stadt Gerbstedt

Gebietsbeschreibung

Das FFH-Gebiet umfasst das Durchbruchstal der Saale bei Rothenburg einschließlich der Nebentäler innerhalb der Halle-Hettstedter Gebirgsbrücke und erstreckt sich entlang der Saale zwischen den Ortslagen Wettin im Süden und Könnern im Norden. Charakteristisch sind die Steilhänge des Saaletales, die Höhen bis zu 50 m erreichen können. Hier siedeln u. a. Felsfluren, Trockenrasen und Hangwälder. Etwa 60 % der Gebietsfläche sind als NSG gesichert.

Ausgewählte Arten nach Anhang II der FFH-RichtlinieTextfeld öffnenTextfeld öffnen

Ausgewählte Arten nach Anhang IV der FFH-RichtlinieTextfeld öffnenTextfeld öffnen

Lebensraumtypen und Flora

Naturschutzfachlich wertgebend für das Gebiet sind die großflächigen Trockenrasen und Felsfluren, die eng vernetzte Mosaike auf dem anstehenden Oberkarbonsandstein bilden und zahlreiche seltene Florenelemente enthalten. Die größten Flächenanteile nimmt die Furchenschwingel-Fiederzwenken-Gesellschaft ein, die dem FFH-LRT 6210 Kalk-Trockenrasen (51 ha) zuzuordnen ist. Als charakteristische Arten kommen hier Erd-Segge (Carex humilis), Wundklee (Anthyllis vulneraria), Hügel-Meier (Asperula cynanchica), Rispen-Flockenblume (Centaurea stoebe), Gemeines Sonnenröschen (Helianthemum nummularium), Hufeisenklee (Hippocrepis comosa), Großblütige Braunelle (Prunella grandiflora), Frühblühender Thymian (Thymus praecox), Gelbe Skabiose (Scabiosa ochroleuca), Dänischer Tragant (Astragalus danicus) und Fransen-Enzian (Gentianella cilata) vor. Weitere bemerkenswerte Arten sind Nadelröschen (Fumana procumbens), Bartgras (Bothriochloa ischaemum) und Wiesen-Kuhschelle (Pulsatilla pratensis). 
Die Bestände des FFH-LRT 6240* Steppen-Trockenrasen (23 ha) werden durch das Auftreten von Pfriemengras (Stipa capillata), Zottiger Fahnenwicke (Oxytropis pilosa), Frühlings-Adonisröschen (Adonis vernalis), Steppen-Wolfsmilch (Euphorbia seguieriana), Schmalblütigem Träubel (Muscari tennuifolium), Feinblättriger Schafgarbe (Achillea setacea), Stengellosem Tragant (Astragalus exscapus), Pferde-Sesel (Seseli hippomarathrum) und Walliser Schwingel (Festuca valesiaca) charakterisiert.
Die Sandthymian-Blauschwingel-Gesellschaft des FFH-LRT 8230 Silikatfelsen mit Pionierrasen (1,5 ha) bzw. die Kelchsteinkraut-Mauerpfeffer-Gesellschaft des FFH-LRT 6110* Kalk-Pionierrasen (ca. 0,5 ha) mit Berg-Steinkraut (Alyssum montanum), Zwerg-Hornkraut (Cerastium pumilum), Gänsesterbe (Erysimum crepidifolium), Blau-Schwingel (Festuca pallens), Kleinem Wiesenknopf (Sanguisorba minor), Zierlichem Schillergras (Koeleria macrantha) und Sichel-Hasenohr (Bupleurum falcatum) besiedeln hingegen die flachgründigeren Saalehangbereiche und Felsformationen.
Auf der Kupferschieferhalde im NSG „Nelbener Grund und Georgsburg“ sowie auf mehreren kleineren Haldenaufschüttungen unweit Dobis sind Schwermetallrasen des FFH-LRT 6130 Schwermetallrasen (0,5 ha) mit Kupferblume (Minuartia verna subsp. hercynia), Galmei-Grasnelke (Armeria maritima subsp. halleri) und Taubenkropf-Leimkraut (Silene vulgaris subsp. humilis) entwickelt.

In den bewaldeten Tälern und Hanglagen des Saaledurchbruchs kommen der FFH-LRT 9170 Labkraut-Eichen-Hainbuchenwald (11 ha) sowie der FFH-LRT 9180* Schlucht- und Hangmischwälder (26 ha) vor. Sie werden zum überwiegenden Teil aus Gemeiner Esche (Fraxinus excelsior), Feld-Ulme (Ulmus minor), Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus), Trauben-Eiche (Quercus petraea) und Winter-Linde (Tilia cordata) aufgebaut. In der Krautschicht siedeln Mittlerer Lerchensporn (Corydalis intermedia), Aronstab (Arum maculatum), Wald-Habichtskraut (Hieracium murorum), Türkenbund-Lilie (Lilium martagon), Gewöhnliches Hexenkraut (Circaea lutetiana), Haselwurz (Asarum europaeum) und Vielblütige Weißwurz (Polygonatum multiflorum).
An einem alten Saalemäander nordwestlich der Ortslage Dobis ist der FFH-LRT 91E0* Weichholzauenwald (3 ha) entwickelt. Der Gehölzbestand wird von Fahl-Weide (Salix x rubens) und Gemeiner Esche (Fraxinus excelsior) dominiert, während in der Krautschicht Hochstauden und Röhrichte siedeln. Östlich der Ortslage Zickeritz befindet sich zwischen der Saale und der L 157 ein Auenwaldrest aus Gemeiner Esche (Fraxinus excelsior) und Feld-Ulme (Ulmus minor), der dem FFH-LRT 91F0 Hartholzauenwald (0,5 ha) zugestellt werden kann.

Fauna

Für die Zauneidechse (Lacerta agilis) bieten die Trocken- bzw. Halbtrockenrasen und Felsfluren gute Lebensbedingungen.
Das Saaletal dient zudem Wechselkröten (Bufo viridis), Knoblauchkröten (Pelobates fuscus) und Moorfröschen (Rana arvalis) als Habitat. Das Altwasser der Saale bei Dobis wird vom Kammmolch (Triturus cristatus) als Laichgewässer genutzt.

Ober- und unterhalb des FFH-Gebietes konnte bei Erfassungen der Fische in der Saale der Bitterling (Rhodeus amarus) nachgewiesen werden (Fangstatistik LHW), so dass diese Kleinfischart mit Sicherheit auch innerhalb des Schutzgebietes vorkommt.

Der Eremit (Osmoderma eremita) ist im Saaledurchbruch bei Rothenburg mit wenigen Vorkommen ansässig. Bemerkenswert ist zudem der Nachweis wärmeliebender Arten an den Trockenhängen des Saaletals, wie z. B. des Zottigen Blumenkäfers (Tropinota hirta).

Literatur: 48, 49, 207, 212, 264, 390, 413, 429, 426

verändert nach:

Jentzsch, M. und Reichhoff, L. (2013): Handbuch der FFH-Gebiete Sachsen-Anhalts. Hrsg. Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt. Halle (Saale). 616 Seiten

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