Golmengliner Forst und Schleesen im Fläming (FFH0060)

Herbstaspekt im FFH-Gebiet © Andrea BachmannHerbstaspekt im FFH-Gebiet © Andrea Bachmann

Größe [ha]: 498
Landkreise und kreisfreie Städte: Anhalt-Bitterfeld; Wittenberg
Verwaltungseinheiten:Einheitsgemeinde Stadt Coswig (Anhalt); Einheitsgemeinde Stadt Zerbst/Anhalt

Gebietsbeschreibung

Das FFH-Gebiet liegt im „Hochfläming“ nördlich von Stackelitz und östlich von Golmenglin. Im Osten wird es durch die Eisenbahnstrecke Dessau-Roßlau nach Belzig begrenzt. Standörtlich besteht das Gebiet aus sandig-kiesigen Hochflächenbildungen des Warthe-Stadiums der Saale-Kaltzeit. Östlich der Landesstraße 120 liegt die Wüstung des mittelalterlichen Dorfes Schleesen. Das Gebiet ist nahezu vollkommen bewaldet.

Lebensraumtypen und Flora

Der Wald wird von den Beständen des FFH-LRT 9110 Hainsimsen-Buchenwald (239 ha) beherrscht. In der Baumschicht dominieren Rotbuche (Fagus sylvatica) und Trauben-Eiche (Quercus petraea). Die Altholzbestände weisen vereinzelt noch eine Hallenwaldstruktur auf, aber vielfach erfolgte in den letzten Jahrzehnten bereits die Verjüngung über Schirmschlag. Traubeneichen-Bestände sind in den LRT eingesprengt. In der Bodenvegetation treten die kennzeichnenden azidophilen Arten Haar-Hainsimse (Luzula pilosa), Schattenblümchen (Maianthemum bifolium), Wald-Sauerklee (Oxalis acetosella), Pillen-Segge (Carex pilulifera) und Schlängel-Schmiele (Deschampsia flexuosa) auf. Heidel- und Preiselbeere (Vaccinium myrtillus, V. vitis-idea) kennzeichnen stark ausgehagerte Bereiche.
Auf reicheren Standorten kommt der FFH-LRT 9130 Waldmeister-Buchenwald (36 ha) vor. Hier treten in der Krautschicht Waldmeister (Galium odoratum), Nickendes und Einblütiges Perlgras (Melica nutana, M. uniflora), Ausdauerndes Bingelkraut (Mercurialis perennis), Wald-Segge (Carex sylvatica) und Buchenfarn (Phegopteris connectilis) auf. Zwischen beiden Waldgesellschaften gibt es vielfach Übergänge. Im Bereich der mittelalterlichen Siedlung, der durch das flächige Auftreten von Kleinem Immergrün (Vinca minor) gekennzeichnet wird, kommen Waldgerste (Hordelymus europaeus), Ähriges Christophskraut (Actaea spicata) und Sanikel (Sanicula europaea) vor. Die durch Jahrhunderte lange menschliche Nutzung aus Buchen-Wäldern hervorgegangen Eichen-Hainbuchen-Wälder sind als FFH-LRT 9160 Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwald (28 ha) und FFH-LRT 9170 Labkraut-Eichen-Hainbuchenwald (5 ha) ausgebildet. Die Labkraut-Eichen-Hainbuchen-Wälder werden durch Arten wie Wald-Zwenke (Brachypodium sylvaticum), Riesen-Schwingel (Festuca gigantea), Wald-Veilchen (Viola reichenbachiana) oder Wald-Ziest (Stachys sylvatica) gekennzeichnet. Im Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwald kommen Echte Sternmiere (Stellaria holostea), Zittergras- und Winkel- Segge (Carex brizoides, C. remota) vor.

Fauna

Die vorhandenen Altholzbestände bieten baumbewohnenden Fledermausarten umfangreiche Quartiermöglichkeiten. Diese werden von Mops- und Bechsteinfledermaus (Barbastella barbastellus, Myotis bechsteinii) ebenso wie von Großem und Kleinabendsegler (Nyctalus noctula, N. leisleri) sowie der Mückenfledermaus (Pipistrellus pygmaeus) genutzt. In den noch verbliebenen, unterwuchsfreien Hallenbuchenbeständen findet das Große Mausohr (Myotis myotis) seine Jagdhabitate.
An trockenen Stellen, z. B. an sonnenbeschienenen Weg- und Waldrändern, stellt sich die Zauneidechse (Lacerta agilis) ein. In den feuchteren Bereichen leben verschiedene Lurcharten. Für den Moorfrosch (Rana arvalis) dürften die im Frühjahr vorhandenen temporären Wassersenken zur Fortpflanzung und zum Erhalt der Population ausreichen.
Der Eremit (Osmoderma eremita) hat im NSG Schleesen ein kleines Vorkommen und auch vom Hirschkäfer (Lucanus cervus) gibt es aktuelle Nachweise. Angebliche Funde vom Heldbock (Cerambyx cerdo) beruhen vermutlich auf einem Irrtum.

Literatur: 207, 212, 263, 287, 299, 415

verändert nach:

Jentzsch, M. und Reichhoff, L. (2013): Handbuch der FFH-Gebiete Sachsen-Anhalts. Hrsg. Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt. Halle (Saale). 616 Seiten

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