Grabensystem Drömling (FFH0020)

Graben im Drömling © Lutz DöringGraben im Drömling © Lutz Döring

Größe [ha / km]: 106 / 670
Landkreise und kreisfreie Städte: Altmarkkreis Salzwedel; Börde
Verwaltungseinheiten:Einheitsgemeinde Stadt Klötze; Einheitsgemeinde Hansestadt Gardelegen; Einheitsgemeinde Stadt Oebisfelde-Weferlingen; Verbandsgemeinde Flechtingen

Gebietsbeschreibung

Das aus einem weit verzweigten Grabensystem bestehende FFH-Gebiet im „Drömling“ verbindet die beiden Teile des FFH-Gebietes „Drömling“. Der überwiegende Teil des Gebietes liegt im NSG „Ohre-Drömling“, welches der zentrale Bestandteil des gleichnamigen Naturparks ist.

Lebensraumtypen und Flora

Die Gräben, Fließgewässer und Kanäle des FFH-Gebietes verfügen vielerorts über eine artenreiche, submerse Vegetation. Frei fließende Abschnitte mit einer typisch ausgeprägten Fließgewässervegetation gehören dem FFH-LRT 3260 Flüsse mit Wasservegetation (24 ha) an. Als charakteristische Arten kommen Brunnenkresse (Nasturtium officinale agg.), Blauer Wasser-Ehrenpreis (Veronica anagallis-aquatica), Kamm-Laichkraut (Potamogeton pectinatus), Gelbe Teichrose (Nuphar lutea), Einfacher Igelkolben (Sparganium emersum), Flutender Schwaden (Glyceria fluitans) und Pfeilkraut (Sagittaria sagittifolia) vor.
In den zahlreichen Moordammgräben, Teichgräben und Wiesenweihern sind die typischen Wasserpflanzenbestände des FFH-LRT 3150 Eutropher Seen (7 ha) entwickelt. Bemerkenswert ist das Vorkommen des Flutenden Selleries (Apium indundatum) sowie weiterer Stillgewässerarten, wie Froschbiss (Hydrocharis morsus-ranae), Wasserfeder (Hottonia palustris), Gemeiner Wasserhahnenfuß (Ranunculus aquatilis), Alpen- und Gestrecktes Laichkraut (Potamogeton alpinus, P. praelongus).

Die schmalen Uferstreifen besiedeln Feuchte Hochstaudenfluren des FFH-LRT 6430 (10 ha). Sie werden standortsabhängig von Mädesüß-, Wasserdost- und Zaunwindenfluren vertreten. Neben den namengebenden Arten sind Echter Baldrian (Valeriana officinalis), Gemeiner Gilbweiderich (Lysimachia vulgaris) und Glänzende Wiesenraute (Thalictrum lucidum) häufige Bestandsbildner. Weiterhin kommen Wasser-Schwertlilie (Iris pseudacorus), Sumpf-Gänsedistel (Sonchus palustris) und Sumpf-Greiskraut (Senecio paludosus) vor.

Fauna

Für Biber (Castor fiber) und Fischotter (Lutra lutra) besitzt das FFH-Gebiet eine wichtige Funktion als Dauerlebensraum, aber auch als Migrationsweg zwischen den Einzugsgebieten von Elbe und Weser. Die Gewässer des Gebietes mit ihrem reichen Insektenangebot werden von Fledermäusen intensiv zur Nahrungssuche beflogen. Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus), Großes Mausohr (Myotis myotis), Großer Abendsegler (Nyctalus noctula) und Kleinabendsegler (Nyctalus leisleri) sowie Wasser- (Myotis daubentonii), Fransen- (Myotis nattereri), Zwerg- (Pipistrellus pipistrellus) und Rauhautfledermaus (Pipistrellus nathusii) konnten bisher nachgewiesen werden.

Vor allem die Dämme des Mittellandkanals mit ihren südexponierten Böschungen bieten der Zauneidechse (Lacerta agilis) einen geeigneten Teillebensraum.

Neben individuenstarken Populationen von Laub- und Moorfrosch (Hyla arborea, Rana arvalis) kommen auch Knoblauchkröte (Pelobates fuscus), Kreuzkröte (Bufo calamita), Kleiner Wasserfrosch (Rana lessonae) und Kammmolch (Triturus cristatus) im Gebiet vor.

Einzelne Teichgräben mit Teichmuschel-Vorkommen (Anodonta anatina) werden durch den Bitterling (Rhodeus amarus) besiedelt. Der Schlammpeitzger (Misgurnus fossilis) ist selten in flachen, sommerwarmen Gräben zu finden. Auf der Bekassinenwiese nördlich des Mittellandkanals wurde im Jahr 2000 die Schmale Windelschnecke (Vertigo angustior) in einer individuenarmen Population festgestellt. Weitere Vorkommen der Art sind in den Uferseggenbeständen der Gräben anzunehmen.

Als Brutvögel des Grabensystems Drömling als Teil des EU SPA seien Krickente (Anas crecca), Rohrweihe (Circus aeruginosus), Kranich (Grus grus), Bekassine (Gallinago gallinago) und Eisvogel (Alcedo atthis) sowie Drossel- und Schilfrohrsänger (Acrocephalus arundinaceus, A. schoenobaenus) genannt. Außerdem wird das Gebiet von Weißstörchen (Ciconia ciconia) zur Nahrungssuche genutzt.

Literatur: 15, 173, 207, 212, 256, 279, 407, 413, 447, 511, 531

verändert nach:

Jentzsch, M. und Reichhoff, L. (2013): Handbuch der FFH-Gebiete Sachsen-Anhalts. Hrsg. Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt. Halle (Saale). 616 Seiten

Links / Dokumente

Den Standarddatenbogen und die Meldekarte finden Sie auf der Internetseite des Landesamtes für Umweltschutz.

Das Natura 2000-Gebiet ist durch das Landschaftsschutzgebiet "Drömling" bereits rechtlich gesichert.

Verordnung des Landesverwaltungsamtes Sachsen-Anhalt über das Landschaftsschutzgebiet "Drömling"
      (Amtsblatt Nr. 13 vom 18. Mai 2016)

Nutzungshinweise

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