Alter Stolberg und Heimkehle im Südharz (FFH0100)

Höhle "Heimkehle" © Axel StäubertHöhle "Heimkehle" © Axel Stäubert

Größe [ha]: 88
Landkreise und kreisfreie Städte: Mansfeld-Südharz
Verwaltungseinheiten:Einheitsgemeinde Stadt Südharz

Gebietsbeschreibung

Das aus drei Teilgebieten bestehende FFH-Gebiet nimmt den Nord- und Ostabfall des Alten Stolberges im Zechsteingürtel des „Südlichen Harzrandes“ ein. Es ist Teil des Biosphärenreservates „Karstlandschaft Südharz“. Eine reiche Karstmorphologie mit Erdfällen, Dolinen, Ponoren, Runsen und Quellköpfen zeichnet es aus.

Lebensraumtypen und Flora

Das markanteste Element ist die 2 km lange und bis zu 22 m hohe „Heimkehle“, eine im vergipsten Anhydrit entstandene Durchflusshöhle (FFH-LRT 8310 Touristisch nicht erschlossene Höhlen).

Der FFH-LRT 9130 Waldmeister-Buchenwald (9 ha) nimmt nährstoffreiche, frische Standorte ein. Dominierende Baumart ist die Rotbuche (Fagus sylvatica), die von den Eichen-Arten (Quercus petraea, Q. robur) sowie Gemeiner Esche (Fraxinus excelsior), Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus) und Vogelkirsche (Prunus avium) begleitet wird. Kennzeichnende Arten der Krautschicht dieser Waldgesellschaft sind neben Waldmeister (Galium odoratum) und Wald-Gerste (Hordelymus europaeus) Gelbe Anemone (Anemone ranuncoloides), Gefleckter Aronstab (Arum maculatum) und Seidelbast (Daphna mezereum). Auf betont frischen Böden treten Bärlauch (Allium ursinum) und Märzenbecher (Leucojum vernum) hinzu. Verhagerte Gipskuppen tragen den FFH-LRT 9150 Orchideen-Buchenwald (6 ha). Als typische Orchideen kommen Weißes und Rotes Waldvögelein (Cephalanthera damasonium, C. rubra) sowie mehrere Sitter-Arten (Epipactis helleborine, E. microphylla, E. leptochila) vor. Der FFH-LRT 9170 Labkraut-Eichen-Hainbuchenwald (5 ha) ist als Ersatzgesellschaft der Buchenwälder ausgebildet. Neben den namengebenden Arten finden sich u. a. Winter-Linde (Tilia cordata) und Elsbeere (Sorbus torminalis) im Bestand. In der Bodenvegetation sind Schwalbenwurz (Vincetoxicum hirundinaria) und Schwarze Platterbse (Lathyrus niger) typisch. Steilhänge, Dolinen und alte Erdfälle sind Standorte des FFH-LRT 9180* Schlucht- und Hangmischwälder (8 ha). Ein feucht-kühles Mikroklima fördert hier die Ausbildung einer Moos- und Farnvegetation. Der LRT 91E0* Erlen- Eschenwälder (4 ha) hat sich abschnittsweise entlang der Thyra und des Krebsbaches entwickelt.

Gehölzfreie Abschnitte entlang des Thyralaufes werden von Feuchten Hochstaudenfluren des FFH-LRT 6430 (1,5 ha) besiedelt. Der westliche Teil des Schloßteiches ist mit seiner Röhrichtzone als FFH-LRT 3150 Eutrophe Seen (2 ha) in das Gebiet mit einbezogen.

Fauna

Die Heimkehle gehört zu den bedeutendsten Fledermausquartieren im Harz. Sowohl in der Schwärmphase als auch als Paarungs- und Winterquartier hat sie eine überregionale Bedeutung. Für das Große Mausohr (Myotis myotis) stellt die Heimkehle das wichtigste Winterquartier im Harz dar. Neben dieser Art überwintern hier auch Mops- und Bechsteinfledermaus (Barbastella barbastellus, Myotis bechsteinii), Braunes und Graues Langohr (Plecotus auritus, P. austriacus) sowie Nord-, Breitflügel- und Zweifarbfledermaus (Eptesicus nilssonii, E. serotinus, Vespertilio murinus). In den Sommermonaten kommen im Umfeld der Höhle Brandt-, Bart-, und die erst kürzlich als eigene Art anerkannte Nymphenfledermaus (Myotis brandtii, M. mystacinus, M. alcathoe) vor.
Hervorzuheben sind die Populationen von Schlingnatter (Coronella austriaca) und Zauneidechse (Lacerta agilis).
Die Lurche werden von Geburtshelferkröte (Alytes obstetricans), Seefrosch (Rana ridibunda), Kammmolch (Triturus cristatus) und Feuersalamander (Salamandra salamandra) vertreten.
In der Thyra und im Krebsbach findet man zudem die Groppe (Cottus gobio) und das Bachneunauge (Lampetra planeri).
Außerdem gibt es Nachweise des Hirschkäfers (Lucanus cervus). Zu den naturschutzfachlich bemerkenswerten Vorkommen der Falter zählen Großer Eisvogel (Limenitis populi) und Feuchtwiesen-Perlmutterfalter (Brenthis ino).

Literatur: 98, 207, 212, 330, 334, 335

verändert nach:

Jentzsch, M. und Reichhoff, L. (2013): Handbuch der FFH-Gebiete Sachsen-Anhalts. Hrsg. Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt. Halle (Saale). 616 Seiten

Links / Dokumente

Den Standarddatenbogen und die Meldekarte finden Sie auf der Internetseite des Landesamtes für Umweltschutz.

Managementplan

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