Hirschrodaer Graben (FFH0150)

© Anke Beyer© Anke Beyer

Größe [ha]: 187
Landkreise und kreisfreie Städte: Burgenlandkreis
Verwaltungseinheiten:Verbandsgemeinde Unstruttal

Gebietsbeschreibung

Der Hirschrodaer Graben liegt südwestlich von Freyburg bei Hirschroda in der Landschaft der „Ilm-Saale-Muschelkalkplatten“ und stellt ein ca. 70 Meter tief in den Muschelkalk eingeschnittenes Kerbtal mit temporärer Wasserführung dar. Die Hänge des Tales sind überwiegend von Wald bestockt.

Ausgewählte Arten nach Anhang II der FFH-RichtlinieTextfeld öffnenTextfeld öffnen

Lebensraumtypen und Flora

Die Wälder des Gebietes bestehen vorherrschend aus Beständen des FFH-LRT 9170 Labkraut-Eichenhainbuchenwald (50 ha). Unter der überwiegend aus Trauben-Eiche (Quercus petraea) und Hainbuche (Carpinus betulus) sowie seltener Elsbeere (Sorbus torminalis) gebildeten Baumschicht ist eine gut entwickelte Strauchschicht aus Hasel (Corylus avellana), Feld-Ahorn (Acer campestre) und Zweigriffligem Weißdorn (Crataegus laevigata) entwickelt. In der Krautschicht findet man u. a. Seidelbast (Daphne mezereum), Echtes Lungenkraut (Pulmonaria officinalis), Bleiches Waldvöglein (Cephalanthera damasonium), Weiße Waldhyazinthe (Platanthera bifolia) sowie Großes Zweiblatt (Listera ovata). Die Vorkommen des Frauenschuhs (Cypripedium calceolus) im Gebiet sind Teil der bedeutendsten Population dieser Art in Sachsen-Anhalt.


Auf den steilsten Standorten mit Kalkrohböden siedeln lückige und artenreiche Blaugras-Rasen, während auf den flacher geneigten Hängen mit feinerdereichen Böden Furchenschwingel-Fiederzwenken-Rasen ausgebildet sind. Diese Gesellschaften zählen zum FFH-Lebensraumtyp 6210 Kalk-Trockenrasen (*orchideenreiche Bestände) (9 ha). Hier wachsen zahlreiche Orchideenarten, wie Braunroter Sitter (Epipactis atrorubens), Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea), Fliegen-Ragwurz (Ophrys insectifera), Dreizähniges, Helm- und Purpur-Knabenkraut (Orchis tridentata, O. militaris, O. purpurea). Besonders hervorzuheben ist eines der wenigen verbliebenen Vorkommen der Herbst-Wendelorchis (Spiranthes spiralis) im Saale-Unstrut-Triasland. Charakteristische Arten der Trockenrasen sind neben dem Blaugras (Sesleria albida) vor allem Astlose Graslilie (Anthericum liliago), Pferde-Sesel (Seseli hippomarathrum), Echter- und Berg-Gamander (Teucrium chamaedrys, T. montanum), Steinquendel (Acinois arvensis), Berg-Lauch (Allium cenescens), Kleine Wiesenraute (Thalictrum minus) und Zwerg-Steppenkresse (Hornungia petraea). Die Halbtrockenrasen, z. T. mit kontinentaler Prägung, werden z. B. charakterisiert durch Vorkommen von Feinblättriger Schafgarbe (Achillea setacea), Frühlings-Adonisröschen (Adonis vernalis), Wundklee (Anthyllis vulneraria), Stengellosem Tragant (Astragalus excapus), Frühlings-Segge (Carex caryophyllea), Gewöhnlicher Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris) und Knolligem Hahnenfuß (Ranunculus bulbosus). Mit dem stärkeren Aufkommen von Diptam (Dictamnus albus), Rauhaarigem und Weidenblättrigem Alant (Inula hirta, I. salicina), Blutrotem Storchschnabel (Geranium sanguineum), Salomonssiegel (Polygonatum odoratum), Hirschwurz (Peucedanum cervaria), Echtem Steinsame (Buglossoides officinale) oder Großem Ehrenpreis (Veronica teucrium) treten bereits als Folge der fehlenden Nutzung Versaumungszeiger auf.

Magere Flachland-Mähwiesen des FFH-LRT 6510 (6 ha) besiedeln frischere und tiefgründigere Standorte der Unterhänge und Tallagen. Artenreiche Glatthafer-Wiesen weisen mit Zittergras (Briza media), Wiesen-Salbei (Salvia pratensis), Wiesen-Labkraut (Galium album), Scharfem Hahnenfuß (Ranunculus acris) und Gamander-Ehrenpreis (Veronica chamaedrys) eine typische Vegetationszusammensetzung auf. Häufig sind jedoch auch unternutzte Stadien mit zahlreichen Brache- und Ruderalisierungszeigern anzutreffen.

Fauna

Nachweise der hier zu erwartenden Haselmaus (Muscardinus avellanarius) sind mittlerweile gelungen. In den Wäldern sind Vorkommen verschiedener Fledermausarten der Anhänge der FFH-Richtlinie zu verzeichnen.
Auf den Trocken- und Halbtrockenrasen finden Zauneidechsen (Lacerta agilis) günstige Lebensbedingungen.

Literatur: 207, 212, 354, 358, 431

verändert nach:

Jentzsch, M. und Reichhoff, L. (2013): Handbuch der FFH-Gebiete Sachsen-Anhalts. Hrsg. Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt. Halle (Saale). 616 Seiten

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