Ziegelrodaer Buntsandsteinplateau (FFH0136)

Ziegelrodaer Buntsandsteinplateau © Myotis - Büro für LandschaftsökologieZiegelrodaer Buntsandsteinplateau © Myotis - Büro für Landschaftsökologie

Größe [ha]: 2.315
Landkreise und kreisfreie Städte: Saalekreis; Burgenlandkreis
Verwaltungseinheiten: Einheitsgemeinde Stadt Querfurt; Verbandsgemeinde An der Finne; Verbandsgemeinde Unstruttal

Gebietsbeschreibung

Das FFH-Gebiet umfasst wesentliche Teile des geschlossenen Waldgebietes „Ziegelrodaer Forst“. Als Teil des „Helme-Unstrut-Buntsandsteinlandes“ erstreckt es sich zwischen Lodersleben und Wangen. Im Süden und Südwesten fällt das Buntsandsteinplateau markant zur Unstrut ab. Dort bestehen neben natürlichen Steilhängen mit bedeutenden Trockenrasen und Felsfluren senkrechte Felswände, die durch historischen Gesteinsabbau entstanden sind. Ihnen verdankt das Gebiet den bezeichnenden Namen „Steinklöbe“.

Lebensraumtypen und Flora

Die das Gebiet beherrschende Waldgesellschaft ist der FFH-LRT 9130 Waldmeister-Buchenwald (1.150 ha). Die Baumschicht wird von Rotbuche (Fagus sylvatica) und Trauben-Eiche (Quercus petraea) aufgebaut, zu denen Gemeine Esche (Fraxinus excelsior), Hainbuche (Carpinus betulus), Winter-Linde (Tilia cordata), Elsbeere (Sorbus torminalis), Vogel-Kirsche (Prunus avium) und Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus) treten. Im Frühjahrsaspekt dominieren anspruchsvolle Arten wie Echte Sternmiere (Stellaria holostea), Vielblütige Weißwurz (Polygonatum multiflorum), Frühlings-Platterbse (Lathyrus vernus), Aronstab (Arum maculatum), Dunkles Lungenkraut (Pulmonaria obscura) und Haselwurz (Asarum europaeum). Im Sommer bestimmen Gräser wie Verschiedenblättriger Schwingel (Festuca heterophylla), Hain-Rispengras (Poa nemoralis), Wald-Zwenke (Brachypodium sylvaticum), Wald-Knaulgras (Dactylis polygama), Wald-Reitgras (Calamagrostis arundinacea) sowie Nickendes und Einblütiges Perlgras (Melica nutans, M. uniflora) die meist schüttere Bodenvegetation. Von besonderem naturschutzfachlichem Wert sind die arten- und individuenreichen Orchideenvorkommen, von denen die Arten Schwertblättriges und Rotes Waldvöglein (Cephalanthera longifolia, C. rubra), Fuchs´ Knabenkraut (Dactylorhiza fuchsii) sowie Zweiblättrige Waldhyazinthe (Platanthera bifolia) hervorgehoben werden sollen. Regelmäßig sind aber auch die acidophilen Arten Schmalblättrige und Haar-Hainsimse (Luzula luzuloides, L. pilosa) sowie Schattenblümchen (Maianthemum bifolium) anzutreffen. Diese bestimmen dann die Feldschicht im FFH-LRT 9110 Hainsimsen-Buchenwald (39 ha). Weiterhin wachsen hier Schlängel-Schmiele (Deschampsia flexuosa), Pillen-Segge (Carex pilulifera), Dorniger und Gemeiner Wurmfarn sowie Breitblättriger Dornfarn (Dryopteris carthusiana, D. filix-mas, D. dilatata).
Trockenere Standorte besiedelt der FFH-LRT 9170 Labkraut-Eichen-Hainbuchenwald (493 ha) mit Trauben-Eiche (Quercus petraea), Winter-Linde (Tilia cordata) und Hainbuche (Carpinus betulus), zu denen gelegentlich Sommer-Linde (Tilia platyphyllos), Feld-Ahorn (Acer campestre) und Elsbeere (Sobus torminalis) hinzutreten. Die Strauchschicht bilden vor allem Hasel (Corylus avellana), Liguster (Ligustrum vulgare) und Eingriffliger Weißdorn (Crataegus monogyna). Die Zusammensetzung der Feldschicht entspricht weitgehend der des Waldmeister-Buchenwaldes, auch wenn diese deutlich dichter ausgebildet ist. Als licht- und wärmeliebende Arten kommen hier Salomonssiegel (Polygonatum odoratum), Wiesen-Primel (Primula veris), Wald-Labkraut (Galium sylvaticum), Wald-Platterbse (Lathyrus sylvestris), Ebensträußige Margerite (Tanacetum corymbosum) und Schwalbenwurz (Vincetoxicum hirundinaria) vor.
Auf von Grund- oder Stauwasser beeinflussten Standorten siedelt der FFH-LRT 9160 Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwald (251 ha). Seine Baumschicht prägen Stiel-Eiche (Quercus robur), Gemeine Esche (Fraxinus excelsior) und Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus) sowie Hainbuche (Carpinus betulus), Winter-Linde (Tilia cordata) und Feld-Ahorn (Acer campestre). Die Stauchschicht setzt sich u. a. aus Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus), Faulbaum (Frangula alnus) und Seidelbast (Daphne mezereum) zusammen. In der Feldschicht erscheinen Arten frischer bis feuchter Standorte, wie Rasen-Schmiele (Deschampsia cespitosa), Riesen-Schwingel (Festuca gigantea), Zittergras- und Winkel-Segge (Carex brizoides, C. remota). Weiterhin kann auf das Vorkommen von Einbeere (Paris quadrifolia), Großem Springkraut (Impatiens noli-tangere), Wolligem Hahnenfuß (Ranunculus lanuginosus) und Wechselblättrigem Milzkaut (Chrysosplenium alternifolium) verwiesen werden.
In tiefer eingeschnittenen Tälern bestehen Übergänge zum FFH-LRT 9180* Schlucht- und Hangmischwälder (11 ha). Hier dominieren Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus), Gemeine Esche (Fraxinus excelsior), Sommer- und Winter-Linde (Tilia platyphyllos, T. cordata) sowie Hainbuche (Carinus betulus). In der Feldschicht wachsen Christophskraut (Actaea spicata), Türkenbund-Lilie (Lilium martagon) und die Nitrophyten Knoblauchsrauke (Alliaria petioata) sowie Ruprechtskraut (Geranium robertianum).

Die Trockenrasenflächen der Steinklöbe stellen trotz ihrer Kleinflächigkeit wegen ihrer floristischen Ausstattung ein überregional bedeutendes Vorkommen des FFH-LRT 6240* Steppen-Trockenrasen (1 ha) dar. Diese kontinentale Gesellschaft wird durch Haar-Federgras (Stipa pennata), Walliser Schwingel (Festuca valesiaca), Frühlings-Adonisröschen (Adonis vernalis), Stengellosen Tragant (Astragalus excapus), Erd- und Steppen-Segge (Carex humilis, C. supina), Steppen-Lieschgras (Phleum phleoides), Wiesen-Kuhschelle (Pulsatilla pratensis), Goldhaar-Aster (Aster linosyrus), Weißes und Sand-Fingerkraut (Potentilla alba, P. incana) sowie Gänsesterbe (Erysimum crepidifolium) charakterisiert. Daneben sind auch Bestände des FFH-LRT 6210 Kalk-Trockenrasen (*orchideenreiche Bestände) (0,6 ha) anzutreffen, in denen neben Furchen-Schwingel (Festuca rupicola), Kleinem und Pyramiden-Schillergras (Koeleria macrantha, K. pyramidata) auch Stengellose Schwertlilie (Iris aphylla), Astlose Graslilie (Anthericum liliago), Deutscher Alant (Inula germanica) und Ähriger Blauweiderich (Veronica spicata) vorkommen. Floristisch besonders wertvoll sind die Vorkommen von Purpur-Königskerze (Verbascum phoeniceum), Dreizähnigem Knabenkraut (Orchis tridentata) sowie Pyramiden-Spitzorchis (Anacamptis pyramidalis). Die letztgenannte Art hat hier ihren letzten Fundpunkt in ganz Sachsen-Anhalt.
Auf Durchragungen des Rogensteins sowie mosaikartig verzahnt mit den Trockenrasen erscheint der FFH-LRT 6110* Kalk-Pionierrasen (0,3 ha). Ihn kennzeichnen die Vorkommen von Wimper-Perlgras (Melica ciliata), Berg-Lauch (Allium senscens), Kelch-Steinkraut (Alyssum alyssoides), Dunklem Zwerg-Hornkaut (Cerastium pumilum), Badener Rispengras (Poa badensis), Finger-Steinbrech (Saxifraga tridactylites) und Scharfem Mauerpfeffer (Sedum acre). In den historischen Steinbrüchen treten Blau-Schwingel (Festuca pallens), Siebenbürgener Perlgras (Melica transsilvanica), Gewöhnlicher Steinquendel (Acinos arvensis), Astlose Graslilie (Anthericum liliagao), Scharfer Mauerpfeffer und Felsen-Fetthenne (Sedum acre, S. rupestre), Frühlings-Spark (Spergula morisonii) und Frühblühender Thymian (Thymus praecox) auf.

Der FFH-LRT 3150 Eutrophe Seen (3 ha) umfasst einige künstliche Gewässer. Hier haben sich Kleine und Dreifurchige Wasserlinse (Lemna minor, L. trisulca), Schwimmendes Laichkraut (Potamogeton natans), Gemeines Hornblatt (Ceratophyllum demersum) und Südlicher Wasserschlauch (Utricularia australis) angesiedelt.

Auf frischen, tiefgründigen Standorten tritt der FFH-LRT 6510 Magere Flachland-Mähwiesen (1 ha) auf. Die Glatthafer-Wiesen sind artenreich und weisen u. a. Vorkommen von Kümmel-Silge (Selinum carvifolium), Fuchs´ Knabenkraut (Dactylorhiza fuchsii), Heil-Ziest (Betonica officinalis), Natternzunge (Ophioglossum vulgatum), Kleinem Klappertopf (Rhinanthus minor) und Langblättrigem Waldvöglein (Cephalanthera longifolia) auf. Den FFH-LRT 6430 Feuchte Hochstaudenfluren (3 ha) charakterisieren Arten wie Wasserdost (Eupatorium cannabinum), Giersch (Aegopodium podagraria), Taumel-Kälberkropf (Chaerophyllum temulum), Sumpf-Storchschnabel (Geranium palustre) und Nesselblättrige Glockenblume (Campanula trachelium) vertreten.

Fauna

Im Gebiet kommt die Wildkatze (Felis silvestris) vor. Es konnten aktuelle Reproduktionsnachweise erbracht werden.
Die naturnahen Laubwälder bieten sehr gute Lebensbedingungen für eine artenreiche Fledermausfauna. Neben Mops- und Bechsteinfledermaus (Barbastella barbastellus, Myotis bechsteinii), die im Gebiet reproduzieren, sind auch einzelne Nachweise des Großen Mausohrs (Myotis myotis) und, zumindest aus dem direkten Umfeld, der Kleinen Hufeisennase (Rhinolophus hipposideros) bekannt. Wochenstubenfunde existieren zudem von Brandt- (Myotis brandtii) und Rauhautfledermaus (Pipistrellus nathusii). Für Großen und Kleinabendsegler (Nyctalus noctula, N. leisleri), Mücken- (Pipistrellus pygmaeus) und Wasserfedermaus (Myotis daubentonii) sowie die Nymphenfledermaus (Myotios alcathoe) deuten die aktuell vorliegenden Nachweise ebenfalls auf das Vorhandensein von Reproduktionsquartieren innerhalb des Gebietes hin. Für Zwerg- (Pipistrellus pipistrellus), Bart- und Fransenfledermaus (Myotis mystacinus, M. nattereri) sowie Breitflügelfledermaus (Eptesicus serotinus) und Graues Langohr (Plecotus austriacus) stellt das Gebiet einen wichtigen Jagdlebensraum dar.

In den Trockenrasen- und Buschwaldkomplexen der Steilhänge des Unstruttales lebt die Zauneidechse (Lacerta agilis). Auch die Schlingnatter (Coronella austriaca) ist hier vertreten.

Zahlreiche, z. T. auch temporäre Standgewässer bieten Amphibien, wie Kammmolch (Triturus cristatus), Moorfrosch (Rana arvalis), Kleinem Wasserfrosch (Rana lessonae) und Laubfrosch (Hyla arborea), gute Laichmöglichkeiten. Die Population des Springfrosches (Rana dalmatina) ist von landesweiter Bedeutung. Im Ziegelrodaer Forst besteht die höchste Fundortdichte in ganz Sachsen-Anhalt.

Die Große Moosjungfer (Leucorrhinia pectoralis) hat in einer aufgelassenen Tongrube nordöstlich von Ziegelroda ein bedeutendes Vorkommen. Im Jahre 2011 wurden über zehn revierbesetzende Männchen festgestellt. Exuvienfunde belegen die erfolgreiche Reproduktion (J. Huth, mdl. Mitt. 2012). Das Vorkommen ist bereits seit dem Jahr 2000 bekannt. Die Population des Wald-Wiesenvögelchen (Coenonympha hero) existiert nicht mehr. Die Art gilt inzwischen auch für ganz Sachsen-Anhalt als ausgestorben. Für den Hirschkäfer (Lucanus cervus) sind die Alteichen-Bestände der Steinklöbe und des Mittelberges von besonderer Bedeutung. Der Eremit (Osmoderma eremita) wurde erstmals bei Erfassungsarbeiten im Jahre 2006 festgestellt.

Literatur: 30, 207, 212, 264, 270, 289, 353, 361, 401, 405, 453

verändert nach:

Jentzsch, M. und Reichhoff, L. (2013): Handbuch der FFH-Gebiete Sachsen-Anhalts. Hrsg. Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt. Halle (Saale). 616 Seiten

Links / Dokumente

Den Standarddatenbogen und die Meldekarte finden Sie auf der Internetseite des Landesamtes für Umweltschutz.

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