Bürgerholz bei Burg (FFH0040)

Größe [ha]: 941
Landkreise und kreisfreie Städte: Jerichower Land
Verwaltungseinheiten: Einheitsgemeinde Stadt Burg; Einheitsgemeinde Elbe-Parey

Gebietsbeschreibung

Das FFH-Gebiet liegt etwa 5 km nordöstlich der Stadt Burg im Übergang vom „Burger Vorfläming“ zum „Ländchen im Elbe-Havel-Winkel“. Es ist deckungsgleich mit dem NSG „Bürger Holz“ und besteht überwiegend aus Feuchtlaubwäldern, die von einem breiten Gürtel aus Wirtschaftsgrünland umschlossen sind. Im Norden wird das Schutzgebiet von der Bahnlinie Berlin-Hannover zerschnitten.

Ausgewählte Arten nach Anhang II der FFH-RichtlinieTextfeld öffnenTextfeld öffnen

Lebensraumtypen und Flora

Ein großflächiges Waldgebiet aus Erlen-Bruch- und Erlen-Sumpfwäldern mit gefährdeten Arten wie Sumpffarn (Thelypteris palustris) und Wasserfeder (Hottonia palustris) prägt das FFH-Gebiet im Zentrum. Auf feuchten, jedoch nicht vermoorten Standorten gehen die Erlen-Bruchwälder in Bestände des FFH-LRT 91E0* Erlen-Eschenwälder (138 ha) über. Hier kommen Wechselblättriges Milzkraut (Chrysosplenium alternifolium), Einbeere (Paris quadrifolia), Bitteres Schaumkraut (Cardamine amara) und Hain-Sternmiere (Stellaria nemorum) sowie verschiedene Orchideenarten, wie Großes Zweiblatt (Listera ovata), Fuchs´ Knabenkraut (Dactylorhiza fuchsii) und Breitblättriger Sitter (Epipactis helleborine), vor.
Ebenfalls große Flächenanteile umfasst der FFH-LRT 9160 Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwälder (139 ha) mit Schuppenwurz (Lathraea squamaria), Hain-Wachtelweizen (Melampyrum nemorosum), Wald-Ziest (Stachys sylvatica), Hain-Veilchen (Viola riviniana) und Vielblütiger Weißwurz (Polygonatum multiflorum).

Arme, teilweise feuchte Sandstandorte werden vom FFH-LRT 9190 Eichenwälder auf Sandebenen (19 ha) besiedelt. Charakteristische Arten der Bodenvegetation sind hier u. a. Pillen-Segge (Carex pilulifera), Pfeifengras (Molinia caerulea) und Behaarte Hainsimse (Luzula pilosa). Der FFH-LRT 9110 Hainsimsen-Buchenwald (ca. 1 ha) kommt nur kleinflächig auf schwach grundwasserbeeinflussten Talsandstandorten vor, wird aber von mächtigen Altbuchen geprägt.

Hochstaudenfluren des FFH-LRT 6430 Feuchte Hochstaudenfluren (0,7 ha) sind kleinflächig und als lineare Strukturen entlang der Entwässerungsgräben verbreitet. Dabei handelt es sich vorwiegend um Gesellschaften der Feuchtwiesensäume, die häufig mit Seggenrieden vergesellschaftet sind und zu deren lebensraumtypkennzeichnenden Pflanzenarten Echtes Mädesüß (Filipendula ulmaria), Sumpf-Storchschnabel (Geranium palustre), Flügel-Hartheu (Hypericum tetrapterum), Gemeiner Wasserdost (Eupatorium cannabinum) und Zaun-Winde (Calystegia sepium) gehören.

Die Grünländer des FFH-Gebietes setzen sich aus frischen Mähwiesen im nördlichen Teil sowie feuchten Weidegrünländern in den sonstigen Bereichen zusammen. Sie zählen zum FFH-LRT 6510 Magere Flachland-Mähwiesen (156 ha). In den wenigen verbliebenen buntblütigen Glatthafer-Wiesen kommen Wiesen-Glockenblume (Campanula patula), Wiesen-Margerite (Leucanthemum vulgare) und Scharfer Hahnenfuß (Ranunculus acris) vor, während die gutwüchsigen Fuchsschwanz-Wiesen der feuchteren Standorte neben den charakteristischen Arten Wiesen-Schaumkraut (Cardamine pratensis) und Kuckucks-Lichtnelke (Silene flos-cuculi) vor allem Elemente der Kohldistel-Wiesen enthalten. Feuchtwiesen-Fragmente beherbergen noch individuenschwache Vorkommen des ehemals weitverbreiteten Breitblättrigen Knabenkrautes (Dactylorhiza majalis).

Mehrere Entwässerungsgräben mit artenreicheren Vegetationsstrukturen und Vorkommen lebensraumtypischer Arten und Pflanzengesellschaften besitzen ein Entwicklungspotenzial zum FFH-LRT 3260 Flüsse mit Wasservegetation (1 ha). Bemerkenswerte Pflanzenarten sind Wasserfeder (Hottonia palustris), Sumpf-Wasserstern (Callitriche palustris agg.), Berle (Berula erecta) und Gemeiner Wasser-Hahnenfuß (Ranunculus aquatilis).

Fauna

Auf Grund des Vorhandenseins von Gewässern bzw. feuchten oder nassen Standorten in Verbindung mit ausgedehnten Laubwaldgesellschaften mit Tot- und Altholz stellen große Teile des Gebietes wertvolle Lebensräume für Fledermausarten dar. Insgesamt liegen Nachweise von mindestens zwölf Fledermausarten vor, darunter Mops- und Teichfledermaus (Barbastella barbastellus, Myotis dasycneme). Für den Großen und den Kleinabendsegler (Nyctalus noctula, N. leisleri) sowie für Rauhaut- und Mückenfledermaus (Pipistrellus nathusii, P. pygmaeus) konnten in Fledermauskästen Wochenstubengemeinschaften nachgewiesen werden.

An trockenen Waldrändern mit schütterer Vegetation lebt die Zauneidechse (Lacerta agilis), die hier Nahrung, Sonnenplätze und Versteckmöglichkeiten findet.

Aus dem Bürgerholz existieren für Hirschkäfer (Lucanus cervus) und Eremit (Osmoderma eremita) Nachweise aus der jüngeren Vergangenheit. Aufgrund des Vorhandenseins potenzieller Lebensstätten des Eremiten kann das Vorkommen der Art aber weiterhin angenommen werden, während der Hirschkäfer das Gebiet wohl mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr besiedelt. Es ist außerdem ein Lebensraum stark gefährdeter und vom Aussterben bedrohter Bockkäferarten, wie z. B. Bogenförmiger Halsbock (Leptura arcuata), Kleiner Scheibenbock (Phymatodes pusillus) und Kiefern-Wipfelbock (Pogonocherus decoratus).

Die Feuchtwälder werden von verschiedenen bemerkenswerten Brutvögeln bewohnt. So weist der Kranich (Grus grus) eine sehr hohe Revierdichte auf und auch der Schwarzstorch (Ciconia nigra) besitzt hier einen langjährig besetzten Brutplatz. Wiedervernässungsmaßnahmen in den Waldflächen zu Beginn der 1990er Jahre begünstigen beide Arten. See- und Fischadler (Haliaeetus albicilla, Pandion haliaetus) frequentieren das elbnahe Waldgebiet regelmäßig.

Literatur: 207, 212, 238, 264, 279, 333, 413

verändert nach:

Jentzsch, M. und Reichhoff, L. (2013): Handbuch der FFH-Gebiete Sachsen-Anhalts. Hrsg. Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt. Halle (Saale). 616 Seiten

Links / Dokumente

Hauptteil (N2000-LVO LSA)

Gebietsbezogene Anlage (N2000-LVO)

Den Standarddatenbogen und die Meldekarte finden Sie auf der Internetseite des Landesamtes für Umweltschutz.

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