Muldeaue oberhalb Pouch (FFH0180)

Mulde © Philipp BradeMulde © Philipp Brade

Größe [ha]: 513
Landkreise und kreisfreie Städte: Anhalt-Bitterfeld
Verwaltungseinheiten:Einheitsgemeinde Muldestausee

Gebietsbeschreibung

Der Muldetalhang Rösa erstreckt sich entlang der Mulde zwischen Bad Düben und dem Muldestausee bei Pouch. Das FFH-Gebiet schließt den in Sachsen-Anhalt gelegenen Teil der Mulde sowie die angrenzende Flussaue mit ihrem Talhang ein.

Ausgewählte Arten nach Anhang IV der FFH-RichtlinieTextfeld öffnenTextfeld öffnen

Lebensraumtypen und Flora

Das Schutzgebiet wird im Wesentlichen von der Mulde und ihrer charakteristischen Auenlandschaft mit Weich- und Hartholzauenwäldern, Altwässern und Grünlandbereichen bestimmt. Der naturnahe und abschnittweise sogar noch natürliche Fluss mit Gleit- und Prallhängen besitzt eine hohe Morphodynamik. Im Unterschied zur Mulde unterhalb des Muldestausees im FFH-Gebiet 129 „Untere Muldeaue“, in dem die Prallhänge des Flusses überwiegend versteint und damit festgelegt sind, findet in der Muldeaue oberhalb Pouch eine aktive Seitenerosion statt. Die Ufer brechen nach Hochwassern auf breiter Front ab, sodass sich der Fluss seitwärts verlagert. Das Erosionsmaterial wird wieder an den Gleithängen abgelagert, wo sich breite und langgestreckte Sand- und Kiesbänke bilden, die einer ausgesprochenen Dynamik unterliegen. In den Akkumulationsbereichen werden Sand- und Kiesbänke gebildet, auf denen sich Annuellenfluren des FFH-LRT 3270 Flüsse mit Schlammbänken (6 ha) entwickeln. Typische, hier vorkommende Pflanzengesellschaften sind die Zweizahn-Wasserpfeffer-, die Donauknöterich- und die
Zweizahn-Spießmelden-Gesellschaft.

Verschiedene Altwasser nördlich der Mulde sowie die Alte Mulde bei Roitzschjora gehören zum FFH-LRT 3150 Eutrophe Seen (25 ha) und weisen gute oder mittlere bis schlechte Erhaltungszustände auf. Als charakteristische Arten kommen Krebsschere (Stratiotes aloides), Gelbe Teichrose (Nuphar lutea), Südlicher Wasserschlauch (Utricularia australis), Gemeiner Wasser-Hahnenfuß (Ranunculus aqualtilis) und Ähriges Tausendblatt (Myriophyllum spicatum) sowie die Wasserschweber Kleine Wasserlinse (Lemna minor) und Vielwurzelige Teichlinse (Spirodela polyrhiza) vor.

Als typische Wälder der Muldeaue sind sowohl Weich- als auch Hartholzauenwälder im Gebiet ausgebildet. Dabei nehmen die Bestände des FFH-LRT 91E0* Weichholzauenwälder (18 ha) einen wesentlich größeren Flächenanteil als die des FFH-LRT 91F0 Hartholzauenwälder (0,7 ha) ein, die als Winterlinden-Ausbildung des Eichen-Ulmen-Waldes entwickelt sind. Im NSG „Muldetalhang Rösa“ stocken an den erosionsbeeinflussten trockeneren Hangschultern des Talhanges Hainbuchen-Ulmen-Hangwälder des FFH-LRT 9170 Labkraut-Eichen-Hainbuchenwald (16 ha) und auf tiefgründigeren Hangbereichen Bestände des FFH-LRT 9160 Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwald (1,7 ha). Bemerkenswerte Arten sind hier Aronstab (Arum maculatum), Echtes Lungenkraut (Pulmonaria officinalis), Violetter Sitter (Epipactis purpurata), Großes Hexenkraut (Circaea lutetiana) sowie Hohler und Mittlerer Lerchensporn (Corydalis cava, C. intermedia).

Der FFH-LRT 6430 Feuchte Hochstaudenfluren (5 ha) ist an den Ufern der Mulde sowie auf feuchten Waldlichtungen im NSG „Muldetalhang Rösa“ entwickelt. Sie gehören den Feuchtwiesen- oder nitrophilen Flussufersäumen an. Hier gedeihen typische Pflanzenarten wie Echtes Mädesüß (Filipendula ulmaria), Rauhaariges Weidenröschen (Epilobium hirsutum), Europäische Seide (Cuscuta europaea) und Gelb-Segge (Carex flava). Das Grünland der Überflutungsaue sowie der Hochwasserschutzdeiche gehört in seiner artenreichen Ausbildung zumeist zum FFH-LRT 6510 Magere Flachland-Mähwiesen (112 ha). Seltener findet man Flächen mit dem FFH-LRT 6410 Pfeifengraswiesen (0,1 ha) und dem FFH-LRT 6440 Brenndolden-Auenwiesen (1,2 ha). Trockenrasen des FFH-LRT 6120 Kalkreiche Sandrasen (1,2 ha) kommen auf den sandigen Aushubwällen des ehemaligen Truppenübungsplatzes südwestlich Schwemsal vor.

Fauna

Die Muldeaue oberhalb Pouch wird durchgehend von Biber (Castor fiber) und Fischotter (Lutra lutra) besiedelt. Bedingt durch die naturnahe Struktur der Mulde sowie ein abschnittsweise gutes Angebot an regenrationsfähigen Weichhölzern, existiert hier für beide Arten ein sehr guter Lebensraum. Außerdem ist der Fluss ein wichtiger Migrationsweg für die aus der Elbeaue stammenden Tiere beider Arten in Richtung Süden.
Bedingt durch den geringen Gehölzbestand, hat das Gebiet vor allem als Jagdlebensraum für Fledermäuse Bedeutung. Besonders gewässertypische Arten kommen hier vor. Zu nennen wären Wasserfledermaus (Myotis daubentonii), Großer Abendsegler (Nyctalus noctula) aber auch Mücken- und Rauhautfledermaus (Pipistrellus pygmaeus, P. nathusii).



Hervorzuhebende Fischarten im Hauptstrom der Mulde sind der strömungsliebende Rapfen (Aspius aspius) sowie der die sandigen Substrate bevorzugende Steinbeißer (Cobitis taenia). Bitterlinge (Rhodeus amarus) leben in den Altarmen und Altwässern der Mulde sowie in geringer Anzahl auch in der Mulde selbst (Fangstatistik LHW). Die Vorkommen der von der Art zur Fortpflanzung benötigten Muscheln werden durch die fortschreitende Eutrophierung und die dadurch zunehmende Verschlammung der Altwässer stark beeinträchtigt.

Zu den bemerkenswerten Insekten des FFH-Gebiets zählt die Grüne Keiljungfer (Ophiogomphus cecilia). Diese findet auf den sandigkiesigen Sohlsubstraten ideale Lebensbedin- Mulde mit Abbruchufern und Inseln für ihre Larven. Der Altnachweis eines Hirschkäfers (Lucanus cervus) aus dem Jahre 1996 für das NSG „Muldetalhang Rösa“ konnte während der Untersuchungen in den Jahren 2005 und 2006 nicht bestätigt werden.

Literatur: 207, 212, 229, 264, 287, 407, 413, 512

verändert nach:

Jentzsch, M. und Reichhoff, L. (2013): Handbuch der FFH-Gebiete Sachsen-Anhalts. Hrsg. Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt. Halle (Saale). 616 Seiten

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