Göttersitz und Schenkenholz nördlich Bad Kösen (FFH0152)

Göttersitz und Schenkenholz aus der Vogelperspektive © RANA - Büro für Ökologie und NaturschutzGöttersitz und Schenkenholz aus der Vogelperspektive © RANA - Büro für Ökologie und Naturschutz

Größe [ha]: 153
Landkreise und kreisfreie Städte: Burgenlandkreis
Verwaltungseinheiten:Verbandsgemeinde An der Finne; Einheitsgemeinde Stadt Naumburg (Saale)

Gebietsbeschreibung

Der Göttersitz erfasst die süd- bzw. westexponierten, sehr steilen und zum Teil nur spärlich von Vegetation besiedelten Hänge an der Saale nördlich von Bad Kösen in der Landschaft der „Ilm-Saale-Muschelkalkplatten“. Außerdem gehört das auf der Hochfläche angrenzende Schenkenholz mit zum FFH-Gebiet.

Lebensraumtypen und Flora

Die Steilhänge werden durch den FFH-LRT 6210 Kalk-Trockenrasen (*orchideenreiche Bestände) (17 ha) geprägt. Auf den steilen Muschelkalkhängen überwiegt die Gamander- Blaugras-Rasen. Am Göttersitz tritt die Facies der Astlosen Graslilie (Anthericum liliago) ohne Blaugras (Sesleria albicans) auf. Bereiche mit Lösseinwehungen werden punktuell von Echtem Federgras (Stipa pennata) bewachsen. Die Magerrasen im östlichen Bereich des Gebietes, werden sowohl vom Esparsetten-Trespen-Halbtrockenrasen als auch vom Furchenschwingel-Fiederzwenken-Halbtrockenrasen aufgebaut. Charakteristische Arten sind Stengelloser Tragant (Astragalus excapus), Rauhaariger Alant (Inula hirta), Großer Ehrenpreis (Veronica teucrium), Gewöhnliche Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris), Frühlings-Segge (Carex caryophyllea) und Bartgras (Botriochloa ischaemum). Von den Orchideen treten Fliegen-Ragwurz (Ophrys insectifera), Helm- und Purpur-Knabenkraut (Orchis militaris, O. purpurea) und Braunroter Sitter (Epipactis atrorubens) auf.

Infolge unzureichender Beweidung steht die einst individuenreiche Population der Herbst-Wendelorchis (Spiranthes spiralis) vor dem unmittelbaren Erlöschen.

Auf oberflächlich anstehendem Kalkstein tritt kleinflächig die Gesellschaft des Kelch-Steinkrautes und des Weißen Mauerpfeffers auf, die zum FFH-LRT 6110 Kalk-Pionierrasen (< 1 ha) gehört. In den Beständen siedeln außer den namengebenden Arten Quendel-Sandkraut (Arenaria serpyllifolia), Frühblühender Thymian (Thymus praecox), Dunkles Zwerg-Hornkraut (Cerastium pumilum), Wimper-Perlgras (Melica ciliata) und Färber-Resede (Reseda luteola).

Die Wälder des Schenkenholzes gehören überwiegend zum FFH-LRT 9170 Labkraut-Eichen-Hainbuchenwald (30 ha). Seine Baumschicht setzt sich aus Trauben-Eiche (Quercus petraea), Hainbuche (Carpinus betulus) und Winter-Linde (Tilia cordata) zusammen. Charakteristische Arten der Feldschicht sind Aronstab (Arum maculatum), Hohler Lerchensporn (Corydalis cava), Wald-Labkraut (Galium sylvaticum), Frühlings-Platterbse (Lathyrus vernus) und Türkenbund-Lilie (Lilium martagon). Außerdem kommen noch der FFH-LRT 9180* Schlucht- und Hangmischwälder (9 ha) und kleinflächig der FFH-LRT 9150 Orchideen-Buchenwald (3 ha) vor.

Kleinflächig sind im Saaletal Flächen vom FFH-LRT 6510 Magere Flachland Mähwiesen (3 ha) bewachsen. Dabei handelt es sich um Bestände der Salbei-Glatthaferwiese.

Fauna

Das Schenkenholz dürfte auf Grund seiner naturnahen Ausstattung eine mannigfaltige Fledermausfauna sowie Vorkommen der Haselmaus (Muscardinus avellanarius) beherbergen. Entsprechende Untersuchungen stehen noch aus.

Auf den Felsen und Felsfluren sowie in den Trocken- und Halbtrockenrasen und naturnahen Laubmischwäldern des Muschelkalkgebietes findet die Zauneidechse (Lacerta agilis) zusagende Lebensbedingungen. Das Vorkommen der Schlingnatter (Coronella austriaca) ist zu erwarten.

Von den Insekten hat der Hirschkäfer (Lucanus cervus) im Gebiet ein beständiges Vorkommen. Seit 1990 sind Nachweise bekannt. Die letzte bekannte Beobachtung von zwei Exemplaren, ein männlicher und ein weiblicher Käfer, erfolgte durch Zweigler im Juli 2011 auf einem Grundstück zwischen „Schöner Aussicht“ und „Göttersitz“. Als Schmetterlingsart kam im Gebiet der Schwarzfleckige Ameisenbläuling (Maculinea arion) vor. Der letzte Nachweis datiert aus dem Jahre 1952, seitdem ist die Art, die auf dem Territorium des heutigen Sachsen-Anhalt seit ca. 150 Jahren extreme Bestandsrückgänge verzeichnet, im Gebiet verschollen.

Literatur: 207, 212, 264, 350, 361, 432, 491

verändert nach:

Jentzsch, M. und Reichhoff, L. (2013): Handbuch der FFH-Gebiete Sachsen-Anhalts. Hrsg. Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt. Halle (Saale). 616 Seiten

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