Lausiger Teiche und Ausreißer-Teich östlich Bad Schmiedeberg (FFH0132)

Lausiger Teiche © Dr. Uwe ZuppkeLausiger Teiche © Dr. Uwe Zuppke

Größe [ha]: 105
Landkreise und kreisfreie Städte: Wittenberg
Verwaltungseinheiten:Einheitsgemeinde Stadt Bad Schmiedeberg

Gebietsbeschreibung

Das FFH-Gebiet liegt in der „Dübener Heide“ westlich von Bad-Schmiedeberg und erfasst drei bereits im Mittelalter entstandene Teiche. Benachbart liegen der Große und Kleine Lausiger Teich, der Ausreißerteich befindet sich hingegen in einer Entfernung von etwa 1 km. Aktuell erfolgt eine fischereiwirtschaftliche Nutzung. Das Gebiet ist in Wälder eingebettet, wobei Nadelforsten dominieren.

Ausgewählte Arten nach Anhang II der FFH-RichtlinieTextfeld öffnenTextfeld öffnen

Lebensraumtypen und Flora

Charakteristisch für ärmere und feuchte Standorte ist im Gebiet der FFH-LRT 9190 Eichenwälder auf Sandebenen (8 ha), dessen Baumschicht sich aus Stiel-Eiche (Quercus robur), Hänge-Birke (Betula pendula) und Schwarz-Erle (Alnus glutinosa) zusammen setzt. Forstlich bedingt tritt die Wald-Kiefer (Pinus sylvestris) auf. In der Strauchschicht erscheinen Hasel (Corylus avellana), Zitter-Pappel (Populus tremula), Eberesche (Sorbus aucuparia) und Ohr-Weide (Salix aurita). Die Feldschicht bestimmen Gräser wie Pfeifengras (Molinia cerulea), Schlängel-Schmiele (Deschampsia flexuosa), Pillen-, Zittergras- und Behaarte Segge (Carex pilulifera, C. brizoides, C. hirta), Rot-Straußgras (Agrostis capillaris), Wolliges Honiggras (Holcus lanatus) und Schaf-Schwingel (Festuca ovina). Hinzu treten Feuchtigkeit oder saure Standorte liebende Arten wie Breitblättriger Dornfarn (Dryopteris dilatata), Wasser-Schwertlilie (Iris pseudacorus), Wald-Simse (Scipus silvaticus), Tüpfel-Johanniskraut (Hypericum perforatum), Wiesen-Wachtelweizen (Melampyrum pratense), Besenheide (Calluna vulgaris), Glockenheide (Erica tetralix), Heidelbeere (Vaccinium mytillus) und Blutwurz (Potentilla erecta).
Stärker vernässte und nährstoffreichere Standorte besiedelt der FFH-LRT 91E0* Erlen-Eschenwälder (6 ha). In seiner oberen Baumschicht herrscht die Schwarz-Erle (Alnus glutiniosa), der sich Fahl-Weide (Salix x rubens) und Stiel-Eiche (Quercus robur) zugesellen. Gemeine Esche (Fraxinus excelsior) prägt den Unterstand. Die Strauchschicht setzt sich aus Faulbaum (Frangula alnus), Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus) und Eingriffligem Weißdorn (Crataegus monogyna) zusammen. Feuchtigkeit liebende Arten, wie Giersch (Aegopodium podagraria), Großes Mädesüß (Filipendula ulmaria), Wasser-Schwertlilie (Iris pseudacorus), Gilbweiderich (Lysimachia vulgaris), Rohr-Glanzgras (Phalaris arundinacea), Sumpf-Vergissmeinnicht (Myosotis scorpioides), Wald-Simse (Scirpus sylvaticus), Sumpf-Ziest (Stachys palustris), Sumpf-Kratzdistel (Cirsium palustre), Sumpf-Reitgras (Calamagrostis canescens), Sumpf-Schlangenwurz (Calla palustris), Bitteres Schaumkraut (Cardamine amara), Langährige, Rispen- und Scheinzyper-Segge (Carex elongata, C. paniculata, C. pseudocyperus), Sumpf-Haarstrang (Peucedanum palustre) und Wasserdarm (Stellaria aquatica), bestimmen die Bodenvegetation. Die Erlen-Eschen-Wälder weisen Übergänge zum FFH-LRT 9160 Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwald (2 ha) auf. Seine Bestände sind gestört, so dass invasive Neophyten, wie Rot-Eiche (Quercus rubra), Robinie (Robinia pseudoacacia) und Späte Traubenkirsche (Prunus serotina), eindringen.

Die Wasservegetation im Großen Lausiger Teich ist dem FFH-LRT 3150 Eutrophe Seen (2 ha) zuzuordnen. Dabei handelt es sich um im Flachwasser entwickelte Bestände des Kleinen Nixkrautes (Najs minor), zu denen sich das Zwerg-Laichkraut (Potamogeton pusillus) gesellt. In einem kleinen Teich befinden sich Vorkommen des Froschbiss (Hydrocharis morsus-ranae), in einem anderen Bestände siedeln Gelbe Teichrose (Nuphar lutea), Gemeines Hornblatt (Ceratophyllum demersum) und Südlicher Wasserschlauch (Utricularia australis). Im Ausreißerteich ist der FFH-LRT 3130 Oligo- bis mesotrophe saure Gewässer mit Strandlings- und Zwergbinsenvegetation (3 ha) ausgebildet. Auf trockenfallenden Schlamm- und Sandflächen wachsen Nadelsumpfsimsen-Rasen mit Nadel-Sumpfsimse (Eleocharis acicularis), Zypergras-Segge (Carex bohemica) und Ei-Sumpfsimse (Eleocharis ovata). Wasserseitig schließen sich ausgedehnte Bestände des Sechsmännigen Tännels (Elatine hexandra) an.
Südlich von Sachau siedeln in einem Bach Minimalausbildungen des FFH-LRT 3260 Flüsse mit Wasservegetation (0,9 ha), in denen das Pfeilkraut (Sagittaria sagittifolia) auftritt.

Der FFH-LRT 6430 Feuchte Hochstaudenfluren (0,4 ha) wird von Beständen der Seiden-Zaunwinden-Gesellschaft vertreten. Am Kleinen Lausiger Teich findet sich auch Moorvegetation, deren Bestände dem FFH-LRT 7140 Übergangs- und Schwingrasenmoore (ca. 1 ha) zugeordnet werden können. In ihnen siedeln Schmalblättriges Wollgras (Eripophorum angustifolium), Schnabel-Segge (Carex rostrata) sowie die Moose Sphagnum fallax, Sph. denticulatum, Drepanocladus aduncus und Aulacomnium palustre.

Fauna

Biber (Castor fiber) und Fischotter (Lutra lutra) besiedeln alle Teilbereiche des Gebietes. Die offenen Wasserflächen in Verbindung mit den angrenzenden Waldgebieten bilden geeignete Lebensräume für Fledermäuse. Die charakteristische Art ist hier die Wasserfledermaus (Myotis daubentonii). Während für Mops- (Barbastella barbastellus) und Brandtfledermaus (Myotis brandtii) der begründete Verdacht für Fortpflanzungsgemeinschaften besteht, konnten in Fledermauskästen für mehrere Arten, wie Fransen- und Rauhautfledermaus (Myotis nattereri, Pipistrellus nathusii), Kleinabendsegler (Nyctalus leisleri) und Braunes Langohr (Plecotus auritus), sichere Nachweise von Wochenstuben erbracht werden.

Über das Vorkommen von Lurchen gibt es durch die jährliche Kontrolle der mobilen Amphibien-Rettungszäune quantitative Aussagen. So wurden im Jahr 2006 allein am Kleinen Lausiger Teich 1.175 Kammmolche (Triturus cristatus), 730 Moorfrösche (Rana arvalis) und 423 Knoblauchkröten (Pelobates fuscus) in den Fangeimern gezählt. Der hohen Frequentierung der unmittelbar vorbeiführenden Landesstrasse wurde bei der Erneuerung der Straße im Jahr 2007 Rechnung getragen und eine stationäre Leiteinrichtung mit Amphibientunneln errichtet. Daneben sind die Lausiger Teiche auch Lebensraum eines kleinen Bestandes des Laubfrosches (Hyla arborea).

Im Jahre 1993 gelangen auch Nachweise der Grünen Mosaikjungfer (Aeshna viridis).

Literatur: 19, 74, 138, 207, 212, 217, 284, 391, 407, 456, 513

verändert nach:

Jentzsch, M. und Reichhoff, L. (2013): Handbuch der FFH-Gebiete Sachsen-Anhalts. Hrsg. Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt. Halle (Saale). 616 Seiten

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