Schweinitzer Fließ (FFH0175)

Habitat des Schlammpeitzgers © LPR - Landschaftsplanung Dr. Reichhoff GmbHHabitat des Schlammpeitzgers © LPR - Landschaftsplanung Dr. Reichhoff GmbH

Größe [ha]: 12
Landkreise und kreisfreie Städte: Wittenberg
Verwaltungseinheiten:Einheitsgemeinde Stadt Jessen (Elster)

Gebietsbeschreibung

Der stark begradigte, wiederholt durch Wehre unterbrochene und unterhalb Zwuschen eingedeichte Flussabschnitt des Schweinitzer Fließes liegt im „Südlichen Fläming-Hügelland“. Das FFH-Gebiet erstreckt sich von der Landesgrenze zu Brandenburg bis zur Mündung in die Schwarze Elster bei Schweinitz. Es erfasst den Gewässerlauf und dessen Uferstrukturen sowie angrenzende Wiesenflächen.

Lebensraumtypen und Flora

Prägend für das Gebiet ist der FFH-LRT 3260 Flüsse mit Wasservegetation (6 ha). Im Schweinitzer Fließ siedeln flutende Beständen das Pfeilkraut-Igelkolben-Kleinröhricht und der Wasserknöterich-Schwimmlaichkraut-Gesellschaft. Kennzeichnende Arten sind Berle (Berula erecta), Sumpf-Wasserstern (Callitriche palustris agg.), Schwimmendes, Berchtolds- und Durchwachsenblättriges Laichkraut (Potamogeton natans f. submersa, P. berchtoldii, P. perfoliatus), Pfeilkraut (Sagittaria sagittifolia), Einfacher Igelkolben (Sparganium emersum) und Bachbunge (Veronica beccabunga).

Am Schweinitzer Fliess, insbesondere im Umfeld des Ortes Kleinkorga, sind hervorragend ausgebildete Bestände des FFH-LRT 6430 Feuchte Hochstaudenfluren (1,5 ha) anzutreffen. Sie setzen sich unter anderem aus Rauhaarigem Weidenröschen (Epilobium hirsutum), Giersch (Aegopodium podagraria) und Europäischer Seide (Cuscuta europaea) zusammen und werden von Zaun-Winde (Calystegia sepium), Sumpf-Schafgarbe (Achillea ptarmica), Rohr-Glanzgras (Phalaris arundinacea), Hopfen (Humulus lupulus), Wasserdost (Eupatorium, cannabinum), Gelber Wiesenraute (Thalictrum flavum), Sumpf-Haarstrang (Peucedanum palustre), Sumpf-Greiskraut (Senecio paludosa), Großem Mädesüß (Filipendula ulmaria), Wasser-Minze (Mentha aquatica) und Wasser-Schwertlilie (Iris pseudacorus) begleitet.
Der FFH-LRT 6510 Magere Flachland-Mähwiesen (23 ha) ist in einem schlechten Erhaltungszustand ausgebildet. Nur kleinere Vorkommen, nämlich die Glatthafer (Arrhenatherum elatius)-, Fuchsschwanz (Alopecurus pratensis)- und Rasenschmielen (Deschampsia cespitosa)-Wiesen, sind artenreicher mit Wilder Möhre (Daucus carota), Heide-Nelke (Dianthus deltoides), Wiesen-Labkraut (Galium album), Wiesen-Platterbse (Lathyrus pratensis), Knolligem und Scharfem Hahnenfuß (Ranunculus bulbosus, R. acris), Knöllchen-Steinbrech (Saxifraga granulata), Kümmel-Silge (Selinum carvifolium), Sauer-Ampfer (Rumex acetosa), Kuckucks-Lichtnelke (Silene flos-cucculi), Wiesen-Schaumkraut (Cardamine pratensis), Wiesen-Glockenblume (Campanula patula) und Wiesen-Storchschnabel (Geranium pratense) anzutreffen.

Fauna

Biber (Castor fiber) und Fischotter (Lutra lutra) besiedeln das Gewässer auf der gesamten Länge. Für den Biber macht sich aber das nur lückige Vorkommen von regenerationsfähigen Weichhölzern als essenzielle Winternahrung negativ bemerkbar. Der Wasserlauf des Schweinitzer Fließ wird von Fledermäusen als Jagdgebiet genutzt. Hier kommen typische Arten der Fließgewässer bzw. Flussauen, wie Wasser- (Myotis daubentonii), Mücken- (Pipistrellus pygmaeus) und Rauhautfledermaus (Pipistrellus nathusii) sowie Großer Abendsegler (Nyctalus noctula), vor.
Wenn auch im angrenzenden Umland Knoblauchkröte (Pelobates fuscus) und Kreuzkröte (Bufo calamita) leben, so ist es doch fraglich, ob sie das unmittelbare Fließgewässer als Lebensraum nutzen.

Im Schweinitzer Fließ, direkt vor der Landesgrenze bei Buschkuhnsdorf, konnte bei Fischerfassungen der Bitterling (Rhodeus amarus) in bemerkenswerter Individuendichte und in allen Größenklassen nachgewiesen und als reproduktiver Bestand eingeschätzt werden. Auch im weiteren Verlauf abwärts des Fließes kommt diese Art vor, jedoch in wesentlich geringerer Dichte. Limitierender Faktor ist dort die Intensität der Grabenunterhaltung, bei der das Vorkommen der Teichmuschel (Anodonta anatina) beeinträchtigt wird. An vereinzelten Stellen konnte dennoch der Schlammpeitzger (Misgurnus fossilis) nachgewiesen werden.

Literatur: 284, 317, 391, 407, 513, 542

verändert nach:

Jentzsch, M. und Reichhoff, L. (2013): Handbuch der FFH-Gebiete Sachsen-Anhalts. Hrsg. Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt. Halle (Saale). 616 Seiten

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