Burgesroth und Laubwälder bei Ballenstedt (FFH0177)

Herbstaspekt auf einer Hügelkuppe © Maxi RuthenbergHerbstaspekt auf einer Hügelkuppe © Maxi Ruthenberg

Größe [ha]: 620
Landkreise und kreisfreie Städte: Harz
Verwaltungseinheiten: Einheitsgemeinde Stadt Ballenstedt

Gebietsbeschreibung

Unmittelbar südwestlich von Ballenstedt im „Nördlichen Harzvorland“ befindet sich das FFH-Gebiet. Den Untergrund dominieren Tonschiefer und Grauwacken. Die Ausgangsgesteine sind flächig von Basisschuttdecken überzogen, über denen eine unterschiedlich mächtige Berglöß-Deckschicht liegt.

Ausgewählte Arten nach Anhang II der FFH-RichtlinieTextfeld öffnenTextfeld öffnen

Lebensraumtypen und Flora

Die vorherrschende Waldgesellschaft der Hanglagen oberhalb von Ballenstedt ist der FFH-LRT 9170 Labkraut-Eichen-Hainbuchenwald (320 ha). In der Baumschicht kommen neben den namengebenden Baumarten Gemeine Esche (Fraxinus excelsior), Elsbeere (Sorbus torminalis) und Ahorn-Arten (Acer div. spec.) vor. Das Eindringen der Rotbuche (Fagus sylvatica) deutet auf den sekundären Charakter dieser Gesellschaft hin. In der Krautschicht finden sich Wald-Reitgras (Calamagrostis arundinacea), Buschwindröschen (Anemone nemorosa), Maiglöckchen (Convallaria majalis), Hohler Lerchensporn (Corydalis cava) und Einblütiges Perlgras (Melica uniflora). Die Eichen-Hainbuchen-Wälder des FFH-Gebietes wurden während der letzten zehn Jahre intensiv genutzt. Diese Lichtstellung förderte den Graswuchs sehr stark und unterdrückte die Frühjahrsgeophyten. Die Buchenwälder sind als FFH-LRT 9110 Hainsimsen-Buchenwälder (30 ha) und als FFH-LRT 9130 Waldmeister-Buchenwälder (49 ha) ausgeprägt. In der Krautschicht kommen charakteristische Arten wie Schmalblättrige Hainsimse (Luzula luzuloides) oder Goldnessel (Lamium galeobdolon) und Wald-Veilchen (Viola reichenbachiana) vor. Die forstliche Bewirtschaftung in diesen Buchen-Hallenbeständen zielt bislang auf einen frühzeitigen Umtrieb hin, so dass die für den Naturschutz wertvollen Altbestände bisher nicht entstehen konnten. Der LRT 91E0* Erlen-Eschenwälder (19 ha) schließt unmittelbar an die Fließgewässer an, ist aber nur an einigen Quellstellen und Bächen ausgebildet. Am Siebersteinsbach sind die Erlen-Bestände recht gut ausgebildet und mit Rotbuche (Fagus sylvatica) und Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus) gemischt. In der Krautschicht dieser dem Winkelseggen-Erlen-Eschen-Wald nahestehenden Bestockungen kommen Winkel-Segge (Carex remota), Zittergras-Segge (C. brizoides) und Gemeiner Frauenfarn (Athyrium filix-mas) vor.

Nur kleinflächig ist der FFH-LRT 3260 Flüsse mit Wasservegetation (< 1 ha) entwickelt. Bestände des FFH-LRT 6430 Feuchte Hochstaudenfluren (3 ha) begleiten die Bachläufe. Fragmentarisch sind Feuchtwiesensäume mit Großem Mädesüß (Filipendula ulmaria) und Rauhaarigem Weidenröschen (Epilobium hirsutum) anzutreffen. Im oberen Amtmannstal treten Röhrichte und Riede sowie Mädesüß-Uferfluren auf. Des Weiteren gibt es hier noch genutzte und aufgelassene Wiesen mit Trollblume (Trollius europaeus) und Fuchs´ Knabenkraut (Dactylorhiza fuchsii). Der FFH-LRT 8220 Silikatfelsen mit Felsspaltenvegetation (< 1 ha) findet sich an wenigen Stellen, so im Siebersteinstal und im Amtmannstal. Charakteristische Arten wie Nördlicher und Braunstieliger Streifenfarn (Asplenium septentrionale, A. trichomanes) sowie Permalia saxatilis kommen hier vor.

Fauna

Im Gebiet wurden Schlingnatter (Coronella austriaca), Geburtshelferkröte (Alytes obstetricans) und Kammmolch (Triturus cristatus) beobachtet. Altnachweise liegen von Eremit (Osmoderma eremita) und Hirschkäfer (Lucanus cervus) vor. Während aktuell Brutbäume des Eremiten gefunden wurden, stehen vom Hirschkäfer jüngere Nachweise aus. Günstige Habitatbedingungen bestehen aber in Alteichenbereichen im NSG „Burgesroth“.

Naturschutzfachlich bedeutsam für das EU SPA sind die Vorkommen von Mauersegler (Apus apus), Wasseramsel (Cinclus cinclus), Mittelspecht (Dendrocopos medius), Schwarzspecht (Dryocopus martius), Grauspecht (Picus canus), Wendehals (Jynx torquilla), Rotmilan (Milvus milvus), Baumfalke (Falco subbuteo) und Neuntöter (Lanius collurio).

Literatur: 207, 212, 264, 286

verändert nach:

Jentzsch, M. und Reichhoff, L. (2013): Handbuch der FFH-Gebiete Sachsen-Anhalts. Hrsg. Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt. Halle (Saale). 616 Seiten

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