Kleingewässer westlich Werlberge (FFH0280)

Dystrophe Seen und Teiche (LRT 3160) © RANA - Büro für Okologie und NaturschutzDystrophe Seen und Teiche (LRT 3160) © RANA - Büro für Okologie und Naturschutz

Größe [ha]: 49
Landkreise und kreisfreie Städte: Börde
Verwaltungseinheiten:Verbandsgemeinde Elbe-Heide

Gebietsbeschreibung

Am Südostrand der „Altmarkheiden“ westlich von Tangerhütte liegt das FFH-Gebiet, in dem neben Heiden kleine, permanent Wasser führende Heideweiher wertgebend sind.

Ausgewählte Lebensraumtypen nach Anhang I der FFH-RichtlinieTextfeld öffnenTextfeld öffnen

Lebensraumtypen und Flora

Im Gebiet zählen zwei kleine Heideweiher zum FFH-LRT 3160 Dystrophe Seen und Teiche (0,3 ha). Hier kommen ausgedehnte Torfmoos-Watten zusammen mit Zwiebel-Binse (Juncus bulbosus) sowie Knöterich- und Schwimmendem Laichkraut (Potamogeton polygonifolius, P. natans) vor. Die Ufer sind von einem geschlossenen Saum aus Torfmoos (Sphagnum spec.), Blasen-Segge (Carex vesicaria), Wassernabel (Hydrocharis vulgaris) und Flatter-Binse (Juncus effusus) bestanden.
Kleinflächig und in schlechter Ausprägung tritt der FFH-LRT 4030 Trockene Heiden (0,3 ha) auf.
Kleinflächig sind auch Wald-LRT ausgebildet. Der LRT 9190 Bodensaure Eichenwälder auf Sandebenen (3,5 ha) und der LRT 9110 Hainsimsen-Buchenwald (2 ha) stocken auf nährstoffarmen, grundwasserfernen bis -freien Sandstandorten. In beiden LRT überwiegen jüngere Altersphasen. Das Arteninventar ist mit Schlängel-Schmiele (Deschampsia flexuosa), Heidelbeere (Vaccinium myrtillus), Haar-Hainsimse (Luzula pilosa), Echtem Ehrenpreis (Veronica officinalis), Weichem Honiggras (Holcus mollis), Rot-Straußgras (Agrostis capillaris) sowie mehreren Kleinseggen-Arten (Carex pilulifera, C. arenaria, C. hirta, C. ovalis) standortbedingt recht artenarm aber typisch ausgeprägt. Das gelegentliche Auftreten des Pfeifengrases (Molinia caerulea) weist auf einen Grundwassereinfluss hin, das Landreitgras (Calamagrostis epigejos) ist als Störzeiger zu werten. Mit der Spätbühenden Traubenkirsche (Prunus serotina) hat ein Neophyt das Gebiet erreicht, der perspektivisch das Fortbestehen der Lebensraumtypen gefährden wird.

Fauna

Das Umfeld der Kleingewässer im Gebiet ist prädestiniert als Lebensraum für Fledermäuse. Mops- und Bechsteinfledermaus (Barbastella barbastellus, Myotis bechsteinii) nutzen das Gebiet als Nahrungshabitat. Hinzu kommen u. a. Fransen- und Zwergfledermaus (Myotis natteri, Pipistrellus pipistrellus) sowie Großer und Kleinabendsegler (Nyctalus noctula, N. leisleri), die regelmäßig nachweisbar sind.

In den naturnahen Kleingewässern findet der Kammmolch (Triturus cristatus) zusagende Bedingungen zur Fortpflanzung. Der Moorfrosch (Rana arvalis) besiedelt die Feuchtbereiche und nutzt im Frühjahr die Kleingewässer als Laichplatz, wo auch der Kleine Wasserfrosch (Rana lessonae) festgestellt wurde.

Im Gebiet kommen Große Moosjungfer (Leucorrhinia pectoralis), Heldbock (Cerambyx cerdo) und Hirschkäfer (Lucanus cervus) vor. Vom Heldbock konnte nur ein aktueller Brutbaum festgestellt werden. Von den derzeit bekannten Nachweisen der Großen Moosjungfer besteht hier im Gebiet das individuenreichste Reproduktionsgewässer in Sachsen-Anhalt. Im Jahre 2011 wurden an zwei kleinen Waldweihern jeweils über 20 Revier besetzende Männchen festgestellt. Zahlreiche Exuvienfunde belegen die erfolgreiche Reproduktion (J. Huth, mdl. Mitt. 2012).

Literatur: 76, 199, 264, 279, 401, 525

verändert nach:

Jentzsch, M. und Reichhoff, L. (2013): Handbuch der FFH-Gebiete Sachsen-Anhalts. Hrsg. Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt. Halle (Saale). 616 Seiten

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