Kuhlache und Elsteraue bei Jessen (FFH0070)

Schwarze Elster mit Altarm © Stefan Ellermann (LAU)Schwarze Elster mit Altarm © Stefan Ellermann (LAU)

Größe [ha]: 150
Landkreise und kreisfreie Städte: Wittenberg
Verwaltungseinheiten:Einheitsgemeinde Stadt Jessen (Elster)

Gebietsbeschreibung

An der eng eingedeichten Schwarzen Elster südwestlich von Jessen erstrecken sich in der „Annaburger Heide und Schwarze-Elster-Tal“ vor allem linksseitig des Flusses relativ großflächige Altauen. Der östliche Bereich, die sogenannte Ritterburg, umfasst Altwässer mit Verlandungsflächen und in Sukzession befindliche ehemalige Wiesen. Der westliche Bereich, die Kuhlache, ist eine sich nach Süden erstreckende Niederung mit Landröhrichten und Seggenriedern. Beide über die rezente Elsteraue in Verbindung stehenden Flächen bilden das FFH-Gebiet.

Lebensraumtypen und Flora

In einem lang gestreckten, innerdeichs liegenden Elsteraltwasser siedelt der FFH-LRT 3150 Eutrophe Seen (ca. 4 ha). Hier findet man Froschbiss (Hydrocharis morsus-ranae), Krebsschere (Stratiotes aloides), Gemeines Hornblatt (Ceratophyllum demersum), Ähriges Tausendblatt (Myriophyllum spicatum) und Spitzblättriges Laichkraut (Potamogeton acutifolius). Besonders bemerkenswert ist das aktuell einzige Vorkommen des Froschkrautes (Luronium natans) in Sachsen-Anhalt, einer Art des Anhanges II der FFH-Richtlinie, das im Jahre 2005 letztmalig nachgewiesen wurde. Es bildet hier das westliche Vorkommen eines Teilareals an der Schwarzen Elster und ihrer Nebenfließe in Brandenburg. Weitere seltene Arten sind Heusenkraut (Ludvegia palustris), Schuppensimse (Isolopis fluitans) und Südlicher Wasserschlauch (Utricularia australis).
In der Schwarzen Elster tritt der FFH-LRT 3260 Flüsse mit Wasservegetation (ca. 3 ha) auf. Die Bestände werden von der Fließwasserform des Pfeilkraut-Igelkolben-Kleinröhrichts aufgebaut. Hier kommen neben den namengebenden Arten Schwanenblume (Butomus umbellatus), Gelbe Teichrose (Nuphar lutea), Seekanne (Nymphoides peltata), Knotiges Laichkraut (Potamogeton nodosus) und Ähriges Tausendblatt vor. Als zunehmende Beeinträchtigung wird die Ausbreitung des Neophyten Verschiedenblättriges Tausendblatt (Myriophyllum heterophyllum) gewertet.

Das Grünland setzt sich aus Beständen des FFH-LRT 6440 Brenndolden-Auenwiesen (ca. 0,6 ha) und solchen des FFH-LRT 6510 Magere Flachland-Mähwiesen (ca. 13 ha) zusammen. Die Auenwiesen mit Rasen-Schmiele (Deschapsia cespitosa) und Wiesen-Fuchsschwanz (Alopecurus pratensis) werden gekennzeichnet durch Brenndolde (Cnidium dubium), Langblättrigen Blauweiderich (Veronica maritima), Goldschopf-Hahnenfuß (Ranunculus auricomus), Gräben-Veilchen (Viola stagnina), Silau (Silaum silaus) und Esels- Wolfsmilch (Euphorbia esula). Wegen der fehlenden Nutzung treten bereichsweise Sukzessionen auf. Die mageren Flachland-Mähwiesen sind als Glatthafer-, Rotschwingel-, Wiesenschmielen- und Fuchsschwanz-Wiesen ausgebildet. Hier kommen Ruchgras (Anthoxanthum odoratum), Gemeine Hainsimse (Luzula campestris), Wiesen-Glockenblume (Campanula patula), Wiesen-Schaumkraut (Cardamine pratensis), Wiesen-Flockenblume (Centaurea jacea), Wiesen-Labkraut (Galium album), Heide-Nelke (Dianthus deltoides), Wiesen-Margerite (Leucanthemum vulgare), Kümmel-Silge (Selinum carvifolium) und Vogel-Wicke (Vicia cracca) vor.

Wälder als Lebensraumtypen sind nur kleinflächig entwickelt. So siedeln hier Bestände des FFH-LRT 91F0 Hartholzauenwälder (2 ha) mit Schlank- und Zittergras-Segge (Carex acuta, C. brizoides) und Wald-Veilchen (Viola reichenbachiana) neben solchen des FFH-LRT 91E0* Erlen-Eschenwälder (0,2 ha) mit Rohrglanzgras (Phalaris arundinacea) und Wasser-Schwertlilie (Iris pseudacorus). Auf den angrenzenden Hochflächen findet sich der FFH-LRT 9190 Eichenwälder auf Sandebenen (1,7 ha), in dem Schlängel-Schmiele (Deschampsia flexuosa), Berg-Haarstrang (Peucedanum oreoselinum) und Tüpfel-Hartheu (Hypericum perforatum) auftreten. Den FFH-LRT 9170 Labkraut-Eichen-Hainbuchenwald (0,7 ha) bildet ein von Stiel-Eiche (Quercus robur) dominierter Bestand auf dem Talhang bei Schweinitz. In der Krautschicht wachsen Wald-Zwenke (Brachypodium sylvaticum), Wirbeldost (Clinopodium vulgare), Efeu (Hedera helix), Gemeines und Glattes Habichtskraut (Hieracium lachenalii, H. laevigatum), Wiesen-Wachtelweizen (Melampyrum pratense) sowie die Eutrophierungszeiger Taumel-Kälberkropf (Chaerophyllum temulum) und Schöllkraut (Chelidonium majus).

Fauna

Biber (Castor fiber) und Fischotter (Lutra lutra) besiedeln die Gewässer des Gebietes. Für beide Arten haben diese nicht nur Bedeutung als ganzjähriger Lebensraum, sondern über die Schwarze Elster auch als Wanderkorridor. Die Elsteraue ist für Fledermausarten als Sommerlebensraum und Migrationsraum zwischen Annaburger Heide und Elbe bedeutsam. Mops- und Rauhautfledermaus (Barbastella barbastellus, Pipistrellus nathusii) sowie Großer Abendsegler (Nyctalus noctula) und Braunes Langohr (Plecotus auritus) reproduzieren im Gebiet oder dessen näherem Umfeld. Für die Bartfledermaus (Myotis mystacinus) dient es als Nahrungshabitat.

Der Moorfrosch (Rana arvalis) ist regelmäßig im Feuchtgebiet der Kuhlache zu finden, Kreuz- und Wechselkröte (Bufo calamita; B. viridis) ebenso wie die Knoblauchkröte (Pelobates fuscus) dagegen nur an geeigneten Bereichen mit grabbaren Böden.

Nach 1990 verbesserte sich die Wassergüte der Schwarzen Elster erheblich, so dass heute wieder Fische geeignete Lebensbedingungen finden. So kommt hier der strömungsliebende Rapfen (Aspius aspius) vor. Im Altarm wurden Bitterlinge (Rhodeus amarus) ebenso wie Schlammpeitzger (Misgurnus fossilis) nachgewiesen, letzterer in den ufernahen, flachen und verschlammten Bereichen.

Literatur: 109, 203, 207, 212, 279, 319, 391, 407, 412, 511

verändert nach:

Jentzsch, M. und Reichhoff, L. (2013): Handbuch der FFH-Gebiete Sachsen-Anhalts. Hrsg. Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt. Halle (Saale). 616 Seiten

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