Friedenthaler Grund (FFH0240)

Habitat der Großen Moosjungfer im Friedenthaler Grund © J. Huth (Bürogemeinschaft MILAN)Habitat der Großen Moosjungfer im Friedenthaler Grund © J. Huth (Bürogemeinschaft MILAN)

Größe [ha]: 167
Landkreise und kreisfreie Städte: Wittenberg
Verwaltungseinheiten:Einheitsgemeinde Stadt Lutherstadt Wittenberg; Einheitsgemeinde Stadt Zahna-Elster

Gebietsbeschreibung

Der Friedentaler Grund befindet sich nördlich von Wittenberg im „Roßlau-Wittenberger Vorfläming“. Das FFH-Gebiet zieht sich, westlich von Wüstemark beginnend, entlang des Oberlaufes des Zahnabaches bis zur Bundesstraße 2 bei Köpnik hin. Das Gebiet ist weitgehend identisch mit dem gleichnamigen Naturschutzgebiet.

Ausgewählte Arten nach Anhang II der FFH-RichtlinieTextfeld öffnenTextfeld öffnen

Lebensraumtypen und Flora

Der Wald im Gebiet wird von den Beständen des FFH-LRT 9160 Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwald (23 ha) beherrscht. Stiel-Eiche (Quercus robur) und Hainbuche (Carpinus betulus) bestimmen die Baumschicht, unter der in der Strauchschicht u. a. Hasel (Corylus avellana) und Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus) vorkommen. Auf nährstoffärmere Verhältnisse verweisen in der Bodenvegetation Hain- und Wiesenwachtelweizen (Melampyrum nemorosum, M. pratense). Weiterhin kommen Echte Sternmiere (Stellaria holostea), Hain-Rispengras (Poa nemoralis), Riesen-Schwingel (Festuca gigantea), Wald-Zwenke (Brachypodium sylvaticum), Maiglöckchen (Convallaria majalis) und Wald-Ziest (Stachys sylvatica) vor.
Nur sehr kleinflächig tritt der FFH-LRT 9110 Hainsimsen-Buchenwald (0,4 ha) auf.
Die nassen Standorte im Gebiet nehmen die Bestände des FFH-LRT 91E0* Erlen-Eschenwälder (12 ha) ein. In seiner Baumschicht treten neben Schwarz-Erle (Alnus glutinosa) Stiel-Eiche (Quercus robur) sowie Hänge- und Moorbirke (Betula pendula, B. pubescens) auf. Die Gemeine Esche (Fraxinus excelsior) fehlt hingegen. Die Krautschicht kennzeichnen Arten wie Rasen-Schmiele (Deschampsia cespitosa), Wasser-Schwerlilie (Iris pseudacorus), Rohr-Glanzgras (Phalaris arundinacea), Sumpf-Segge (Carex acutiformis), Gemeiner Gilbweiderich (Lysimachia vulgaris), Blutweiderich (Lythrum salicaria), Großes Springkraut (Impatiens noli-tangere) und Wasserdarm (Stellaria aquatica).

In geringem Umfang sind im Gebiet Offenlandflächen mit dem FFH-LRT 6510 Magere Flachland-Mähwiesen (1,7 ha) vorhanden. Charakteristische Arten dieser Wiesen sind Wiesen-Fuchsschwanz (Alopecurus pratensis), Wolliges Honiggras (Holcus lanatus), Gemeine Hainsimse (Luzula campestris), Wiesen-Rispengras (Poa pratensis), Wiesen-Glockenblume (Campanula patula), Wiesen-Schaumkraut (Cardamine pratensis), Wiesen-Labkraut (Galium album), Wiesen-Magerite (Leucanthemum vulgare), Knolliger Hahnenfuß (Ranunculus bulbosus), Knöllchen-Steinbrech (Saxifraga granulata) und Vogel-Wicke (Vicia cracca).

Fauna

Biber (Castor fiber) und Fischotter (Lutra lutra) haben die Zahna im gesamten FFH-Gebiet und darüber hinaus besiedelt. Eine Gefährdung stellt die Kreuzung durch die Bundesstraße 2 bei Köpnick dar. Hier sind bereits mehrere Tiere verunfallt.
Lurche finden in den feuchten Bereichen am Ufer des Zahnabaches Lebensraum. Genannt sei der Moorfrosch (Rana arvalis), der in den durch Biberdämme entstandenen stehenden Abschnitten des Baches laicht. In dem angestauten Gewässer nordwestlich der ehemaligen Mühle Friedenthal wurde der Kleine Wasserfrosch (Rana lessonae) nachgewiesen, der hier gemeinsam mit der Hybridform des Teichfrosches (Rana kl. esculenta) vorkommt.
Obwohl das Bachneunauge (Lampetra planeri) den Mittellauf des Zahnabaches bei Zahna besiedelt, konnte bislang weiter oberhalb kein Nachweis der Art erbracht werden.
Von der Großen Moosjungfer (Leucorrhinia pectoralis) gibt es ältere Nachweise. Im Jahr 2011 wurde die Art jedoch nur noch an einem Gewässer registriert. Ihr dauerhaftes Vorkommen erscheint durch Habitatveränderungen (Verlandung der Gewässer durch Laubeintrag, Versauerung, fehlende submerse Vegetation, Fischbesatz) gefährdet. Vom Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Maculinea nausithous) wird ein Altnachweis gemeldet, es fehlen aktuelle Funde.

Literatur:  264, 301, 322, 401, 407, 513, 553

verändert nach:

Jentzsch, M. und Reichhoff, L. (2013): Handbuch der FFH-Gebiete Sachsen-Anhalts. Hrsg. Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt. Halle (Saale). 616 Seiten

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