Wulfener Bruch und Teichgebiet Osternienburg (SPA0015)

Osternienburger Teiche © Stefan Ellermann (LAU)Osternienburger Teiche © Stefan Ellermann (LAU)

Größe [ha]:2.258
Landkreise und kreisfreie Städte:Anhalt-Bitterfeld
Verwaltungseinheiten: Einheitsgemeinde Stadt Aken (Elbe); Einheitsgemeinde Stadt Barby; Einheitsgemeinde Osternienburger Land

Gebietsbeschreibung

Das EU SPA Wulfener Bruch und Teichgebiet Osternienburg befindet sich südöstlich und räumlich eng benachbart zum EU SPA Mittlere Elbe einschließlich Steckby-Lödderitzer Forst. Es liegt ca. 6 km nördlich von Köthen im Landkreis Anhalt-Bitterfeld und wird von den Orten Diebzig, Lödderitz, Mennewitz und Elsnigk im Osten, bzw. Osternienburg, Micheln und Wulfen im Westen umgeben. Das Gebiet lässt sich landschaftlich in drei Teile gliedern, den Diebziger Busch im Norden, die Wulfener Bruchwiesen sowie die sich südlich anschließenden Osternienburger Teiche.

Das EU SPA wurde bereits im Jahr 2000 als EU-Vogelschutzgebiet ausgewiesen. 2003 wurde die Fläche noch etwas vergrößert. Das Gebiet ist Teil des Biosphärenreservates Mittelelbe. Etwa die Hälfte der Fläche ist auch als FFH-Gebiet gemeldet. Mit dem Diebziger Busch, den Wulfener Bruchwiesen und dem Neolith-Teich sind wesentliche Gebietsteile auch als NSG ausgewiesen.

Das Gebiet ist dem Naturraum Elbe-Mulde-Tiefl­and, genauer dem Elbe-Elster-Tie­fland zuzuordnen. Im Südosten geht es über in die Köthener Ebene im östlichen Harzvorland. Als Landschaftseinheiten sind im Gebiet das Dessauer Elbetal sowie im Süden das Köthener Ackerland und die Mosigkauer Heide vertreten. Die Böden der nördlichen Gebietsteile befinden sich größtenteils auf Flussschottern sowie Auensanden und -lehmen. Die Osternienburger Teiche entstanden durch Absenkungen des Untertageabbaus von Braunkohle. Diese Bergbaufolgegewässer prägen im Süden das Erscheinungsbild des EU SPA. Die über 30 Teiche sind zwischen 1 und 50 ha groß und umgeben von ausgedehnten Schilf- und Röhrichtsäumen (TODTE 2005). Eines der größten Gewässer ist neben dem Lobitzsee und dem Schachtteich der als NSG unter Schutz gestellte Neolith-Teich, eines der bedeutendsten Rastgewässer für nordische Gänsearten in Sachsen-Anhalt. Der maximal 2 m tiefe Neolith-Teich wird vom Landgraben gespeist und entwässert und weist infolge von Abwassereinleitungen in den Graben einen hohen Salzgehalt sowie eine hohe Nährstoffbelastung auf.

Nördlich daran anschließend befinden sich die weitläufigen Wulfener Bruchwiesen. Bis weit in das 19. Jahrhundert gehörte das Gebiet zum Überflutungsraum der Elbe. Seit der Eindeichung erreichen Hochwässer das Gebiet nicht mehr, jedoch wurde - infolge des geringen Gefälles und eines ganzjährig flurnahen Grundwasserstandes - hier auch später meist nur extensive Grünlandnutzung betrieben. Erst in den 1970er Jahren führten Entwässerungsmaßnahmen und Grünlandumbruch zu drastischen Veränderungen des Wasserhaushaltes und einer Intensivierung der Nutzung, in deren Folge die zuvor bedeutenden Wiesenbrüterbestände zusammenbrachen. Die starke Grundwasserabsenkung (ca. 1 m) ermöglichte auch den Umbruch von Grünland zur Nutzung als Ackerland (DARMER et al. 1998). Bis heute befinden sich im Süden und Norden des Bruches Ackerflächen. Die intensiv genutzten Grünlandflächen werden stark über den Landgraben entwässert. Im Frühjahr und Herbst sind zwar teils noch relativ hohe Grundwasserstände zu verzeichnen, jedoch reichen diese für die Erhaltung oder Entwicklung artenreichen Feucht- und Wechselfeuchtgrünlandes nicht aus. Hinzu kommen in den Sommermonaten lange Trockenperioden mit sehr niedrigen Grundwasserständen (MANN & TISCHEW 2010). Die Vegetation reicht derzeit von landwirtschaftlich genutzten Wiesen mit Honiggras- oder Fuchsschwanzgesellschaften, über Flutrasen, Röhrichte und Seggenriede in feuchten Senken bis zu Hochstaudenfluren und Pflanzengesellschaften der Fließgewässer. Einzelne Feldgehölze und Gebüschreihen strukturieren das Gebiet zusätzlich.

Um weitere Beeinträchtigungen der Bruchwiesen durch intensive großflächige Nutzung sowie Meliorationsmaßnahmen zu verhindern, wurden seit 1994 von Umweltorganisationen sukzessive mehrere hundert Hektar im Wulfener Bruch erworben. Neben der Anhebung des Wasserstandes und einer angepassten Bewirtschaftung ist ein weiteres Ziel die Umwandlung von Ackerflächen in Feuchtgrünland, um die beiden Teile des NSG Wulfener Bruchwiesen miteinander zu verbinden. Im Jahre 1999 begann der NABU-Kreisverband Köthen auf zunächst 13 ha Heckrinder zu halten. Das Beweidungsprojekt wurde nach und nach auf weitere Flächen ausgedehnt, die Herde vergrößert und um Przewalski-Pferde und Koniks erweitert. Der Einfluss der Weidetiere auf die nur in geringer Dichte vorkommenden Gehölze ist sehr stark. Auch ist auf den Extensivweiden eine Veränderung der Pflanzenbestände zu krautigen Arten bei deutlichem Zurückdrängen von Süßgräsern zu beobachten. Die Anzahl gefährdeter Arten auf den Weideflächen ist höher als auf naturschutzgerecht gemähten Wiesen.

Der sich im Norden anschließende Diebziger Busch besitzt wertvolle Altholzbestände innerhalb einer noch teilweise vorhandenen Hartholzaue. Dominiert wird der Wald von Stieleiche, Feldahorn und Flatterulme. Auf trockeneren Standorten dominiert Stieleichenwald mit beigemischten Hainbuchen oder Birken, der teils in Kiefernforste umgewandelt wurde. Auf sehr feuchten oder anmoorigen Standorten in der Nähe der durchfließenden Taube kommt ein erlenreicher Eschenwald vor.

Bedeutung als Vogelschutzgebiet

Mit einer hohen Artenvielfalt und teilweise auch Individuenzahl gefährdeter Vogelarten ist das EU SPA Wulfener Bruch und Teichgebiet Osternienburg ein bedeutendes EU-Vogelschutzgebiet Sachsen-Anhalts. Schilfbewohner und andere Arten der Feuchtgebiete finden hier ebenso einen Lebensraum wie Waldarten und Offenlandarten (TODTE 2005).

Brutvögel

Die vielen Teiche des Gebietes sind Lebensraum von Rohrdommel und Zwergdommel, die beide mit beachtlichen Beständen vorkommen (TODTE 2005). Für beide Arten ist das EU SPA eines der fünf bedeutendsten Brutgebiete Sachsen-Anhalts. Die höchste Zahl an Revieren der Zwergdommel konnte im Jahr 2006 mit 16 Revieren festgestellt werden (FISCHER & DORNBUSCH 2007). Damit beherbergt das EU SPA einen Anteil von ca. 23 % am Landesbestand und stellt das wichtigste Brutgebiet für die Art im Land dar. Die 9 Reviere der Rohrdommel (TODTE 2005) stellen ebenfalls einen beachtlichen Anteil am Landesbestand (10 %) dar.

Im Teichgebiet brütet auch die Rohrweihe in hoher Dichte. Auch für diese Art ist das Gebiet eines der Top-5-Gebiete. Weitere Greifvogelarten im EU-Vogelschutzgebiet sind Rotmilan und Schwarzmilan (TODTE 2005). Die Wiesenweihe konnte in den letzten Jahren mehrmals nachgewiesen werden, 2005 mit 1 BP (FISCHER & DORN BUSCH 2006). Der Kranich ist regelmäßiger Brutvogel mit einem Paar. Wachtelkönig und Tüpfelsumpfhuhn kommen nicht alljährlich jeweils mit 1 bis 4 Rufern im Gebiet vor. Seltene aber dennoch regelmäßige Brutvögel der Teiche sind Knäkente, Löffelente, Rothals- und Schwarzhalstaucher, die beiden letzteren jedoch nicht alljährlich.

Der Neolith-Teich ist ein charakteristischer Brutstandort für den Drosselrohrsänger, der dort mit 10 BP und im gesamten EU SPA mit 70 BP vorkommt (TODTE 2005). Damit stellt das EU SPA für diese Art eines der wichtigsten Vorkommensgebiete Sachsen-Anhalts dar (GEORGE et al. 2004). Die Ackerflächen am Rande des Wulfener Bruchs, in den letzten Jahren auch wieder die Wiesenflächen innerhalb, sind Brutstandorte für den Kiebitz. Der Große Brachvogel hat sein Brutvorkommen nach drastischem Rückgang inzwischen aufgegeben und kommt alljährlich nur noch auf dem Durchzug vor. Beide Arten waren einst verbreitete Charakterarten des Wulfener Bruchs, mussten jedoch durch zunehmende Trockenlegung und Nutzungsintensivierung starke Bestandseinbußen hinnehmen (ROCHLITZER 1993). Während 1971 zum Beispiel noch 175 Kiebitzpaare im Bruch brüteten, beläuft sich der aktuelle Bestand für den Kiebitz auf 17 BP (TODTE 2005). Das Waldgebiet NSG Diebziger Busch ist Lebensraum von Rotmilan, Schwarzmilan, Wespenbussard, Schwarzspecht und Mittelspecht sowie im Randbereich auch vereinzelt von der Heidelerche (TODTE 2005). In den 1980er Jahren brütete hier auch der Schwarzstorch.

Rastvögel

Neben seiner herausragenden Bedeutung als Brutgebiet stellt das EU SPA Wulfener Bruch und Teichgebiet Osternienburg auch ein bedeutendes Rastgebiet für zahlreiche Wat- und Wasservogelarten dar. Mit über 15.000 Individuen finden sich hier regelmäßig mehr als 1 % der biogeografischen Population der Saatgans ein. Auch die Rastbestände der Blässgans sind mit 12.000 Individuen und damit mehr als 1 % der Flyway-Population bemerkenswert. Unter den zahlreichen rastenden Limikolenarten ist insbesondere der Kiebitz zu nennen. Alljährlich rasten mehr als 3.000 Kiebitze im Gebiet. Ebenfalls tritt das Blässhuhn mit über 1.000 Individuen auf. Der Kranich rastet mit über 500 Individuen. Die Gewässer sind weiterhin Rastplatz zahlreicher Enten- und Möwenarten. Besonders hoch sind die Bestände von Stock-, Löffel-, Tafel- und Reiherente. Aber auch Meeresenten wie Samtente und Trauerente konnten hier zur Zugzeit schon nachgewiesen werden. Bemerkenswert sind auch Ansammlungen von aktuell bis zu 10.000 Rauch- und Uferschwalben, die die Röhrichte der Teiche als Schlafplatz nutzen.

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