Süppling westlich Weißewarte (FFH0036)

Süppling westlich Weißewarte © Lars Ole JenningSüppling westlich Weißewarte © Lars Ole Jenning

Größe [ha]: 485
Landkreise und kreisfreie Städte: Stendal
Verwaltungseinheiten:Einheitsgemeinde Stadt Tangerhütte

Gebietsbeschreibung

Der Süppling liegt westlich von Weißewarte im Niederungsgebiet eines alten Elbeabflusses im „Tangergebiet“. In der weiten, flachen Niederung haben sich über den weichselkaltzeitlichen Talsanden des Elbeurstromtals holozäne, organogene bis sandige Hochflutsedimente der früher zeitweilig bis hierher im Rückstau reichenden Elbehochwässer abgelagert. 1972 wurden umfangreiche Meliorationsmaßnahmen im Bereich der Tangerniederung mit einer ca. 15 m breiten Schneise zu beiden Seiten der Tanger ausgeführt. Die Flussbettvertiefung hatte Grundwasserabsenkungen und damit Zopftrockenheit angrenzender Erlenbestände zur Folge. Bis heute wirkt die Grundwasserabsenkung fort.

Ausgewählte Arten nach Anhang II der FFH-RichtlinieTextfeld öffnenTextfeld öffnen

Ausgewählte Arten nach Anhang IV der FFH-RichtlinieTextfeld öffnenTextfeld öffnen

Lebensraumtypen und Flora

Im Gebiet herrschen flächig die Bestände des FFH-LRT 91E0* Erlen-Eschenwälder (323 ha), die teilweise aus entwerteten Erlen-Bruchwäldern hervor gegangen sind. Die Baumschicht bilden Schwarz-Erle (Alnus glutinosa), Gemeine Esche (Fraxinus excelsior), Hänge- und Moor-Birke (Betula pendula, B. pubecens) sowie Stiel-Eiche (Quercus robur). Im Unterstand treten auch Flatter-Ulme (Ulmus laevis) und Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus) auf. Neben der Verjüngung der Baumarten prägen Faulbaum (Rhamnus frangula), Eberesche (Sorbus aucuparia) und Eingriffliger Weißdorn (Crataegus monogyna) die Strauchschicht. In die Bestände dringt die Späte Traubenkirsche (Prunus serotina) als invasiver Neophyt ein. In der Feldschicht kommen Sumpf- und Winkel-Segge (Carex acutiformis, C. remota), Rohr-Glanzgras (Phalaris arundinacea), Rasen-Schmiele (Deschampsia cespitosa), Gilbweiderich (Lysimachia vulgaris), Wasser-Schwertlilie (Iris pseudacorus), Echtes Springkraut (Impatiens noli-tangere), Schlangen-Lauch (Allium scorodoprasum), Hain-Sternmiere (Stellaria nemorum), Dorniger Wurmfarn (Dryopteris carthusiana), Frauenfarn (Athyrium filix-femina) und Giersch (Aegopodium podagraria) vor.
Auf trockeneren Standorten siedelt der FFH-LRT 9160 Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwald (79 ha). Dabei handelt es sich um Eichen-Mischwälder mit relativ geringem Anteil an Hainbuche (Carpinus betulus). In der Baumschicht sind Hänge- und Moor-Birke (Betula pendula, B. pubescens) vertreten. Des Weiteren erscheinen Winter-Linde (Tilia cordata) und Flatter-Ulme (Ulmus laevis). Die Strauchschicht weist typische Arten wie Eingriffligen Weißdorn, Schlehe (Prunus spinosa), Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus), Blutroten Hartriegel (Cornus sanguinea) und Wild-Apfel (Malus sylvestris) auf. Charakteristische Arten der Feldschicht sind Echte Sternmiere (Stellaria holostea), Vielblütige Weißwurz (Polygonatum multiflorum), Schattenblümchen (Maianthemum bifolium), Maiglöckchen (Convallaria majalis), Wald-Knaulgras (Dactylis polygama), Rasen-Schmiele, Zittergras- und Reichenbachs-Segge (Carex brizoides, C. pseudo-brizoides), Wald-Zwenke (Brachypodium sylvaticum), Hain-Rispengras (Poa nemoralis) und Hain-Veilchen (Viola riviniana).
Der FFH-LRT 9190 Eichenwälder auf Sandebenen (9 ha) tritt deutlich hinter die vorgenannten Waldtypen zurück. Die Bestände werden im Oberstand aus Stiel-Eiche (Quercus robur), Hänge- und Moor-Birke (Betula pendula, B. pubescens) aufgebaut, zu denen in der zweiten Baumschicht Eberesche (Sorbus aucuparia) und Zitter-Pappel (Populus tremula) treten. Die Vorkommen der Wald-Kiefer (Pinus sylvestris) wurden in der Vergangenheit forstlich gefördert. In der Strauchschicht erscheint Faulbaum. Problematisch ist die Ausbreitung der Späten Traubenkirsche auch in dieser Waldgesellschaft. Die Arten der Feldschicht kennzeichnen die bodensauren Verhältnisse. Es kommen Schlängel-Schmiele (Deschampsia flexuosa), Schaf-Schwingel (Festuca ovina), Rot-Straußgras (Agrostis capillaris), Pfeifengras (Molinia caerulea), Pillen-Segge (Carex pilulifera), Wiesen- Wachtelweizen (Melampyrum pratense) und Wald-Habichtskraut (Hieracium murorum) vor.
Buchen-Wälder sind nur punktuell ausgebildet und werden durch den FFH-LRT 9110 Hainsimsen-Buchenwald (0,9 ha) repräsentiert. In der Baumschicht herrscht die Rotbuche (Fagus sylvatica). Die artenarme Feldschicht setzt sich aus Arten wie Wald-Flattergras (Milium effusum), Stechendem Hohlzahn (Galeopsis tetrahit), Ruprechts-Storchschnabel (Geranium robertianum) und Gundermann (Glechoma hederacea) zusammen.

Der FFH-LRT 6430 Feuchte Hochstaudenfluren ist kleinflächig entwickelt (0,1 ha). Dabei handelt es sich um Wasserdost (Eupatorium cannabinum)-Fluren mit Zaun-Winde (Calystegia sepium), Rohr-Glanzgras (Phalaris arundinacea) und Hopfen (Humulus lupulus). Daneben sind das Gewässer begleitende Brennnessel-Fluren ausgebildet, in denen Rohr-Glanzgras (Phalaris arundinacea) dominierend auftritt, aber auch verschiedene Arten der feuchten Staudenfluren erscheinen.

Fauna

Vom Biber (Castor fiber) gibt es eine Ansiedlung im Randbereich des Gebietes. Eine zumindest in großen Teilen gut ausgebildete Gewässer- und Uferstruktur zeichnen das Gebiet zudem als einen guten Lebensraum für den Fischotter (Lutra lutra) aus. Aber auch als Migrationskorridor ist es für die Art von Bedeutung. Von den Fledermäusen nutzt die Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus) das Gebiet als Jagdhabitat. Die dominierenden Feuchtwälder bieten darüber hinaus verschiedenen bemerkenswerten Brutvögeln geeignete Brutmöglichkeiten, so u. a. Schwarzstorch (Ciconia nigra), Wespenbussard (Pernis apivorus), Kranich (Grus grus) und Mittelspecht (Dendrocopos medius).

Literatur: 243, 200, 279, 407, 554

verändert nach:

Jentzsch, M. und Reichhoff, L. (2013): Handbuch der FFH-Gebiete Sachsen-Anhalts. Hrsg. Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt. Halle (Saale). 616 Seiten

Links / Dokumente

Den Standarddatenbogen und die Meldekarte finden Sie auf der Internetseite des Landesamtes für Umweltschutz.

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