Harslebener Berge und Steinholz nordwestlich Quedlinburg (FFH0084)

Harslebener Berge mit trockenen Heiden (LRT 4030) © RANA - Büro für Ökologie und NaturschutzHarslebener Berge mit trockenen Heiden (LRT 4030) © RANA - Büro für Ökologie und Naturschutz

Größe [ha]: 261
Landkreise und kreisfreie Städte: Harz
Verwaltungseinheiten:Verbandsgemeinde Vorharz; Einheitsgemeinde Stadt Quedlinburg; Einheitsgemeinde Stadt Thale

Gebietsbeschreibung

Das FFH-Gebiet, im „Nördlichen Harzvorland“ zwischen Quedlinburg und Langenstein gelegen, besteht im Wesentlichen aus zwei Teilen, dem bewaldeten Steinholz und den ehemals waldfreien Harslebener Bergen in einer Höhenlage von 132 bis 205 m ü. NN. Die Nordhänge wurden zwischen 1955 und 1965 teilweise aufgeforstet. Das Gebiet, welches geologisch aus Sandsteinen der Oberkreide besteht, ist ein charakteristischer Teil der Schichtrippenlandschaft des nördlichen Harzvorlandes. In den Senken tritt Plänerkalk zutage. Die Südhänge sind überwiegend steil und werden von Sandböden eingenommen, die Kuppen und Nordhänge sind partiell von einer unterschiedlich mächtigen Lössdecke überlagert.

Ausgewählte Arten nach Anhang IV der FFH-RichtlinieTextfeld öffnenTextfeld öffnen

Lebensraumtypen und Flora

Die Trockenrasen entsprechen großflächig dem FFH-LRT 6210 Kalk-Trockenrasen (*orchideenreiche Bestände) (46 ha). In den Harslebener Bergen sind der Esparsetten-Trespen-Halbtrockenrasen und der Enzian-Schillergras-Halbtrockenrasen ausgeprägt. Über stärkeren Lössdecken gehen diese Gesellschaften auch in die Mädesüß-Wiesenhafer-Gesellschaft über. Hier wachsen unter anderem Bienen-Ragwurz (Opyrys apifera), Dreizähniges Knabenkraut (Orchis tridentata) und Weiße Waldhyazinthe (Platantera bifolia). Hervorzuheben ist das Vorkommen der Sand-Silberscharte (Jurinea cyanoides) als Art nach Anhang II der FFH-Richtlinie. Weitere typische Arten des Lebensraums sind Wundklee (Anthyllis vulneraria), Sichelblättriges Hasenohr (Bupleurum falcatum), Frühlings-, Blaugrüne und Erd-Segge (Carex caryophyllea, C. flacca, C. humilis), Fransen- und Deutscher Enzian (Gentianella ciliata, G. germanica). Bemerkenswert sind auch die reichen Vorkommen der Wiesen-Kuhschelle (Pulsatilla pratensis) und der Goldhaar-Aster (Aster linosyris). In lückigen Beständen ist die bunte Erdflechten-Gesellschaft ausgebildet.
Der FFH-LRT 6240* Steppen-Trockenrasen (4 ha) wird durch Federgräser bestimmt und wächst auf den wärmsten Lagen der Südhänge. Charakteristische Arten sind Frühlings-Adonisröschen (Adonis vernalis), Dänischer Tragant (Astragalus danicus), Graue Skabiose (Scabiosa canescens) und die Federgräser Stipa pennata, S. pulcherrima und S. tirsa. Die Bestände des FFH-LRT 6120* Kalkreiche Sandrasen (3 ha) sind mit den Heiden eng verzahnt. Leitarten dieser Gesellschaft sind Ohrlöffel-Leimkraut (Silene otites), Rispen-Flockenblume (Centaurea stoebe) und Großer Knorpellattich (Chondrilla juncea). Von den Flechten sind die Arten Cladonia furcata und Peltigera rufescens bemerkenswert.
Der FFH-LRT 4030 Trockene Heiden (25 ha) in den Ausprägungsformen der Ginster-Heidekraut- und Wolfsmilch-Heidekraut-Heide besiedelt relativ arme Sandstandorte sowohl in Hang- als auch in Plateaulage. Neben den namengebenden Arten sind Pillen-Segge (Carex pilulifera), Dreizahn (Danthonia decumbens) und Schafschwingel (Festuca ovina) typisch. Besonders am Theken- und Hinterberg wird diese gegenwärtig von der invasiv auftretenden, neophytischen Moosart Campylopus introflexus verdrängt.
Kleinflächig ist der FFH-LRT 8230 Silikatfelsen mit Pioniervegetation (1 ha) entwickelt. Charakteristische Arten sind beispielsweise Astlose Graslilie (Anthericum liliago), Finger-Steinbrech (Saxifraga tridactylitis) und Sand-Thymian (Thymus serpyllum).

Die Wälder werden durch Bestände des FFH-LRT 9170 Labkraut-Eichen-Hainbuchenwald (56 ha) auf der Lössbraunerde des Steinholzes geprägt. Übergänge zum Fingerkraut-Eichen-Trockenwald sind nicht selten. Die Eichen-Waldgesellschaften wurden in der Vergangenheit durch Mittelwald- und Hutewaldwirtschaft gefördert. In der Bodenvegetation finden sich Maiglöckchen (Convallaria majalis), Buschwindröschen und Gelbes Windröschen (Anemone nemorosa, A. ranunculoides), Nickendes Perlgras (Melica nutans) und Diptam (Dictamnus albus). Floristisch hervorzuheben ist das Vorkommen des seltenen und nur sehr zerstreut vorkommenden Schmalblättrigen Lungenkrautes (Pulmonaria angustifolia). In den letzten Jahrzehnten sind u. a. die Populationen des Frauenschuhs (Cypripedium calceolus) als Art des Anhangs II der FFH-Richtlinie und des Holunder-Knabenkrautes (Dactylorhiza sambucina) erloschen.

Fauna

Im Zuge der in den letzten Jahren zu konstatierenden, vom Harz ausgehenden, Ausbreitung der Wildkatze (Felis silvestris) kommt die Art auch regelmäßig im Gebiet vor. Fledermausarten, vor allem Fransenfledermaus (Myotis nattereri) und Braunes Langohr (Plecotus auritus), nutzen ehemalige militärische Liegenschaften als Winterquartiere. In den Sommermonaten ist vor allem das Auftreten des Kleinabendseglers (Nyctalus leisleri) und der Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus) Wert zu erwähnen. Großes Mausohr sowie Fransen-, Brandt- und Bartfledermaus (Myotis myotis, M. nattereri, M. brandtii, M. mystacinus) nutzen das Gebiet nur zur Nahrungssuche.
In den Trockenrasen und auf Felsen werden Zauneidechse (Lacerta agilis) und Schlingnatter (Coronella austriaca) beobachtet.
Am Rande des Gebietes kommt die Kreuzkröte (Bufo calamita) auf Feuchtflächen vor.
Die Insektenfauna des Gebietes ist gut untersucht. So wurden mehr als 200 Schmetterlingsarten festgestellt, darunter mehrere Arten an der Nordgrenze ihrer Verbreitung. Seit 1905 bis zum Jahr 2000 gab es vereinzelte Nachweise der Spanischen Flagge (Euplagia quadripunctaria). Heute kommt die Art im Gebiet häufig vor.

Literatur: 30, 56, 79, 117, 160, 203, 207, 212, 264, 520

verändert nach:

Jentzsch, M. und Reichhoff, L. (2013): Handbuch der FFH-Gebiete Sachsen-Anhalts. Hrsg. Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt. Halle (Saale). 616 Seiten

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