Mündungsgebiet der Schwarzen Elster (SPA0016)

Schwarze Elster © Stefan Ellermann (LAU)Schwarze Elster © Stefan Ellermann (LAU)

Größe [ha]:3.921
Landkreise und kreisfreie Städte:Wittenberg
Verwaltungseinheiten: Einheitsgemeinde Stadt Bad Schmiedeberg; Einheitsgemeinde Stadt Kemberg; Einheitsgemeinde Stadt Jessen (Elster); Einheitsgemeinde Stadt Zahna-Elster

Gebietsbeschreibung

Das EU SPA Mündungsgebiet der Schwarzen Elster befindet sich ca. 10 km südöstlich von Lutherstadt Wittenberg und umfasst den Mündungsbereich der Schwarzen Elster in die Elbe. Das 3.921 ha große Gebiet umfasst die weitläufigen Flussauen von Elbe und Schwarzer Elster sowie die Altarme und Altwasser der Naturschutzgebiete Großer Streng, Untere Schwarze Elster und Alte Elbe Bösewig. Die West-Ost-Ausdehnung des EU SPA beträgt zwischen Dabrun und Jessen ca. 14 km. Die südlichen Elbewiesen erstrecken sich bis an die Ortschaften Kleinzerbst und Klöden heran. Innerhalb des EU SPA befinden sich keine Siedlungen, jedoch grenzen zahlreiche Ortschaften an das Schutzgebiet an.

Das EU SPA wurde im Jahr 2000 bereits mit einer Fläche von mehr als 3.300 ha an die EU-Kommission gemeldet und bei der Überarbeitung der Gebietsvorschläge im Jahr 2003 auf die heutige Ausdehnung erweitert. Es ist vollständig in der FFH-Gebietskulisse enthalten, in wesentlichen Teilen als NSG gesichert und zu großen Teilen auch Landschaftsschutzgebiet. Bis auf die Ackerflächen zwischen Bleddin und Wartenburg ist das EU SPA außerdem im Bundesländer übergreifenden Biosphärenreservat Mittelelbe enthalten.

Naturräumlich gehört das Gebiet zum Elbe-Elster-Tiefland innerhalb des Elbe-Mulde-Tieflandes. Als Landschaftseinheiten sind in den auf die Elbeauen entfallenden Flächenanteilen das Dessauer Elbetal und im Ostteil entlang der Schwarzen Elster die Einheiten Annaburger Heide und Schwarze-Elster-Tal vertreten. Große Teile des EU SPA liegen in den natürlichen Überflutungsbereichen von Elbe und Elster. In den Überflutungsauen sind zahlreiche Altarme und Altwasser der beiden Flüsse erhalten. Hochwasserschutzdeiche umgeben nahezu das gesamte EU SPA, wobei die Deichanlagen überwiegend auch die Gebietsgrenze darstellen. Innerhalb der Deichlinie wird Grünlandnutzung in unterschiedlicher Intensität betrieben. Manche Bereiche sind landwirtschaftlich nicht oder nur extensiv nutzbar, jedoch ist auch Intensivgrünland vorhanden (SIMON & SIMON 2007). Die intensive Nutzung führte zu artenarmen Pflanzengesellschaften, nur in unzugänglichen nassen Senken finden sich noch Seggen- und Wasserschwadengesellschaften. In einigen Feuchtwiesen sind auch bemerkenswerte und gefährdete Arten, wie Gottes-Gnadenkraut oder Langblättriger Ehrenpreis, vertreten. Ackerflächen befinden sich innerhalb des Vogelschutzgebietes nur im Bereich südlich von Wartenburg. Die Uferbereiche von Elbe und Schwarzer Elster sowie der Altarme werden von charakteristischen Pflanzengesellschaften der Ufer- und Verlandungszonen oder Schlickflächen eingenommen. Laichkraut- und Wasserschlauchbestände, Igelkolben und Pfeilkraut sind nur einige Beispiele für die Mannigfaltigkeit der Ufervegetation. Die weitläufge, mit ausgedehnten Grünländern, Altwassern, versumpften Flächen, Röhrichten und Hochstaudenfluren durchsetzte Auenlandschaft wird weiterhin durch Weichholzauenreste und Einzelbäume, darunter alte Stieleichen und Ulmen als Reste einer Hartholzaue, strukturiert (SIMON & SIMON 2007).

Bedeutung als Vogelschutzgebiet

Das EU SPA umfasst eine reich gegliederte Auenlandschaft im Überflutungsraum von Elbe und Schwarzer Elster. Besondere Bedeutung hat es als Brut- und Rastgebiet für eine Vielzahl von Wiesenbrütern und Wasservögeln, insbesondere als Rastgebiet für Saat- und Blässgänse.

Rastvögel

Insgesamt 39 wertgebende Arten konnten im Jahr 2006 als Brutvögel erfasst werden, darunter 13 Arten nach Anhang I der EU-Vogelschutzrichtlinie (SIMON & SIMON 2007). Aktuell liegen sogar Nachweise von 16 Anhang I-Arten vor. Die Ried- und Feuchtwiesen sowie die vielen Altwasser bieten hervorragende Nahrungshabitate für Greifvogelarten. Rohrweihe, Rotmilan und Schwarzmilan sind Charakterarten des EU SPA. Für den Schwarzmilan ist das EU SPA eines der Top-5-Gebiete in Sachsen- Anhalt. Die Wiesenweihe kommt hier in einzelnen Jahren mit 1 BP vor (SIMON & SIMON 2007). Ebenfalls im Gebiet brütet der Seeadler (FISCHER & DORNBUSCH 2009). Aus der Elsteraue Gorsdorf liegt aus dem Jahr 2006 der Nachweis eines Reviers der Rohrdommel vor (FISCHER & DORNBUSCH 2007). Unzugängliche und damit störungsfreie Riedflächen und Altwasser im Bereich der Unteren Schwarzen Elster bieten ein Rückzugsgebiet für den Kranich (SIMON & SIMON 2007).

Charakteristische Wiesenbrüter der großflächigen Gründlandbereiche der Elbeauen sind Kiebitz, Großer Brachvogel, Bekassine, Uferschnepfe und Wachtelkönig. Mit nur wenigen Brutpaaren ist der Große Brachvogel schwerpunktmäßig in den gehölzarmen, großflächigen Grünlandbereichen der Elbeauen verbreitet. Der Kiebitz bevorzugt Flutrinnen und versumpfte Flächen in der Nähe der Altwasser. Die Uferschnepfe ist nur in Ried- und Sumpfwiesen und spät gemähten Nasswiesen anzutreffen. Mit 3 Revierpaaren beherbergt das EU SPA einen erheblichen Anteil des nur noch geringen Landesbestandes. Allerdings blieben Reviernachweise in den letzten Jahren aus. Der Wachtelkönig brütet mit typischen Bestandsschwankungen vor allem im Bereich der Alten Elbe bei Bösewig. Während SIMON & SIMON (2007) nur 4 Reviere nachweisen konnten, ergab die Landeserfassung einen Bestand von 8 Revieren (SCHULZE 2010a). Eine große Bedeutung hat das EU SPA auch für den Weißstorch. Zwar brütet nur 1 Brutpaar innerhalb der Grenzen des EU-Vogelschutzgebietes, jedoch gibt es mindestens 14 weitere Brutpaare im direkten Umfeld, für die das Grünland im EU SPA ein wichtiges Nahrungshabitat ist.

An der Alten Elbe Bösewig wurde die Flussseeschwalbe als Brutvogel nachgewiesen (FISCHER & DORNBUSCH 2007) und für die Trauerseeschwalbe bestand dort ebenfalls Brutverdacht (SIMON & SIMON 2007). Die Untere Schwarze Elster zeichnet sich durch eine hohe Gewässerdynamik mit steilen Uferböschungen aus und bietet somit ideale Bruthabitate für eine weitere Charakterart des EU SPA, den Eisvogel. Der Flussuferläufer nutzt Uferbereiche im ganzen Gebiet, vor allem aber direkt am Elbe- und Elsterlauf. Infolgedessen ist der Brutverlauf stark abhängig von den saisonalen Wasserverhältnissen (SIMON & SIMON 2007).

Die Gebüschstandorte der Halboffenlandschaften entlang der unteren Schwarzen Elster werden in hoher Dichte vom Neuntöter besiedelt. In der Elsteraue sowie einigen Altwassern der Elbe brütet die Knäkente mit einem bemerkenswert hohen Bestand, der einen erheblichen Anteil am Landesbestand darstellt. Weitere im Gebiet typische Arten mit bemerkenswerten Brutbeständen sind Schilf- und Drosselrohrsänger. Beide Arten haben ihren Vorkommensschwerpunkt in der Elsteraue, wohingegen sich an der Elbe die Vorkommen auf altwassernahe Biotopstrukturen und Flutrinnen beschränken (SIMON & SIMON 2007).

Rastvögel

Als Rast- und Überwinterungsgebiet hat das EU SPA Mündungsgebiet der Schwarzen Elster eine überregionale Bedeutung. Regelmäßig halten sich hier während der Zugzeiten mehr als 20.000 Wasservögel auf. Allein Saat- und Blässgans rasten hier regelmäßig mit über 100.000 Individuen, d. h. mit weit mehr als 1 % ihrer biogeografischen Population (WAHL et al. 2007). Regelmäßig halten sich hier auch mehr als 1 % der Flyway- Population der Krickente auf. Die Rastbestände von bis zu 18.000 Kiebitzen, 2.000 Goldregenpfeifern sowie 1.500 Pfeifenten sind ebenfalls hervorzuheben. Für alle drei Arten wird, wie auch bei Saat-, Bläss- und Graugans sowie dem Großen Brachvogel, die im Standarddatenbogen genannte Spanne bei weitem übertroffen. Weiterhin rasten hier regelmäßig mehr als 1.000 Singschwäne und deutlich über 100 Silberreiher. Das innerhalb des EU SPA liegende NSG Alte Elbe bei Bösewig ist während der Sommer- und Herbstmonate ein bedeutender Rast- und Sammelplatz für den Kranich (ZUPPKE 2008). Bei den Schlafplatzzählungen in den Jahren 2009/2010 waren während des Herbstzuges in den Monaten September bis November nahezu durchgängig 260-500 Kraniche anwesend. Der Frühjahrszug fällt deutlich schwächer aus, jedoch suchen Kraniche das Gebiet schon während der Sommermonate wieder verstärkt auf (PSCHORN & SCHEIL 2011). Auch für den Durchzug von Limikolen hat dieses Gebiet eine große Bedeutung.

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