Salziger See und Salzatal (SPA0020)

Salziger See © Stefan Ellermann (LAU)Salziger See © Stefan Ellermann (LAU)

Größe [ha]:650
Landkreise und kreisfreie Städte:Mansfeld-Südharz; Saalekreis
Verwaltungseinheiten: Einheitsgemeinde Teutschenthal; Einheitsgemeinde Salzatal; Einheitsgemeinde Seegebiet Mansfelder Land

Gebietsbeschreibung

Das EU SPA Salziger See und Salzatal, mit einer Gesamtgröße von 650 ha, befindet sich im Süden Sachsen-Anhalts zwischen Eisleben und Halle. Es gliedert sich in vier Einzel­ächen. Je zwei Teilflächen gehören zum Salzigen See und zum ca. 2 km nordwestlich gelegenen Salzatal. Der 518 ha umfassende Bereich des Salzigen Sees wird von den Ortschaften Aseleben, Erdeborn, Röblingen am See und Amsdorf umgrenzt. Neben dem ehemaligen Salzigen See sind hier auch die Teufelsspitze und der Südwestteil des Bindersees Bestandteil des EU-Vogelschutzgebietes. Durch das Gebiet verlaufen die L 176 sowie die aus dem EU SPA ausgegrenzte B 80, an die die beiden Teilflächen Salziger See bzw. Teufelsspitze/ Bindersee unmittelbar angrenzen. Weiterhin gehören zum Vogelschutzgebiet Teile des Salzatals nordwestlich von Langenbogen sowie der gesamte Bereich von Langenbogen bis nach Köllme.

Das EU SPA wurde im Jahr 2000 als Vogelschutzgebiet gemeldet (DORNBUSCH & FISCHER 2007). Die gesamte Fläche ist auch in der FFH-Gebietskulisse enthalten, als LSG ausgewiesen sowie teilweise Bestandteil des Naturparks Unteres Saaletal. Der größte Teil des Salzigen Sees, die Teufelsspitze, der südliche Bindersee sowie das Salzatal zwischen Langebogen und Köllme sind zudem als NSG unter Schutz gestellt. Naturräumlich ist das EU SPA dem Östlichen Harzvorland zugehörig. Auf lokaler Ebene gehört es zum Teutschenthaler Sattel, der in herzynischer Streichrichtung das Östliche Harzvorland von der Querfurter Platte trennt. Die Kali- und Steinsalzschichten und deren geologische Entwicklung im Teuschtenthaler Sattel sind eng mit der Entstehung des Salzigen Sees verbunden. Durch Salzauslaugungen des Untergrundgesteins verursachte Senkungen führten unter anderem zur Ausbildung des Seebeckens, in dem sich infolge des ständigen Zustroms salzhaltigen Wassers ein relativ hoher Salzgehalt einstellte. Der Salzige See war damals mit einer Größe von 875 ha das größte natürliche Stillgewässer Mitteldeutschlands (TROST & RAUCHHAUS 2000).

Mit Intensivierung des Kupfererzabbaus wurden die Entwässerungsmaßnahmen im Gebiet zunehmend verstärkt. Folgen der bergbaulichen Wasserhaltung im Mansfelder Revier machten sich zunächst durch sinkende Wasserstände im Salzigen See sowie versiegende Quellen im Umland bemerkbar. Im Jahr 1892 kam es zu starken Wassereinbrüchen im Mansfelder Bergbaurevier, in deren Folge der Wasserspiegel des Salzigen Sees innerhalb kürzester Zeit drastisch absank. Zur Sicherung des Kupferschieferbergbaus wurde der See danach trockengelegt und schon 1895 konnte der entwässerte Seeboden ackerbaulich genutzt werden (WEISS 2000). Infolge dessen versiegten in den umliegenden Dörfern jedoch zahlreiche Brunnen und Mühlbäche, so dass das natürliche Vorflutsystem des Sees geändert werden musste. Die größeren Zuflüsse wurden in einem nördlichen und südlichen Ringkanal um die Seefläche herum geleitet und sicherten die Wasserversorgung der Dörfer und der Braunkohlegruben. Kleine Zuflüsse und das sich im Seebecken sammelnde Wasser wurden in offenen Gräben zum Pumpwerk geführt, wo sich die Wasserströme vereinen und unter dem Namen Salza nordostwärts bis zur Saale fließen. Die Trockenlegung hatte auch den fast völligen Verlust der Verlandungs- und sonstigen Feuchtvegetation einschließlich der Salzstelle bei Erdeborn zur Folge.

Die im Seebecken neu gewonnene Landfläche wurde in der Folge teils landwirtschaftlich genutzt. Mit der Einstellung des Kupferschieferbergbaus im Jahr 1970 wurde auch die Zwangswasserhaltung im Mansfelder Kupferschieferrevier beendet. Dies führte zu erhöhten Grundwasserständen und zu großflächigen Vernässungen im Becken des ehemaligen Salzigen Sees und im Salzatal (WEISS 2000). Der Wasserstand wird aber nach wie vor durch Abpumpen auf dem derzeitigen Niveau gehalten. Östlich von Langenbogen bildeten sich ausgedehnte Flachgewässer mit schwankenden Wasserständen und teils breiten Röhrichtgürteln heraus. Im Becken des ehemaligen Salzigen Sees hat sich ein Mosaik aus Äckern, Wirtschaftsgrünland, Brachen und diffus salzbeeinflussten Flachgewässern mit eutropher Verlandungsvegetation und temporären Schlammfluren entwickelt. Lokal ist die Salzbeeinflussung aufgrund von Salzquellen erhöht. Die wiedervernässten Bereiche des Salzigen Sees werden vor allem durch Röhrichtgesellschaften und salztolerante Ufergesellschaften geprägt. Als dominante halophile Art findet sich z. B. die Strandaster. Weiterhin vertreten sind Feuchtwiesen, Streuobstwiesen, Weidengebüsche sowie einige Trocken- und Halbtrockenrasen. Entlang des Ufers der Salza finden sich Schilfröhrichte und Weiden-Pappel-Gehölzreihen. Feuchtwiesen werden von Hochstaudenfluren oder artenreichen Mähwiesen eingenommen. An den Hängen des Salzatales kommen wertvolle Trockenrasengesellschaften vor.

Bedeutung als Vogelschutzgebiet

Die Vielfalt in der Vegetation des EU SPA Salziger See und Salzatal bietet sowohl Brutvögeln als auch Zug- und Rastvögeln unterschiedlichste Lebensräume als Brutplatz, Rast- und Nahrungshabitat. Im Gebiet konnten mehr als 125 Brutvogelarten nachgewiesen werden (STENZEL 2000).

Brutvögel

In den von Schilf und anderen Röhrichten geprägten Gewässern und Feuchtgebieten leben zahlreiche Vogelarten, darunter Rohrdommel, Zwergdommel, Rohrweihe, Tüpfelsumpfhuhn, Blaukehlchen, Schwarzhalstaucher, Schilfrohrsänger, Drosselrohrsänger, Rohrschwirl, Beutelmeise und Bartmeise (STENZEL 2000, LEHMANN et al. 2009). Für Rohrdommel, Zwergdommel, Tüpfelsumpfhuhn und Blaukehlchen ist das EU SPA eines der Top-5-Gebiete Sachsen-Anhalts. Die Rohrweihe kommt am Salzigen See mit bis zu 10 BP vor (LEHMANN et al. 2009). Für die 1990er Jahre wurde der Bestand noch mit 22 BP angegeben (STENZEL 2000). Die Wiesenweihe brütete in der Vergangenheit sporadisch im Gebiet – eine künftige Wiederbesiedlung ist nicht ausgeschlossen. Das Tüpfelsumpfhuhn war früher mit bis zu 6 rufenden Männchen vertreten (STENZEL 2000, WEBER et al. 2003), doch gelang im Erfassungsjahr 2007 kein Nachweis. Im Jahr 2008 war wieder ein Revier besetzt (FISCHER & DORNBUSCH 2009). Der Salzige See weist den höchsten Bestand des Blaukehlchens in ganz Sachsen-Anhalt auf. Die Landeserfassung ergab hier 28 BP (SCHULZE 2011). Damit beherbergt das EU SPA 11,2 % des Landesbestandes. Vom Eisvogel wurde 2007 ein Revier festgestellt. In den verbuschten Halbtrockenrasen und Streuobstwiesen finden Neuntöter und Wendehals optimale Habitatstrukturen vor. Auch Sperbergrasmücke, Raubwürger, Rebhuhn, Schwarzkehlchen und Braunkehlchen sind hier zu finden (STENZEL 2000, LEHMANN et al. 2009).

Rastvögel

Das EU SPA Salziger See und Salzatal hat eine große Bedeutung als Rast-, Mauser-, Durchzugs- und Überwinterungsgebiet für eine große Zahl an Vogelarten, die neben der Bedeutung als Brutgebiet wesentlich zur Ausweisung des Gebietes auch als Important Bird Area beigetragen hat (STENZEL 2000). Besonders wichtig ist das EU SPA als Rastgebiet für Gänse im Süden Sachsen-Anhalts, insbesondere für die Saatgans. Mit weit über 2.000 Individuen rasten hier regelmäßig mehr als 1 % der Flyway-Population dieser Art. Im Standarddatenbogen wird für Saatgans und Blässgans sogar ein Rastbestand von 1.000 bis 10.000 Individuen angegeben und auch STENZEL (2000) nennt ein Rastvorkommen von mehr als 8.000 Saat- und Blässgänsen, die den Aselebener Pumpensee als Schlafgewässer nutzen. Die Gewässer haben weiterhin eine überregionale Bedeutung als Mauserplatz für zahlreiche Entenarten (STENZEL 2000). Dabei sind vor allem Schnatterente, Krickente, Stockente, Löffelente und Tafelente zu nennen, die hier regelmäßig mit mehreren hundert Individuen auftreten.

Im Bereich der Schlammflächen und Flachwasserzonen am Aselebener Pumpensee finden sich zur Zugzeit viele Kraniche und Limikolen, wie z. B. Kampfläufer und Kiebitz, ein. Nach STENZEL (2000) wurden hier bereits über 30 Watvogelarten nachgewiesen. Auch viele Möwenarten nutzen die Gewässer als Schlafplatz. Hier ist vor allem das Rastvorkommen von mehr als 2.000 Sturmmöwen erwähnenswert. Doch nicht nur für Wat- und Wasservögel hat der Salzige See eine Bedeutung als Rastgebiet. Insbesondere die Schilfgürtel der Gewässer ziehen alljährlich zu den Zugzeiten eine Vielzahl von Kleinvogelarten an. Seit Mitte der 1990er Jahre findet daher eine intensive Erfassung des Kleinvogelzuges im Bereich der Schilfbestände statt (STENZEL 2000). Die Bartmeise, die ganzjährig im EU SPA vorkommt und auch im Gebiet brütet, tritt im Herbst und Winter regelmäßig mit bis zu mehreren Hundert Individuen auf.

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