Purpurreiher (Ardea purpurea)

Purpurreiher im Feuchtgebiet Frose © Uwe NielitzPurpurreiher im Feuchtgebiet Frose © Uwe Nielitz

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Purpurreihers erstreckt sich von Südwest- über Süd- und Südosteuropa bis Südostasien. Im zentralen und westlichen Mitteleuropa sind meist nur vorübergehende Ansiedlungen beobachtet wurden (GLUTZ VON BLOTZHEIM ET AL. 1989). Auch der Nordwesten Afrikas, südlich der Sahara, wird von dem 78 – 90 cm großen Vogel besiedelt. In Ungarn ist der Purpurreiher ein häufiger Brutvogel, der etwas zarter und schlanker wirkt als der verwandte Fischreiher.

In Deutschland wird nur der Süden (Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayer) dauerhaft besiedelt. Im Nordosten Deutschlands ist der Purpurreiher dagegen  nur selten anzutreffen. Sachsen-Anhalt liegt außerhalb des dauerhaft besiedelten Brutgebietes, wobei zur Zugzeit einzelne Vögel in geeigneten Habitaten durchaus beobachtet werden können. Vereinzelte Bruten konnten in den vergangenen Jahrzehnten auch in Sachsen-Anhalt nachgewiesen werden. Im Jahr 1995 konnte im Raum Köthen ein Brutpaar beobachtet werden (WEBER ET AL. 2003).

Ökologie und Zugstrategie

Der Purpurreiher ist ein Bewohner ausgedehnter Schilf- und Röhrdickichte (GLUTZ VON BLOTZHEIM ET AL. 1989). Diese werden nicht nur zur Brutzeit sondern auch während des Zuges und im Winterquartier aufgesucht. Mit den kürzeren Laufen und den auffallend langen Zehen ist diese Reiher-Art perfekt an das Leben im Röhricht angepasst. Purpurreiher brüten bevorzugt in Kolonien, selten auch einzeln (GLUTZ VON BLOTZHEIM ET AL. 1989). Der Nistplatz wird durch das Männchen bestimmt. Meist befindet sich der Neststand über dem Wasser auf umgebrochenem, vorjährigem Schilf oder niedrigem Weidengebüsch (GLUTZ VON BLOTZHEIM ET AL. 1989).

Der Purpurreiher ist ein Langstreckenzieher, der in den Steppengebieten West-, Ost- und Südafrikas überwintert. In sehr milden Wintern zieht der Reiher auch nur nach Süd- und Südosteuropa sowie Südfrankreich und Ungarn und überwintert dort (GLUTZ VON BLOTZHEIM ET AL. 1989). In Mitteluropa erfolgt die Ankunft im Brutgebiet von Ende März bis Ende Mai, der Wegzug von August bis Oktober (GLUTZ VON BLOTZHEIM ET AL. 1989).

Bestandsentwicklung

Die globale Population umfasst zwischen 270.000 und 570.000 Individuen (BIRDLIFE INTERNATIONAL 2012). Die Gesamtpopulation zeigt einen abnehmenden Trend, auch wenn einige Populationen stabil sind und andere Bestände aufgrund der methodischen Schwierigkeit und lückenhaften Untersuchung unbekannte Entwicklungen aufweisen (BIRDLIFE INTERNATIONAL 2012). Vor dem Hintergrund der positiven Bestandsentwicklung in Süddeutschland ist jedoch auch in Sachsen-Anhalt mit einem verstärkten Auftreten dieser Art zu rechnen.

Gefährdung und Schutz

Am Brutplatz ist der Purpurreiher vor allem durch seine große Empfindlichkeit gegenüber Störungen gefährdet. Außerdem führt ein Absenken des Wasserspiegels zum Verlust von Brutplätzen. Auch die Eutrophierung der Gewässer und die daraus resultierende Algenblüte gefährden den Reiher enorm und erschweren die Nahrungssuche. In Manchen Teilen seines Verbreitungsgebietes ist der Purpurreiher auch noch durch Abschuss bedroht.

Der Schutz des Purpurreihers ist unmittelbar mit dem Schutz seiner Habitate verbunden. So sind vor allem Feuchtgebiete vor weiteren Beeinträchtigungen und Zerstörungen zu schützen. Auch die Neuschaffung von Brutgebieten mit störungsfreien Flachwasser- und Röhrichtzonen an Seen sind wichtige Maßnahmen zum Schutz dieser bedrohten Art. Ein wichtiger Aspekt ist auch der Schutz verbliebener Feuchtgebiete in den Überwinterungsgebieten der Steppen Afrikas.

Rote Liste Deutschland:                    

Rote Liste Sachsen-Anhalt:              

Quellen:

BIRDLIFE INTERNATIONAL (2012): Ardea purpurea. The IUCN Red List of Threatened Species 2012: e.T22697031A40297602. http://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2012-1.RLTS.T22697031A40297602.en. Downloaded on 11 April 2016.

GLUTZ VON BLOTZHEIM, U. N., BAUER, K. M. & BEZZEL, E. (1989): Handbuch der Vögel Mitteleuropas. 1. Bd. Gaviiformes – Phoenicopteriformes (2. Teil). – 2. durchges. Aufl. – Wiesbaden: Aula Verlag.

WEBER, M., MAMMEN, U., DORNBUSCH, G., GEDEON, K. (2003): Die Vogelarten nach Anhang I der Europäischen Vogelschutzrichtlinie im Land Sachsen-Anhalt. Naturschutz im Land Sachsen-Anhalt, 40. Jahrgang 2003, Sonderheft.

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