Lappwald südwestlich Walbeck (FFH0028)

Naturschutzgebiet "Bachtäler des Lappwaldes" © Fred BraumannNaturschutzgebiet "Bachtäler des Lappwaldes" © Fred Braumann

Größe [ha]: 512
Landkreise und kreisfreie Städte: Börde
Verwaltungseinheiten:Verbandsgemeinde Flechtingen; Einheitsgemeinde Stadt Oebisfelde-Weferlingen

Gebietsbeschreibung

Im „Ohre-Aller-Hügelland“ erstreckt sich auf der Weferlinger Triasplatte das überwiegend bewaldete FFH-Gebiet „Lappwald“ zwischen Walbeck im Norden und Beendorf im Süden. Das Gebiet ist Teil des Grünen Bandes.

Lebensraumtypen und Flora

Die Erfassung der FFH-Lebensraumtypen im Gebiet ist noch nicht abgeschlossen. Es wurde aber bereits belegt, dass die Buchenwälder überwiegend als FFH-LRT 9110 Hainsimsen-Buchenwald (ca. 280 ha) und flächig untergeordnet als FFH-LRT 9130 Waldmeister-Buchenwald (ca. 30 ha) ausgebildet sind. Die Hainsimsen-Buchen-Wälder werden durch das Vorkommen von Schmalblättriger und Haar-Hainsimse (Luzula luzuloides, L. pilosa), Pillen-Segge (Carex pilulifera), Schlängel-Schmiele (Deschampsia flexuosa), Wiesen-Wachtelweizen (Melampyrum pratense), Schattenblümchen (Maianthemum bifolium), Wald-Sauerklee (Oxalis acetosella), Bleich-Segge (Carex pallescens) und den Moosen Polytrichum formosum sowie Leucobryum album charakterisiert. Dagegen treten in den Waldmeister-Buchen-Wäldern Waldmeister und Wald-Labkraut (Galium odoratum, G. sylvaticum), Wald-Zwenke (Brachypodium sylvaticum), Waldgerste (Hordelymus europaeus), Einblütiges Perlgras (Melica uniflora), Echtes Lungenkraut (Pulmonaria officinalis), Vielblütige Weißwurz (Polygonatum multiflorum), Frühlings-Platterbse (Lathyrus vernus) und Leberblümchen (Hepatica nobilis) auf.
Von den Eichen-Hainbuchen-Wäldern dominiert der FFH-LRT 9160 Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwald (ca. 210 ha), hinter den der FFH-LRT 9170 Labkraut-Eichen-Hainbuchenwald (ca. 25 ha) deutlich zurück tritt. Die auf feuchteren, oft auch sauren Standorten siedelnden Sternmieren-Eichen-Hainbuchen-Wälder kennzeichnen Arten wie Echte Sternmiere (Stellaria holostea) und Maiglöckchen (Convallaria majalis), zu denen schon die Arten der sauren Buchenwälder treten. In den Labkraut-Eichen-Hainbuchen-Wäldern erscheinen Wald-Labkraut (Galium sylvaticum), Einblütiges Perlgras (Melica uniflora), Ährige Teufelskralle (Phyteuma spicatum), Goldnessel (Lamium galeobdolon) und Wald-Veilchen (Viola reichenbachiana).
Bachbegleitend ist der FFH-LRT 91E0* Erlen-Eschenwälder (ca. 5 ha) ausgebildet.

In Standgewässern trifft man den FFH-LRT 3150 Eutrophe Seen (ca. 1 ha) i.d.R. in der Ausbildung von Wasserschweberbeständen an. Fließgewässer wie die Riole besiedelt der FFH-LRT 3260 Flüsse mit Wasservegetation (ca. 3 ha). Hier sind Sumpf-Wasserstern (Callitriche palustris agg.), Einfacher Igelkolben (Sparganium emersum), Bachbunge und Blauer Wasser-Ehrenpreis (Veronica beccabunga, V. anagallis-aquatica) zu erwarten.

Im Offenland und Gewässer begleitend kommen Bestände des FFH-LRT 6510 Magere Flachland-Mähwiesen (ca. 2 ha) und nur kleinflächig des FFH-LRT 6430 Feuchte Hochstaudenfluren (ca. 1 ha) vor.

Fauna

Der Fischotter (Lutra lutra) tritt nur unregelmäßig in der Riole auf. Das von Fließgewässern durchzogene, strukturreiche Waldgebiet stellt einen sehr guten Lebensraum für Fledermausarten dar. Vor allem Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus) aber auch Großes Mausohr (Myotis myotis) und Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii) kommen hier vor. Daneben sind aber auch Brandt-, Fransen- und Zwergfledermaus (Myotis brandtii, M. nattereri, Pipistrellus pipistrellus) zu nennen.

Die an Rotbuchen reichen Wälder des Lappwaldgebietes bieten dem in Sachsen-Anhalt seltenen Springfrosch (Rana dalmatina) günstige Lebensbedingungen. Als Laichplatz genügen oft recht kleine, wassergefüllte aber vegetationsreiche Senken. Weiterhin kommen Kammmolch (Triturus cristatus) und Kreuzkröte (Bufo calamita) vor.
Die Laubwälder des Ohre-Aller-Hügellandes mit ihren Bachtälern und Quellbereichen sind zudem eines der wenigen isolierten Vorkommensgebiete des Feuersalamanders (Salamandra salamandra) in Sachsen-Anhalt außerhalb des Harzes.

Die früheren Vorkommen von Heldbock (Cerambyx cerdo) und Hirschkäfer (Lucanus cervus) bestehen offenbar aktuell im Gebiet nicht mehr.

Literatur: 207, 212, 253, 264, 279, 493, 511, 526

verändert nach:

Jentzsch, M. und Reichhoff, L. (2013): Handbuch der FFH-Gebiete Sachsen-Anhalts. Hrsg. Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt. Halle (Saale). 616 Seiten

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