Vogelschutzgebiet Altengrabower Heide (SPA0014)

Größe [ha]:3.742
Landkreise und kreisfreie Städte:Jerichower Land
Verwaltungseinheiten: Einheitsgemeinde Stadt Möckern

Gebietsbeschreibung

Die Altengrabower Heide befindet sich 30 km östlich der Landeshauptstadt Magdeburg im Landkreis Jerichower Land. Das EU SPA umfasst den zentralen Teil eines auch heute noch militärisch genutzten länderübergreifenden Truppenübungsplatzes, der sich überwiegend in Sachsen-Anhalt befindet und nach Brandenburg fortsetzt. In beiden Bundesländern sind die jeweiligen Anteile der Altengrabower Heide als EU SPA ausgewiesen. Der Truppenübungsplatz wurde bereits 1885 in Betrieb genommen und nachfolgend fast ununterbrochen als Übungsplatz und Truppenlager, zeitweise auch als Lager für Kriegsgefangene oder Zwangsarbeiter genutzt. 1946 wurde das Lager Altengrabow zur sowjetischen Garnison von Artillerie, Infanterie und Flugabwehr. Nach dem Abzug der russischen Streitkräfte wurde der Platz 1994/95 von der Bundeswehr übernommen und entsprechend den aktuellen Anforderungen umgebaut. Die Beräumung von Altlasten und Munitionsresten ging unter anderem mit einem Abtrag des Bodens und Befahren mit schweren Maschinen einher. Aktuell wird der Truppenübungsplatz hauptsächlich als Schießbahn genutzt (streitkraeftebasis.de - Datenblatt TrÜbPl Altengrabow).

Der Ort Altengrabow und die ehemalig sowie aktuell genutzten militärischen Gebäude begrenzen das EU SPA im Nordwesten und Norden. Die Ostgrenze entspricht der Landesgrenze zu Brandenburg. Im Süden verläuft die Gebietsgrenze nördlich der Ortschaft Schweinitzer Hütten. Hier grenzen überwiegend kieferngeprägte Waldbereiche an, die nicht Bestandteil des SPA sind. Im Südwesten ist die Grenze des SPA mit der des TÜP identisch. Im westlichen Teil des Gebietes finden sich halboffene und offene Bereiche, bei denen es sich überwiegend um Schießbahnen handelt (KATTHÖVER 2005a). Lübars, der in westliche Richtung nächstgelegene Ort, befindet sich ca. 3 km entfernt.

Das EU SPA Altengrabower Heide wurde im Jahr 2000 als Vogelschutzgebiet ausgewiesen und 2003 flächenmäßig vergrößert. Es umfasst das FFH-Gebiet Altengrabower Heide, das ca. drei Viertel der Fläche des EU SPA einnimmt. Im Vorfläming gelegen, sind die Böden der Altengrabower Heide hauptsächlich glazial und periglazial geprägt. Teilweise finden sich in Bachtälern und Stauungsgebieten grundwasserbeeinflusste sowie anmoorige Böden.

Das EU SPA ist gekennzeichnet durch einen Wechsel von Offenland, Zwergstrauchheiden und naturnahen Laubwäldern, teilweise durchsetzt mit kleinen Bachtälern. Im Südwesten befindet sich ein kurzrasig gehaltener Feldflugplatz. Der Süden wird von forstlich genutzten Flächen geprägt. In das SPA ist die sich östlich anschließende, von kurzgemulchten Sandheiden geprägte Schießbahn 6 (Infanterieschießbahn) einbezogen. An den Rändern finden sich Kiefern-Ersatzgesellschaften sowie Kiefern- und Birken-Sukzessionsbestände. Die östlich angrenzenden Waldflächen bestehen auf etwa 140 ha Fläche aus 100-170 Jahre alten Eichen. Nördlich davon schließt sich ein Kiefern-Birken-Wald an, der von den militärisch genutzten Offenlandbereichen durch Zwergstrauchheiden abgegrenzt wird. Die angrenzenden Freiflächen wurden 2002 auf 400-500 ha durch kontrollierte Brände von einem lichten, von Birken geprägten Sukzessionswald wieder in ein Brand-Initialstadium zurück versetzt, was auch eine Verjüngung der Besenheide zur Folge hatte (KATTHÖVER 2005a). Nördlich schließt sich der zentrale Einschussbereich des Schießplatzes an, der von Einzelgehölzen, Besenheide und Besenginster auf zumeist vergrasten Flächen geprägt wird, in denen immer wieder kleine Brandflächen eingestreut sind. Durch natürliche Sukzession, sind vor allem die weniger intensiv genutzten Offenlandbereiche bedroht, die besonders für Arten der offenen Trockenstandorte, wie Ziegenmelker oder Brachpieper, einen wichtigen Lebensraum darstellen. Neben den dominierenden trockenen, sandigen Standorten sind im EU SPA auch Feuchthabitate vorhanden. Mit dem das Gebiet durchfließenden Gloinebach einhergehend ist in der Niederung ein Sumpf- und Schilfbestand mit typischen Ufer- und Quellgesellschaften ausgebildet (KATTHÖVER 2005a). Auch bruchwaldtypische Gehölzarten, wie Schwarzerlen, Weiden und Aspen, sind dort anzutreffen. Im Norden befindet sich ein Durchströmungsmoor, an das sich der Zimmermannsteich anschließt.

Bedeutung als Vogelschutzgebiet

Durch die ehemalige militärische Nutzung sowie die heutige Nutzung als Schießplatz sind in der Altengrabower Heide unterschiedliche Biotopstrukturen und Sukzessionsstadien entstanden. Das Gebiet stellt daher ein wichtiges Brutgebiet für Offenlandarten dar und bietet zahlreichen Arten einen Lebensraum. Kleinere Feuchtgebiete bereichern das ansonsten durch Trockenstandorte dominierte Gebiet.

Für das EU SPA sind keine landesweit bedeutenden Rastvogelbestände bekannt.

Brutvögel

Im Rahmen der systematischen Ersterfassung erfolgte in den Jahren 2003 und 2004 eine Kartierung der wertgebenden Vogelarten (KATTHÖVER 2005a). Die Ergebnisse sind in Tab. 43 zusammengefasst. Für das Tüpfelsumpfhuhn wurden Daten aus FISCHER & DORNBUSCH (2004) hinzugezogen. Charakterarten der Altengrabower Heide sind Ziegenmelker, Neuntöter und Heidelerche. Nahezu im gesamten EU SPA verbreitet und die häufigste der wertgebenden Arten ist der Neuntöter. Er fehlt nur in den geschlossenen Waldbereichen. Fast ebenso weit verbreitet ist die Heidelerche. Der Ziegenmelker bevorzugt die mit Kiefern und Birken bestandenen Halboffenlandschaften mit Sandheide und Besenginster. Besonders gut strukturierte Bereiche des EU SPA mit Dornsträuchern werden von der Sperbergrasmücke bewohnt. Für Heidelerche und Sperbergrasmücke stellt das Gebiet eines der Top-5-Gebiete Sachsen-Anhalts dar. Der Ziegenmelker verfehlte das Top-5-Gebiet hier nur mit wenigen Paaren. Seltenere Arten sind Ortolan, Brachpieper und Wiedehopf. Für den Brachpieper zählte das Gebiet zum Zeitpunkt der Ersterfassung noch zu den Top-5-Gebieten des Landes. Aktuell konnten im Rahmen einer landesweiten Erfassung der Art keine Brachpieper mehr im Gebiet nachgewiesen werden (SCHULZE & SCHÄFER 2012). In den Waldgebieten leben Schwarzspecht und Mittelspecht mit einigen Brutpaaren (KATTHÖVER 2005a). Der Kranich ist ein regelmäßiger Brutvogel im Bereich der Durchströmungsmoore und Sümpfe mit Schilf- und Röhrichtbeständen (KATTHÖVER 2005a). Das Tüpfelsumpfhuhn konnte im Jahr 2003 von Katthöver mit 1 Revier im Gebiet nachgewiesen werden (FISCHER & DORNBUSCH 2004). Dahingegen gelang im Jahr 2004 kein Nachweis dieser Art (KATTHÖVER 2005a).

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