Auenwälder bei Plötzkau (FFH0164)

Auenwald Plötzkau © Stefan Ellermann (LAU)Auenwald Plötzkau © Stefan Ellermann (LAU)

Größe [ha]:417
Landkreise und kreisfreie Städte: Salzlandkreis
Verwaltungseinheiten: Verbandsgemeinde Saale-Wipper; Einheitsgemeinde Stadt Könnern; Einheitsgemeinde Stadt Bernburg (Saale)

Gebietsbeschreibung

In der „Saaleaue“ südwestlich vom Bernburg liegt der aus zwei Teilgebieten bestehende Auenwald Plötzkau. Die Überflutungsstandorte werden von kalkreichen Auenlehmen geprägt. Das Gebiet ist neben den Auenwäldern mit mehreren Altwässern der Saale ausgestattet.

Lebensraumtypen und Flora

Im Gebiet herrscht flächig der FFH-LRT 91F0 Hartholzauen-wälder (255 ha) vor. Die artenreichen Bestände setzen sich in der oberen Baumschicht aus Stiel-Eiche (Quercus robur), Gemeiner Esche (Fraxinus excelsior), Flatter-Ulme (Ulmus laevis), Hainbuche (Carpinus betulus) und Winter-Linde (Tilia cordata) zusammen. Neben Hainbuche (Carpinus betulus) und Winter-Linde (Tilia cordata) treten im Unterstand auch Feld-Ulme (Ulmus minor) und Wild-Apfel (Malus sylvestris) hinzu. In der Strauchschicht siedeln zusammen mit dem Jungwuchs der Baumarten u. a. Eingriffliger und Zweigriffliger Weißdorm (Crataegus monogyna, C. laevigata), Blutroter Hartriegel (Cornus sanguinea), Schlehe (Prunus spinosa), Wild-Birne (Pyrus pyraster), Hasel (Corylus avellana) und Hopfen (Humulus lupulus).In allen Gehölzschichten tritt der invasive Neophyt Rot-Esche (Fraxinus pennsylvanica) auf. Die Feldschicht der Saale-Hartholzauenwälder prägen Hohler Lerchensporn (Corydalis cava), Vielblütige Weißwurz (Polygonatum multiflorum) und Blut-Ampfer (Rumex sanguinea).

An den Ufern der Saale wachsen Galeriewälder aus Silber-Weide (Salix alba), die zum FFH-LRT 91E0* Weichholzauenwälder (12 ha) zu stellen sind. Weitere Arten der Baumschicht sind Gemeine- und Rot-Esche (Fraxinus excelsior, F. pennsylvanica), Flatter-Ulme (Ulmus laevis) und Stiel-Eiche (Quercus robur). Die Standorte weisen keine Sedimentdynamik mehr auf. Deshalb prägen Stauden die Feldschicht. Häufig sind Rohr-Glanzgras (Phalaris arundinacea), Wolfstrapp (Lycopus europaeus), Gemeiner Gilbweiderich (Lysimachia vulgaris), Riesen-Schwingel (Festuca gigantea) und Hopfen (Humulus lupulus). 
Die waldfreien Lebensraumtypen im Gebiet sind noch nicht erfasst worden und die folgenden Daten beruhen auf den Angaben des Standarddatenbogens. Darunter befinden sich Altwässer, in denen der FFH-LRT 3150 Eutrophe Seen (8 ha) zu erwarten ist. Weiterhin siedeln im Gebiet Bestände des FFH-LRT 6430 Feuchte Hochstaudenfluren (5 ha). Neben dem Brennnessel-Zaunwinden-Saum ist hier vor allem der für die Saaleaue charakteristische Schuppenkarde (Dipsacus pilosa)-Saum herauszustellen.

Fauna

An den Gewässern des Gebietes kommen Biber (Castor fiber) und Fischotter (Lutra lutra) vor. Die strukturreichen Auenwaldbereiche bieten Lebensraum für zahlreiche Fledermausarten. Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus) und Großes Mausohr (Myotis myotis) sind hier ebenso zu finden, wie die auentypischen Fledermausarten Großer Abendsegler (Nyctalus noctula), Wasser-, Rauhaut- und Mückenfledermaus (Myotis daubentonii, Pipistrellus nathusii, P. pygmaeus).

Das Gebiet weist bemerkenswerte Vorkommen der Lurche auf. Die feuchten gewässernahen Bereiche des Auenwaldes werden vom Moorfrosch (Rana arvalis) besiedelt, der in Altwässern und sonstigen flachen Wasserstellen Möglichkeiten zum Laichen findet. Auch der Laubfrosch (Hyla arborea) wurde hier nachgewiesen. Knoblauch- und Wechselkröte (Pelobates fuscus, Bufo viridis) finden in den Waldrandbereichen der Saaleaue grabbares Bodensubstrat.

Der einzige Nachweis eines Hirschkäfers (Lucanus cervus) erfolgte im Jahre 1996. Seitdem wurde die Art nicht mehr gemeldet. Vom Eremit (Osmoderma eremita) sind ältere und aktuelle Funde aus dem Gebiet und aus einer angrenzenden Kopfweidengruppe am Sportplatz bekannt (V. Neumann 2010).

Die Auenwälder bei Plötzkau im EU SPA besitzen vor allem Bedeutung für waldbewohnende Brutvögel wie Mittelspecht (Dendrocopus medius) und Wendehals (Jynx torquilla). Der Schwarzmilan (Milvus migrans) erreicht einen bemerkenswerten Brutbestand.

Literatur: 207, 212, 264, 283, 316, 363, 407

verändert nach:

Jentzsch, M. und Reichhoff, L. (2013): Handbuch der FFH-Gebiete Sachsen-Anhalts. Hrsg. Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt. Halle (Saale). 616 Seiten

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