Seggenrohrsänger (Acrocephalus paludicola)

Seggenrohrsänger © Erni/ShutterstockSeggenrohrsänger © Erni/Shutterstock

Verbreitung

Das heutige Brutgebiet des Seggenrohrsängers besteht aus mehreren kleinen und voneinander isolierten Vorkommen. Diese befinden sich in Ungarn, Polen, Litauen, Lettland, Weißrussland, Russland, der Ukraine und in Deutschland an der Oder. Früher war das Verbreitungsgebiet wesentlich größer und zusammenhängender. Brutvorkommen, in denen der Seggenrohrsänger heute ausgestorben ist, befanden sich in unter anderem in Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Österreich, Italien, Tschechien, der Slowakei sowie dem ehemaligen Jugoslawien (AQUATIC WARBLER CONSERVATION TEAM 2015a). In Sachsen-Anhalt ist er heute nur noch als seltener Rastvogel zu finden, so zum Beispiel am Helmestausee (MAMMEN et al. 2013).

Ökologie und Zugstrategie

Die Brutgebiete sind weite, strukturarme, nasse oder überflutete Flächen. Sie sind bestanden mit nicht zu breitblättrigen Gräsern. Die Vegetationsdichte in über einem halben Meter Höhe ist gering, die Vegetationsstruktur idealerweise bultig. Einige wenige Strukturen, die als Singwarte geeignet sind, ragen aus der Umgebung heraus. Diese Bedingungen sind am ehesten in Großseggenwiesen zu finde. Es werden jedoch auch sehr extensiv genutzte Weiden besiedelt. Das Männchen beteiligt sich nicht an der Brut oder Aufzucht der Junge. Darum muss der Brutlebensraum sehr reich an Insekten und Spinnen sein, damit das Weibchen die Versorgung allein übernehmen kann (GLUTZ VON BLOTZHEIM & BAUER 1991). Die Winterquartiere des Seggenrohrsängers liegen südlich der Sahara, beispielsweise im Delta des Senegal. Die Ankunft in den europäischen Brutgebieten findet ab Mai statt, der Zug in die Winterquartiere fängt frühestens im Juli an (AQUATIC WARBLER CONSERVATION TEAM 2015b).

Bestandsentwicklung

Der Weltbestand wird auf 22.000 bis 32.000 Individuen geschätzt. Aufgrund des rapiden Bestandseinbruchs der sich seit Beginn des 20. Jahrhunderts beobachten lässt, wird er in der globalen Roten Liste als gefährdet („vulnerable“) geführt (BIRDLIFE INTERNATIONAL 2013).

Gefährdung und Schutz

Die Ursache für den rapiden Rückgang ist Verlust der Lebensräume durch Entwässerung und Eindeichung, von dem der Seggenrohrsänger aufgrund seiner ausgeprägten Spezialisierung besonders stark betroffen ist. Ebenso bedeutend ist die Aufgabe einer extensiven Landnutzung, da durch Verbuschung der Lebensraum für den Seggenrohrsänger schnell ungeeignet wird (AQUATIC WARBLER CONSERVATION TEAM 2015a). In den wenigen Vorkommensgebieten, in denen der Bestand noch stabil ist, ist der Seggenrohrsänger stark von Naturschutzmaßnahmen abhängig (BIRDLIFE INTERNATIONAL 2013).

 

Rote Liste Deutschland:                    1 – Vom Aussterben bedroht (Stand 2007)

Rote Liste Sachsen-Anhalt:               0 – Ausgestorben oder verschollen (Stand 2004)

Quellen:

AQUATIC WARBLER CONSERVATION TEAM (2015a): Aquatic Warbler Conservation Team, Situation and Range, http://www.aquaticwarbler.net/sar/index.html, zuletzt abgerufen am 26.10.2015.

AQUATIC WARBLER CONSERVATION TEAM (2015b): Aquatic Warbler Conservation Team, The Aquatic Warbler, http://www.aquaticwarbler.net/taw/index.html, zuletzt abgerufen am 26.10.2015.

BIRDLIFE INTERNATIONAL (2013): BirdLife International. 2013. Acrocephalus paludicola. The IUCN Red List of Threatened Species 2013: e.T22714696A48249665. http://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2013-2.RLTS.T22714696A48249665.en . Downloaded on 11 November 2015.

GLUTZ VON BLOTZHEIM, U. N.; BAUER, K. M. (1991): Handbuch der Vögel Mitteleuropas. – 12/I Passeriformes (3. Teil) Sylviidae. – Wiesbaden: Aula Verl.

MAMMEN, K. & U.; DORNBUSCH, G.; FISCHER, S. (2013): Die Europäischen Vogelschutzgebiete des Landes Sachsen-Anhalt, Berichte des Landesamtes für Umweltschutz Sachsen-Anhalt, Heft 10/2013.

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