Münchenberg bei Stecklenberg (FFH0092)

Haselmaus auf Pappel-Zweig © Sven BüchnerHaselmaus auf Pappel-Zweig © Sven Büchner

Größe [ha]: 96
Landkreise und kreisfreie Städte: Harz
Verwaltungseinheiten:Einheitsgemeinde Stadt Quedlinburg; Einheitsgemeinde Stadt Thale

Gebietsbeschreibung

Das FFH-Gebiet Münchenberg liegt zwischen den Orten Neinstedt, Stecklenberg und Bad Suderode direkt am Nordharzrand in der geologischen Aufrichtungszone des „Nördlichen Harzvorlandes“. Am Münchenberg und Kahlenberg treten Kalkgesteine des Unteren Muschelkalks oberflächennah auf, während der Rumberg vom Oberen Muschelkalk geprägt wird. Im Großen Silgenstieg findet man steil gestellte Rogensteinbänke des Unteren Buntsandsteins.

Ausgewählte Arten nach Anhang II der FFH-RichtlinieTextfeld öffnenTextfeld öffnen

Ausgewählte Arten nach Anhang IV der FFH-RichtlinieTextfeld öffnenTextfeld öffnen

Lebensraumtypen und Flora

Der FFH-LRT 9170 Labkraut-Eichen-Hainbuchenwald (ca. 68 ha) nimmt den größten Bereich des Schutzgebietes ein. Natürliche Vorkommen von Speierling (Sorbus domestica) und Kornellkirsche (Cornus mas) an ihrer nördlichen Verbreitungsgrenze weisen auf die wärmebegünstigte Lage hin. Die vielfältige Struktur mit Trauben-Eiche (Quercus petraea), Hainbuche (Carpinus betulus) und Hasel (Corylus avellana) ist auf die historische Niederwaldnutzung zurückzuführen. Auf den südexponierten Hängen kann man diese Art der Bewirtschaftung, die bis ins 20. Jahrhundert anhielt, noch erkennen. Die Nordhänge des Münchenberges wurden historisch als Mittelwälder sowohl zur Brennholznutzung als auch zur Erzielung von Bauholz genutzt. In jüngerer Zeit aufgelassen, sind die Kernwüchse durchgewachsen und Ahorn-Arten (Acer div. spec.) breiteten sich aus. Noch bildet sich aber in den Beständen eine reiche Bodenvegetation mit einer üppigen Frühlingsflora aus. Charakteristische Arten sind unter anderem Gelbes WIndröschen (Anemone ranunculoides), Gefleckter Aronstab (Arum maculatum), Hohler Lerchensporn (Corydalis cava), Diptam (Dictamnus albus), Schwarze Platterbse (Lathyrus niger), Purpurblauer Steinsame (Buglossoides purpurocaeruleum), Fliegen-Ragwurz (Ophrys insectifera) und Weißes Fingerkraut (Potentilla alba). Das Stattliche Knabenkraut (Orchis mascula) baut hier sehr individuenreiche Populationen auf. Der Frauenschuh (Cypripedium calceolus) hatte hier bis 1996 sein letztes Vorkommen nördlich des Harzes.

Der FFH-LRT 6210 Kalk-Trockenrasen (*orchideenreiche Bestände) (15 ha) wird überwiegend von Esparsetten-Trespen-Halbtrockenrasen und Enzian-Schillergras-Rasen aufgebaut. Als charakteristische Arten kommen Wundklee (Anthyllis vulneraria), Hügel-Meier (Asperula cynanchica), Sichelblättriges Hasenohr (Bupleurum falcatum), Blaugrüne Segge und Erd-Segge (Carex flacca, C. humilis), Kleines Mädesüß (Filipendula vulgaris), Fransen-Enzian (Gentianella ciliata), Bitteres Kreuzblümchen (Polygala amara) und Ohrlöffel-Leimkraut (Silene otites) vor. Orchideenreiche Ausbildungen mit Stattlichem Knabenkraut und Purpur-Knabenkraut (Orchis mascula, Orchis purpurea), Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera) sowie Großer Händelwurz (Gymnadenia conopsea) werden der prioritären Ausprägung dieses LRT zugerechnet.
Flächen des FFH-LRT 6510 Magere Flachland-Mähwiesen (3 ha) befinden sich sowohl zwischen dem Münchenberg und dem Silgenstieg als auch in Ortsnähe auf der Westseite des Gebietes und werden z. T. von Streuobstwiesen eingenommen. Dabei handelt es sich um Glatthafer- und Fuchsschwanz-Wiesen. In artenreicheren Beständen kommen Zittergras (Briza media), Wiesen-Glockenblume (Campanula patula), Wiesen-Pippau (Crepis biennis), Gemeiner Hornklee (Lotus corniculatus), Kleine Pimpinelle (Pimpinella saxifraga) und weitere Arten vor.

Fauna

Die lichten Wälder verbunden mit Waldsäumen, Trockenrasen, Streuobstwiesen und Mähwiesen schaffen vielfältige Lebensräume für die Tierwelt. Wertgebend sind beispielsweise die Vorkommen von Haselmaus (Muscardinus avellanarius), Zauneidechse (Lacerta agilis) und Geburtshelferkröte (Alytes obstetricans). Die Spanische Flagge (Euplagia quadripunctaria) wurde im Jahre 2002 im Gebiet nachgewiesen. Altnachweise des Hirschkäfers (Lucanus cervus) und geeignete Habitatstrukturen lassen auch ein gegenwärtiges Vorkommen vermuten.

Literatur: 207, 212, 460

verändert nach:

Jentzsch, M. und Reichhoff, L. (2013): Handbuch der FFH-Gebiete Sachsen-Anhalts. Hrsg. Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt. Halle (Saale). 616 Seiten

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