Jävenitzer Moor (FFH0027)

Jävenitzer Moor © Michaela RehseJävenitzer Moor © Michaela Rehse

Größe [ha]: 508
Landkreise und kreisfreie Städte: Altmarkkreis Salzwedel
Verwaltungseinheiten:Einheitsgemeinde Hansestadt Gardelegen

Gebietsbeschreibung

Das Jävenitzer Moor liegt etwa 4 km östlich von Gardelegen am Nordrand der Colbitz-Letzlinger Heide in der Landschaftseinheit „Altmarkheiden“. Das Gebiet lieg in einer sehr flachen Mulde des leicht welligen Geländes einer sandig-kiesigen Hochflächenbildung der Saalekaltzeit. In einer abflusslosen Senke dieser pleistozänen Ablagerungen entstand das Moor. Hinsichtlich der Moorgenese handelt es sich um ein mesotroph-saures Zwischenmoor, das in mehreren Quellzonen als Hang-Überrieselungsmoor ausgebildet ist.

Lebensraumtypen und Flora

Durch die seit Jahrhunderten währenden Entwässerungsmaßnahmen, die zur Anlage eines weitverzweigten und bis in den Mineralboden eingreifenden Grabensystems führten, sind weite Teile des Moores degradiert. Moorsackungen, Torfbrände und der Verlust der moortypischen Vegetation sowie die Ausbildung trockener, artenarmer Pfeifengras-Birken-Wälder sind die Folge.
Auf den ehemaligen Abtorfungsflächen aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts regeneriert sich kleinflächig die Zwischenmoorvegetation des FFH-LRT 7140 Übergangs- und Schwingrasenmoore (1,8 ha), die eng verzahnt ist mit dem Schnabelseggenried des FFH-LRT 7150 Torfmoor-Schlenken (0,1 ha). Charakteristische Arten sind die Torfmoose Sphagnum cuspidatum, S. magellanicum, S. papillosum, S. fallax und S. angustifolium sowie Schmalblättriges Wollgras (Eriophorum angustifolium), Moosbeere (Oxycoccus palustris), Rundblättriger Sonnentau (Drosera rotundifoliua), Weißes Schnabelried (Rhynchospora alba), Zwiebel-Binse (Juncus bulbosus) und Faden-Segge (Carex lasiocarpa). Der Mittlere Sonnentau (Drosera intermedia), der hier landesweit sein einziges Vorkommen hat, besiedelt nackte Torfschlammflächen in beeindruckender Individuendichte. Stärkeren Mineralbodenwassereinfluss zeigen minerotraphente Arten wie Wassernabel (Hydrocotyle vulgaris), Gemeiner Gilbweiderich (Lysimachia vulgaris), Breitblättriger Rohrkolben (Typha latifolia), Flatter-Binse (Juncus effusus) und auch Schilf (Phragmites australis) an.

Der FFH-LRT 3160 Dystrophe Seen und Teiche (0,7 ha) siedelt in zwei Torfstichen. Seine charakteristische Artausstattung umfasst Kleinen und Mittleren Wasserschlauch (Utricularia minor, U. intermedia agg.), Zwiebel-Binse (Juncus bulbosus), Mittleren Sonnentau (Drosera intermedia) und das Torfmoos Sphagnum fallax.

Auf einer abgetorften und verhältnismäßig trockenen Fläche bauen Glocken- und Besen-Heide (Erica tetralix, Calluna vulgaris) eine Feuchtheide auf, die zum FFH-LRT 4010 (1,8 ha) gestellt wird. Neben einigen noch vorhandenen moortypischen Arten, wie Rundblättrigem Sonnentau (Drosera rotundifolia), Schmalblättrigem Wollgras (Eriophorum angustifolium) und Moosbeere (Oxycocus palustris), dringen Gehölzarten und Schilf in die Flächen ein und gefährden den Fortbestand des LRT. Die Moosschicht enthält neben den Torfmoosen Sphagnum fallax und S. palustre auch Aulacomnium palustre und Polytrichum commune.

Moorwälder
des FFH-LRT 91D0* (< 0,5 ha) sind ebenfalls nur noch kleinflächig ausgebildet. Typische Gehölzarten sind Moor-Birke (Betula pubescens), Faulbaum (Frangula alnus) sowie Wald-Kiefer (Pinus sylvestris). Sumpfporst (Ledum palustre), Glockenheide (Erica tetralix), Schmalblättriges Wollgras (Eriophorum angustifolium) und die Moosart Aulacomnium palustre charakterisieren die Bodenvegetation. Austrocknungs- und Degradationsstadien werden durch Pfeifengras (Molinia cerulea), Heidel- und Preiselbeere (Vaccinium myrtillus, V. vitis-idaea) angezeigt. Floristisch interessant ist das Auftreten des Knöterichblättrigen Laichkrauts (Potamogeton polygonifolius) in den Entwässerungsgräben. Die Art bildet hier dicht schließende Bestände aus.
Der FFH-LRT 9190 Eichenwälder auf Sandebenen (22 ha) ist im Gebiet als Pfeifengras-Eichen-Wald mit Stiel-Eiche (Quercus robur), Hänge- und Moor-Birke (Betula pendula, B. pubescens) sowie Faulbaum (Rhamnus frangula) ausgeprägt. In einigen Flächen beeinträchtigt die Spätblühende Traubenkirsche (Prunus serotina) den LRT in erheblichem Maße. Acidophile Arten wie Heidelbeere (Vaccinium myrtillus), Adlerfarn (Pteridium aquilinum), Draht-Schmiele (Deschampsia flexuosa), Wiesen-Wachtelweizen (Melampyrum pratense), Pillen-Segge (Carex pilulifera), Rot-Straußgras (Agrostis capillaris) und Behaarte Hainsimse (Luzula pilosa) prägen die Feldschicht.
Der FFH-LRT 9110 Hainsimsen-Buchenwald (0,4 ha) ist aus einem mit Rotbuche (Fagus sylvatica) unterbauten Stiel-Eichen (Quercus robur)-Bestand hervorgegangen. Die Bodenvegetation ist weitgehend ausgedunkelt und mit Heidelbeere (Vaccinium myrtillus) und Pillen-Segge (Carex pilulifera) artenarm.

Fauna

Gewässer und höhlenreiche Altholzbestände fördern das Auftreten mehrerer Fledermausarten, wie z. B der Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus).
In trockenen Randlagen des Gebietes siedelt vereinzelt die Schlingnatter (Coronella austriaca), die vermutlich aus der benachbarten Colbitz-Letzlinger Heide hierher gelangt ist. Die Zauneidechse (Lacerta agilis) kommt ebenfalls im Jävenitzer Moor vor.
Der Moorfrosch (Rana arvalis) besiedelt mit einer großen Population die Torfstichgewässer. Erstmals wurde der Kleine Wasserfrosch (Rana lessonae) nachgewiesen. Zoogeographisch bedeutsam sind die Funde des Bergmolches (Triturus alpestris), der hier eines der wenigen Vorkommen in der Altmark besitzt
Im Jahr 2007 wurden bei Untersuchungen im Gebiet 35 Libellenarten, darunter die deutschlandweit vom Aussterben bedrohte Scharlachlibelle (Ceriagrion tenellum), nachgewiesen. Weiterhin vorkommende Insektenarten sind die Große Moosjungfer (Leucorrhinia pectoralis) und der Hirschkäfer (Lucanus cervus). Trotz zahlreicher potenzieller Brutbäume fehlen vom Heldbock (Cerambyx cerdo) bisher gesicherte Nachweise. Die Besiedlung des Gebietes durch die Art von der Colbitz-Letzlinger Heide aus, wo individuenreiche Populationen vorhanden sind, ist aber sehr wahrscheinlich.
Das Gebiet ist Teil des großflächigen EU SPA „Colbitz-Letzlinger Heide“. Die hier bis Ende der 1990er Jahre noch existente Population des Birkhuhnes (Tetrao tetrix) scheint inzwischen vollständig erloschen zu sein. Auf Grund der Wasserdefizite im Gebiet findet der Kranich (Grus grus) nur noch sehr kleinräumig geeignete Bruthabitate.

Literatur: 15, 65, 207, 212, 264, 269, 279, 309, 402, 403, 494

verändert nach:

Jentzsch, M. und Reichhoff, L. (2013): Handbuch der FFH-Gebiete Sachsen-Anhalts. Hrsg. Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt. Halle (Saale). 616 Seiten

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