Sumpfohreule (Asio flammeus)

Sumpfohreule © hstiver/Fotolia.comSumpfohreule © hstiver/Fotolia.com

Verbreitung

Die Sumpfohreule ist in neun Unterarten über weite Teile Eurasiens sowie Nord-, Mittel- und Südamerikas verbreitet und besiedelt außerdem die Galapagos- und Falklandinseln sowie Hawaii. In der Holarktis erstreckt sich das Areal von der Waldtundra bis in die Waldsteppen- und Steppenbereiche sowie in die gemäßigte Zone. Die schätzungsweise 23.000-126.000 BP umfassende europäische Population befindet sich hauptsächlich in Russland, Skandinavien, Weißrussland und Großbritannien. In Mittel- und Osteuropa ist die Eule nur lückenhaft verbreitet und brütet sehr unregelmäßig (GLUE & KORPIMÄKI in HAGEMEIJER & BLAIR 1997, GLUTZ VON BLOTZHEIM & BAUER 1994). In Deutschland befinden sich die Brutvorkommen hauptsächlich im Bereich der Nordseeküste (RHEINWALD 1993). Schwerpunktmäßig werden gegenwärtig die ostfriesischen Inseln Niedersachsens besiedelt (MÄDLOW & MODEL 2000). Die im Binnenland verstreuten Vorkommen sind meist nur bei gutem Nahrungsangebot z.B. an Feldmäusen besetzt (RHEINWALD 1993). Dies trifft auch für die Verbreitung in Sachsen-Anhalt zu, wo das Feldmaus-Gradationsjahr 1978 zu mehreren Brutnachweisen führte (NICOLAI 1993a). Das Gradationsjahr 1998 erbrachte einen neuerlichen Brutnachweis im Saalkreis (KLAMMER in GEORGE & WADEWITZ 1999). Aus den 1990er Jahren liegen nur einzelne Revier- und Brutzeitbeobachtungen aus dem Drömling (SEELIG et al. 1996) sowie aus den LK Stendal (BRAUN in GEORGE & WADEWITZ 1999), Jerichower Land (BICH in litt.) und Wittenberg (PATZAK, WEIS in GNIELKA & ZAUMSEIL 1997) vor.

Ökologie und Zugstrategie

Die Sumpfohreule brütet am Boden, jagt im offenen, niedrig bewachsenen Gelände und sucht gedeckte Einstände in Kraut- und Staudenfluren auf. Sie bevorzugt Tundren, Moore, Verlandungsbereiche, vernässtes Grünland, Dünen, Brachland und vergraste Kahlschläge. Bei hohem Nahrungsangebot werden auch ungewöhnliche Habitatstrukturen wie Getreideschläge, industrienahe Ruderalflächen und lichte Wälder zum Brüten ausgewählt (GLUTZ VON BLOTZHEIM & BAUER 1994). Die Eulenart ist Kurz- bis Langstreckenzieher, die ihre nördlichen Arealbereiche im Herbst verlässt. Die Überwinterungsgebiete liegen in der gemäßigten und Steppenzone, sie erstrecken sich von Großbritannien über den Mittelmeerraum ostwärts bis Südost-Asien und südwärts bis in die Sahelzone Afrikas. In den Winterquartieren finden Nahrungswanderungen statt (BEZZEL 1985).

Bestandsentwicklung

Die Vorkommen im Binnenland sind extremen Schwankungen unterworfen, da überwinternde bzw. durchziehende Eulen nur durch Kleinsäugergradationen zu kurzfristigen Brutansiedlungen veranlasst werden. Spätestens seit den 1920er Jahren, wahrscheinlich aber schon seit dem 19. Jahrhundert, haben die Bestände besonders im mitteleuropäischen Binnenland drastisch abgenommen und sind regional vollständig erloschen. Gegenwärtig werden in Gradationsjahren nur noch vereinzelt Bruten beobachtet. Seit den 1970er Jahren sind auch die Bestände in Russland und in den mitteleuropäischen Küstenregionen um mehr als 50 % zurückgegangen (BAUER & BERTHOLD 1997, GLUE & KORPIMÄKI in HAGEMEIJER & BLAIR 1997). Im deutschen Wattenmeer wurden zwischen 1991 und 1997 noch 35 bis 65 BP gezählt (SÜDBECK & HÄLTERLEIN 1999 zit. in MÄDLOW & MODEL 2000). In Sachsen-Anhalt ist die Sumpfohreule ein sehr seltener und unsteter Brutvogel mit abnehmendem Bestandstrend (DORNBUSCH 1999).

Gefährdung und Schutz

Die starken Rückgänge der Sumpfohreulenbestände erklären sich durch den Verlust geeigneter Lebensräume. Entwässerungen, Gewässerausbau, Flussbegradierungen, Torfabbau, Grünlandumbruch und Aufforstungen vernichten die Bruthabitate der Eulenart. Das Ausbleiben und die Reduktion von Kleinsäugergradationen durch die Mechanisierung und Intensivierung der Landwirtschaft verringern die Nahrungsgrundlage. Die Folgen früher Mahdtermine und einer schnellen, maschinellen Durchführung der Mahd sind hohe Verluste an Gelegen, Jungvögeln und adulten Weibchen. Gefahren drohen auch durch Störungen an den Brutplätzen, direkte Verfolgung und Biozideinsatz (BAUER & BERTHOLD 1997, BAUER & THIELKE 1982, HÖLZINGER 1987, TUCKER & HEATH 1994). Die Brut- und Nahrungshabitate wie naturnahe Auen, Flussniederungen, Moore und Feuchtwiesen müssen unter Schutz gestellt bzw. durch extensive Bewirtschaftung erhalten werden. Auch die Renaturierung und Wiedervernässung ehemaliger Feuchtgebiete und die Verringerung des Düngemittel- und Rodentizideinsatzes sind anzustreben (BAUER & BERTHOLD 1997, BAUER & THIELKE 1982).

 

Rote Liste Deutschland:                    1 – Vom Aussterben bedroht (Stand 2007)

Rote Liste Sachsen-Anhalt:               2 – Stark gefährdet (Stand 2004)

Literatur

entnommen aus:

Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt (2003): Naturschutz im Land Sachsen-Anhalt - Die Vogelarten nach Anhang I der Europäischen Vogelschutzrichtlinie im Land Sachsen-Anhalt. Halle (Saale). 223 S.

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