Zeitzer Forst (SPA0031)

Größe [ha]:1.718
Landkreise und kreisfreie Städte:Burgenlandkreis
Verwaltungseinheiten: Verbandsgemeinde Droyßiger-Zeitzer Forst

Gebietsbeschreibung

Südwestlich von Zeitz liegt das EU SPA Zeitzer Forst. Das 1.718 ha große Gebiet befindet sich zwischen den Ortschaften Wetterzeube, Breitenbach, Lonzig und Nickelsdorf. Im Süden und Westen verläuft die Gebietsgrenze entlang der Landesgrenze zum Freistaat Thüringen.

Das EU SPA wurde im Jahr 2003 per Kabinettsbeschluss als Vogelschutzgebiet gemeldet, flächengleich mit dem gleichnamigen FFH-Gebiet. Es liegt vollständig innerhalb des LSG Aga-Elster-Tal und Zeitzer Forst und, bis auf den aktiven Truppenübungsplatz, auch innerhalb des Naturparkes Saale-Unstrut-Triasland. Südlich der Landesgrenze schließt sich in Thüringen das EU SPA Zeitzer Forst (DE 5038 420) mit einer Größe von 397 ha an.

Naturräumlich gehört das Gebiet überwiegend zur Saale-Elster-Sandsteinplatte, im Osten erfolgt der Übergang zum Altenburg-Zeitzer Lössgebiet. Es ist der Landschaftseinheit Zeitzer Buntsandsteinplateau zugeordnet und befindet sich am Rande des mitteldeutschen Trockengebietes. Mit einem jährlichen Niederschlag von 575 mm ist die Region relativ niederschlagsarm.

Der Zeitzer Forst ist das größte zusammenhängende Waldgebiet im südlichen Burgenlandkreis. Es wird durch das Rauschebachtal, den Kupferborn und den Forstgraben morphologisch gegliedert. Bis zu Beginn des 17. Jahrhunderts war der „Zeitzer Forst“ von Buchenwäldern bedeckt, in denen die Weißtanne eine vorherrschende Baumart war. Ab 1800 wurden die artenreichen Bestände durch wirtschaftlichere Nadelhölzer ersetzt. Um 1900 lag der Nadelholzanteil bei ca. 80 %, das früher abwechslungsreiche Waldbild bot einen uniformen und düsteren Anblick (UNRUH 2010a). Die militärische Nutzung des Gebietes lässt sich bis ins Jahr 1939 zurückverfolgen. Von 1950 bis 1989 wurde der Zeitzer Forst durch die Sowjetarmee als militärischer Schieß- und Übungsplatz für Panzer, Artillerie, Pioniere und später auch für die Flugabwehr genutzt (UNRUH 2010b). Nach dem Abzug der sowjetischen Truppen übernahm die Bundeswehr das Gelände, das auf verringerter Fläche als Standortübungsplatz v. a. durch das in Gera stationierte Panzerpionierbataillon genutzt wird. Der als Militärischer Sicherheitsbereich abgegrenzte Übungsplatz der Bundeswehr darf wegen des Übungsbetriebes und noch vorhandener Munitionsbelastung nicht betreten werden.

Das Gebiet ist überwiegend bewaldet. Die Wälder befinden sich größtenteils unter Bundesforstverwaltung. Neben Nadel- und Mischwaldkomplexen dominieren im Nordwesten Hainsimsen-Rotbuchenwälder und im Südwesten Waldlabkraut-Eichen-Hainbuchenwälder. Auf den staunassen Plateaustandorten kommen pfeifengrasreiche Honiggras-Eichenwälder vor. Entlang von Bachtälern finden sich kleinflächige Winkelseggen- Eschenwälder. An einigen Flachmoorbereichen vereinzelter Weiher stehen verarmte Walzenseggen-Erlenbrüche (PSCHORN 2008b). Größere Offenlandflächen gibt es nur im Bereich des militärischen Übungsgeländes, das durch Landreitgras-Gesellschaften und kleinflächige Ginster-Heidekraut-Heiden charakterisiert ist. Durch fortschreitende Sukzession kommt es jedoch zunehmend zu Birkenaufwuchs, der die Offenlandgesellschaften verdrängt. Westlich und nordwestlich des Waldgebietes befinden sich entlang der Weißen Elster auch größere Grünlandflächen mit Baumreihen und kleineren Wäldchen. Im Norden und Osten sind auch kleinere Acker- und Wiesenfl­ächen sowie Streuobstwiesen in das EU SPA integriert, die direkt an den Wald angrenzen.

Im Zuge der langjährigen Nutzung als militärischer Übungsplatz, aber auch durch großflächige und tiefgehende Munitionsräumungen nach 1994, entstanden ökologisch wertvolle Nischen für Fauna und Flora (UNRUH 2010b). Typische Arten für diese Offenlandbereiche sind z. B. Landreitgras, Ginster und verschiedene Heidearten. Durch eine fortlaufende militärische Nutzung werden einige dieser Bereiche auch weiterhin offen gehalten. Im Mittelteil des EU SPA gibt es daher auch noch offene Sandbodenflächen. Im Südosten des Gebietes befinden sich kleine angestaute Teiche. Daneben finden sich v. a. im militärisch genutzten Offenland, aber teils auch, im Norden des Gebietes, Tümpel, Weiher und Staunässebereiche (PSCHORN 2008b). Im Südwesten gibt es außerdem Reste eines kleinen Niedermoores, welches sich durch das Vorkommen von Grauseggen und Hundsstraußgras auszeichnet. In der Elsteraue sind noch Elemente der ursprünglichen Weichholzaue zu finden, vor allem Pappeln und Weiden.

Bedeutung als Vogelschutzgebiet

Aufgrund der reich strukturierten Landschaft weist das EU SPA Zeitzer Forst nicht nur günstige Lebensräume für typische Waldarten, insbesondere für Spechte, auf, sondern auch für Arten des Offen- und Halboffenlandes. Gemessen am Landesbestand und im Vergleich zu anderen EU SPA hat es keine überregionale Bedeutung für einzelne Vogelarten, stellt jedoch mit seinen ausgedehnten Wald- und Offenlandhabitaten einen wichtigen Lebensraum für verschiedene Arten im Süden Sachsen-Anhalts dar.

Für das Gebiet sind keine landesweit bedeutenden Rastvogelbestände bekannt.

Brutvögel

Das EU SPA bietet einen geeigneten Lebensraum für den Schwarzstorch. Die letzte bekannte Brut fand im Jahr 2003 statt (PSCHORN 2008b, Staatliche Vogelschutzwarte). Mit fünf nachgewiesenen Revieren des Schwarzspechts sind alle potenziellen Habitate besiedelt. Weiterhin kommen Grauspecht und Mittelspecht vor. Ein regelmäßiger, wenn auch seltener Brutvogel, ist der Wespenbussard.

Die Offenlandbereiche mit ihren Gebüschbeständen werden in relativ hoher Dichte von Neuntöter, Sperbergrasmücke und Grauammer bewohnt. Auch weitere typische Arten wie Braunkehlchen, Schwarzkehlchen und Wiesenpieper kommen mit mehreren Paaren vor. Vom Wendehals konnten im Jahr 2007 fünf Reviere erfasst werden, wobei sowohl lichte, aufgelockerte Birkenbestände als auch strukturreiche Waldränder besiedelt wurden (PSCHORN 2008b).

Jeweils ein Nachweis wurde für den Ortolan im Jahr 2001 sowie für den Raubwürger im Jahr 2005 verzeichnet (PSCHORN 2008b). Aktuellere Nachweise dieser beiden Arten existieren nicht. Im angrenzenden Thüringer Teil des Zeitzer Forstes kommen sporadisch Sperlingskauz und Raufußkauz vor (WIESNER et al. 2008).

Links / Dokumente

Hauptteil der N2000-LVO LSA

Gebietsbezogene Anlage (N2000-LVO)

Den Standarddatenbogen und die Meldekarte finden Sie auf der Internetseite des Landesamtes für Umweltschutz.

zum Anfang der Seite