Ringelsdorfer-, Gloine- und Dreibachsystem im Vorfläming (FFH0055)

Dreibach im NSG "Magdeburgerforth" © Antje RößlerDreibach im NSG "Magdeburgerforth" © Antje Rößler

Größe [ha / km]: 294 / 29
Landkreise und kreisfreie Städte: Jerichower Land
Verwaltungseinheiten:Einheitsgemeinde Stadt Möckern; Einheitsgemeinde Stadt Genthin

Gebietsbeschreibung

Zum FFH-Gebiet, das im Übergangsbreich vom „Hochfläming“ zum „Burger Vorfläming“ liegt, gehören die Verläufe des Gloinebaches, des Dreibaches und des Ringelsdorfer Baches sowie die beiden überwiegend bewaldeten Teilgebiete Magdeburgerforth und Ringelsdorf.

Ausgewählte Arten nach Anhang II der FFH-RichtlinieTextfeld öffnenTextfeld öffnen

Lebensraumtypen und Flora

Über 80% des Gebietes werden von Wald eingenommen. Den größten Anteil an der Wald-LRT-Fläche besitzt der FFH-LRT 9110 Hainsimsen-Buchenwald (48 ha) in der artenarmen Ausbildung des Drahtschmielen-Buchen-Waldes mit Behaarter Hainsimse (Luzula pilosa) und Pillen-Segge (Carex pilulifera). Er besiedelt höher gelegene, lehmig-sandige Plateaus und flache Hanglagen am Rand oder außerhalb der Niederungen und tritt in einigen Fällen in Kombination mit dem FFH-LRT 9190 Eichenwälder auf Sandebenen (6 ha) auf.
Im NSG „Magdeburgerforth“ kommt es aufgrund örtlich kleinflächig wechselnder standörtlicher Verhältnisse insbesondere in hängigen Bereichen zu der Erscheinung, dass abrupte Übergänge zu den FFH-LRT 91D0* Moorwäldern (1,9 ha) oder zu Bachtälchen mit FFH-LRT 91E0* Erlen-Eschenwald (10 ha) auftreten. In Letzteren sind Sumpffarn (Thelypteris palustris), Königsfarn (Osmunda regalis) und Sumpf-Pippau (Crepis paludosa) bemerkenswert. Die Moorwälder mit Vorkommen von Torfmoosen (Sphagnum fallax, S. palustre, S. squarrosum) kommen auf Moorstandorten mit dauerhaft sehr hohen Grundwasserständen bzw. auf Hang-Quellmooren vor. Die kleinflächige Ausbildung vieler dieser Wälder entspricht einerseits den natürlichen Gegebenheiten, andererseits haben aber auch Grundwasserabsenkungen und Umwandlungen der ursprünglichen Moorwälder in Forsten zur Verinselung geführt.
Im Gebiet treten auch Bestände des FFH-LRT 9160 Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwald (8 ha) auf.

Bei den Gewässern stellen Bäche mit dem FFH-LRT 3260 Flüsse mit Wasservegetation (14 ha) ein Charakteristikum des FFH-Gebietes dar. Der Lebensraumtyp ist in allen drei Bachsystemen mit ihren abschnittsweise naturnahen Verläufen und Mäanderbögen ausgebildet. Der Gloinebach weist die meisten solcher Bereiche auf.
Entlang der Fließgewässer wurden Flächen mit dem FFH-LRT 6430 Feuchte Hochstaudenfluren (1,3 ha) festgestellt. Unterschiedliche Beeinträchtigungen, wie Begradigungen, angrenzende Ackernutzung, Uferausbau oder Beschattung des Gewässers, sind augenfällig. Durch Querbauwerke, wie Staue oder Sohlabstürze, wird zudem die ökologische Durchgängigkeit der Fließgewässer unterbrochen.
Zwei aufgestaute Gewässer im Bereich des Gloinebaches südlich Dörnitz gehören wegen der reichlich vorhandenen kennzeichnenden Stillgewässervegetation und überwiegend naturnaher Uferbereiche zum FFH-LRT 3150 Natürliche eutrophe Stillgewässer (3 ha).

Im westlichen Teil des NSG „Ringelsdorf“ kommt auf oligotrophem Standort einer ehemaligen Abgrabungsfläche der FFH-LRT 6410 Pfeifengraswiesen (0,5 ha) vor.

Fauna

Biber (Castor fiber) und Fischotter (Lutra lutra) leben im FFH-Gebiet, wobei das gesamte Gewässersystem zum Habitat beider Arten gehört. Daneben wurden Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus) und Großes Mausohr (Myotis myotis) nachgewiesen, für die die Waldflächen des Gebietes wichtige Jagdhabitate darstellen.
Der Hirschkäfer (Lucanus cervus) siedelt zumindest im Teilgebiet Ringelsdorf, wo ihm Alteichen und die vorhandenen Baumstubben eine gute Habitatqualität bieten. In einem naturnahen Abschnitt des Dreibaches befindet sich ein Habitat der Grünen Flussjungfer (Ophiogomphus cecilia).
Weiterhin hat das Gebiet eine besondere Bedeutung als langjähriger Brutplatz des Schwarzstorches (Ciconia nigra).

Literatur: 51, 207, 212, 258

verändert nach:

Jentzsch, M. und Reichhoff, L. (2013): Handbuch der FFH-Gebiete Sachsen-Anhalts. Hrsg. Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt. Halle (Saale). 616 Seiten

Links / Dokumente

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