Trockenhänge im Wippertal bei Sandersleben (FFH258)

Trockenhänge im Wippertal bei Sandersleben
 © Stefan NiegelTrockenhänge im Wippertal bei Sandersleben © Stefan Niegel

Größe [ha]: 206
Landkreise und kreisfreie Städte: Mansfeld-Südharz; Salzlandkreis
Verwaltungseinheiten: Einheitsgemeinde Stadt Aschersleben; Einheitsgemeinde Stadt Arnstein

Gebietsbeschreibung

Das FFH-Gebiet im „Nördlichen Harzvorland“ setzt sich aus zahlreichen Teilflächen im Wippertal zwischen Wiederstedt und Mehringen zusammen, die überwiegend offene Vegetationskomplexe umfassen.

Ausgewählte Arten nach Anhang II der FFH-RichtlinieTextfeld öffnenTextfeld öffnen

Ausgewählte Arten nach Anhang IV der FFH-RichtlinieTextfeld öffnenTextfeld öffnen

Lebensraumtypen und Flora

Im Gebiet treten verbreitet Ausbildungen des FFH-LRT 6210 Kalk-Trockenrasen (*orchideenreiche Bestände) (39 ha) auf. Sie weisen Übergänge zu den kontinentalen Steppenrasen auf. Die Bestände werden durch Gräser wie Fieder-Zwenke (Brachypodium pinnatum), Furchen-Schwingel (Festuca rupicola), Pyramiden-Schillergras (Koeleria pyramidata) oder Wiesen-Hafer (Helictotrichon pratense) geprägt. Hinzu treten Gold-Distel (Carlina vulgaris), Stengellose Kratzdistel (Cirsium acaule), Großblütige Braunelle (Prunella grandiflora), Knolliger Hahnenfuß (Ranunculus bulbosus), Aufrechter Ziest (Stachys recta), Kleine Wiesenraute (Thalictrum minus), Deutscher und Fransen-Enzian (Gentianella germanica, G. ciliata), Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera) sowie Helm-, Kleines und Purpur-Knabenkraut (Orchis militaris, O. morio, O. purpurea). Von überregionaler Bedeutung sind die individuenreichen Vorkommen der Herbst-Wendelorchis (Spiranthes spiralis).
Die kontinental geprägten Rasen des FFH-LRT 6240* Steppen-Trockenrasen (2 ha) setzen sich aus Federgras-Trockenrasen und Adonisröschen-Halbtrockenrasen zusammen. In Ersteren treten Pfriemengras (Stipa capillata), Feinblättrige Schafgarbe (Achillea setacea), Walliser Schwingel (Festuca valesiaca), Gelbe Skabiose (Scabiosa ochroleuca), Sand-Fingerkraut (Potentilla incana), Frühblühender Thymian (Thymus praecox), Bartgras (Botriochloa ischaemum), Gänsesterbe (Erysimum crepidifolium) und Kelch-Steinkraut (Alyssum alyssoides) als typische Arten auf. Die Halbtrockenrasen werden von Fieder-Zwenke (Brachypodium pinnatum) und Furchen-Schwingel (Festuca rupicola) aufgebaut. Des Weiteren finden sich Frühlings-Adonisröschen (Adonis vernalis), Dänischer Tragant (Astragalus danicus), Erd-Segge (Carex humilis), Blaugrünes Labkraut (Galium glaucum), Gelbe Skabiose (Scabiosa ochroleuca) und Pferde-Sesel (Sesei hippomarathrum).
An Unterhängen und in der Wipperaue ist der FFH-LRT 6510 Magere Flachland-Mähwiesen (9 ha) entwickelt. Dabei handelt es sich um Glatthafer-Wiesen, die z. T. durch Unternutzung aus Halbtrockenrasen entstanden sind. Charakteristische Arten sind Glatthafer (Arrhenatherum elatius), Rot-Schwingel (Festuca rubra), Goldhafer (Trisetum flavescens), Wiesen-Hafer (Helictotrichon pratensis), Zittergras (Briza media), Wilde Möhre (Daucus carota), Wiesen-Salbei (Salvia pratensis), Wiesen- und Echtes Labkraut (Galium album, G. verum), Scharfer Hahnenfuß (Ranunculus acris), Wiesen-Bocksbart (Tragopogon pratensis ssp. pratensis), Pastinak (Pastinaca sativa) sowie Zaun- und Vogelwicke (Vicia sepium, V. cracca).

Der kleine, naturfern ausgebaute Bach „Rote Welle“ kann als minimale Ausbildung mit Vorkommen von Berle (Berula erecta) dem FFH-LRT 3260 Flüsse mit Wasservegetation (0,5 ha) angeschlossen werden. Gewässerbegleitend sind Bestände des FFH-LRT 6430 Feuchte Hochstaudenfluren (0,8 ha) als nitrophile Staudenfluren mit Brennnessel (Urtica dioica), Giersch (Aegopodium podagraria), Zaunwinde (Calystegis sepium), Flügel-Johanniskraut (Hypericum tetrapterum), Blut-Weiderich (Lythrum salicaria), Wasser-Minze (Mentha aquatica), Großem Mädesüß (Filipendula officinalis) und Echtem Baldrian (Valeriana officinalis) ausgebildet. Regelmäßig gepflegte Feuchtwiesen und Quellfluren beherbergen kleine Populationen des Breitblättrigen Knabenkrautes (Dactylorhiza majalis).

Die Wälder des Gebietes werden vom FFH-LRT 9170 Labkraut-Eichen-Hainbuchenwald (21 ha) bestimmt. Die Baumschicht prägen Trauben-Eiche (Quercus petraea), Gemeine Esche (Fraxinus excelsior), Hainbuche (Carpinus betulus) und Winter-Linde (Tilia cordata) sowie Berg- und Feld-Ahorn (Acer pseudoplatanus, A. campestre). Die Strauchschicht besteht neben der Verjüngung der Baumarten aus Hasel (Corylus avellana), Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus), Liguster (Ligustrum vulgare) und Schwarzem Holunder (Sambucus nigra). Im artenreichen Frühjahrsaspekt treten u. a. Frühlings-Platterbse (Lathyrus venus), Türkenbund-Lilie (Lilium martagon), Wiesen-Primel (Primula veris), Echte Sternmiere (Stellaria holostea) und Wald-Veilchen (Viola reichenbachiana) auf. Wald-Zwenke (Brachypodium sylvaticum), Verschiedenblättriger Schwingel (Festuca heterophylla), Einblütiges Perlgras (Melica uniflora), Hain-Rispengras (Poa nemoralis), Ausdauerndes Bingelkraut (Mercurialis perennis) und Goldnessel (Lamium galeobdolon) charakterisieren den Sommeraspekt.
In einem tief eingeschnittenen Tälchen ist der FFH-LRT 9180* Schlucht- und Hangmischwälder (2 ha) ausgebildet. Seine reich gegliederte Baumschicht setzt sich aus Gemeiner Esche (Fraxinus excelsior) , Berg- und Spitz-Ahorn (Acer pseudoplatanus, A. platanoides), Hainbuche (Carpinus betulus), Winter-Linde (Tilia cordata) und Berg-Ulme (Ulmus glabra) zusammen. Neben den Nitrophyten Knoblausrauke (Alliaria petiolata), Taumel-Kälberkropf (Charophyllum temulum) und Ruprechts-Storchschnabel (Geranium robertianum) kommen auch Ausdauerndes Bingelkraut (Mercurialis perennis), Großes Hexenkraut (Circaea lutetiana), Vielblütige Weißwurz (Polygonatum multiflorum), Echtes Lungenkraut (Pulmonaria officinalis) und Wald-Ziest (Stachys sylvatica) vor.
An der „Roten Welle“ stocken Fragmente des FFH-LRT 91E0* Weichholzauenwälder (1,6 ha) mit Silber-, Fahl- und Purpur-Weide (Salix alba, S. x rubens, S. purpurea). In der Feldschicht finden man dort typische Arten wie Rohr-Glanzgras (Phalaris arundinacea), Knollen-Kälberkropf (Chaerophyllum bulbosum), Kohl-Kratzdistel (Cirsium oleraceum), Rauhaariges Weidenröschen (Epilobium hirsutum) sowie den Breitblättrigen Sitter (Epipactis helleborine).

Fauna

Das Gebiet ist ein Nahrungshabitat der Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus). Für die Zauneidechse (Lacerta agilis) bieten die gegliederten Trockenhänge mit Halbtrockenund Steppenrasen, Streuobstwiesen und naturnahen Laubwäldern geeignete Lebensräume.

Literatur: 316

verändert nach:

Jentzsch, M. und Reichhoff, L. (2013): Handbuch der FFH-Gebiete Sachsen-Anhalts. Hrsg. Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt. Halle (Saale). 616 Seiten

Links / Dokumente

Den Standarddatenbogen und die Meldekarte finden Sie auf der Internetseite des Landesamtes für Umweltschutz.

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